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Schifffahrtsmuseum : Kulinarische Reise in die Fischerei-Historie

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Von Sprotten, Hering und Ellerbeker Räucheröfen: Das Kieler Schifffahrtsmuseum punktet bei Gästen mit neuer Führung mit anschließendem Fisch-Imbiss.

Die Begrüßung: nordisch, trocken, direkt. „Moin. Ihr wollt alle was über Fisch erfahren? Das dachte ich mir.“ Aber noch geht es nicht los. Der junge Mann im Fischerhemd setzt die 25 Teilnehmer dieser besonderen Führung erst einmal an die frische Luft. Auch vor der Tür des Schifffahrtsmuseums gibt es nämlich einiges zu entdecken. Ein kulinarisches Erlebnis wartet am Ende des Ausflugs in die Kieler Fischereihistorie auf die Gruppe.

Bis in die 60er Jahre hinein war das heutige Schifffahrtsmuseum als Umschlagplatz für Fisch bekannt, daher der Name Fischhalle. Das Dach des Gebäudes erinnert an einen Schiffsrumpf, erläutert der Mann in dem Fischerhemd – Arne Voß (30), Kieler Jung und Historiker, Fachgebiet Seefahrts- und Fischereigeschichte. Er zeigt den Gästen leicht zu übersehende maritime Details an der Fassade: stilisierte Fischköpfe, einen Neptun-Kopf sowie ein steinernes Haupt des Schutzheiligen der Fischer, Petrus.

Die Geschichte des Fischfangs in Kiel beginnt schon mit dem Stadtrecht im Jahr 1242, erläutert Voß, zurück im Museum. An einem alten Ellerbeker Fischerboot sammelt sich die Gruppe – Ellerbek war durch den flachen Strand zum Anlanden der Boote attraktiv. Als lokaler Wirtschaftsfaktor und Nahrungslieferant spielt Hering neben Dorsch oder auch Sprotten über lange Zeit eine Rolle – Fischerei erlebt einen Aufschwung durch Kiel als Reichskriegshafen ab 1871. Die Teilnehmer erfahren von den Versuchen, das Nahrungsmittel haltbar zu machen – Salz, Rauch, später das Einlegen in Öl oder Tomatensoße in Dosen. Zur Blüte der Fischräucherei gab es in Kiel ganze 40 Öfen. In der NS-Zeit lief die Propaganda-Maschinerie für Fisch als gesundes Volksnahrungsmittel. Davon profitierte Kiel. Ein Viertel des Seefisches, der im Umlauf war, kam von dort. Heute spielt Fischerei in Kiel kaum noch eine Rolle. Das Angebot im Seefischmarkt auf dem Ostufer kommt etwa aus Dänemark.

Die Gruppe lauscht, staunt, stellt Fragen, man erzählt aus eigener Erfahrung. Dass Krabben einst als „Arme-Leute-Essen“ galten, hören die Gäste ebenso wie von den Arbeiterfrauen, die zwischen den 30er und 60er Jahren gemieden wurden, wenn sie aus der Fischfabrik mit dem Bus nach Hause fuhren. Daran erinnert sich auch Antje Lange: „Der ganze Bus hat nach Fisch gerochen.“

Unvermeidlich, dass Arne Voß auch die Kieler Sprotte als Exkurs seiner 45-minütigen Führung ins Visier nimmt. „Warum heißt sie so?“, fragt er in die Runde. „Wegen dem Stempel auf der Kiste“, ruft einer. Die weit verbreitete Meinung: Die Sprotte kommt aus Eckernförde, wurde aber einst nach Kiel gebracht, dort in Kisten verpackt und per Bahn weiter transportiert – mit Kieler Frachtstempel. Denn Kiel hatte ab 1844 die Bahnverbindung nach Altona. Ganz geklärt, so Voß, sei die Herkunft auch heute nicht. Er gebe zu bedenken, dass die Fisch-Spezialität in einem landeskundlichen Buch aus Weimar bereits im Jahr 1809 erwähnt wurde – „und da war noch nichts mit Eisenbahn“.

Sprotten werden zum Abschluss übrigens nicht serviert, sondern Seelachs aus dem Atlantik – in Form von Fish & Chips.


Kulinarische Führung „Hering, Sprotte und Co.“ im Schifffahrtsmuseum Fischhalle, Wall 65 – jeden letzten Mittwoch im Monat und auf Anfrage. Teilnahme: 15 Euro pro Person. Info: Tel. 0431/901-3428

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erstellt am 31.Okt.2015 | 06:03 Uhr

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