Grundsteinlegung : Kriminaltechnik vom Feinsten

So soll es im Herbst 2020 aussehen: Das hochmoderne Laborgebäude der Kriminaltechnik umfasst 160 Räume.  PBR/GMSH
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So soll es im Herbst 2020 aussehen: Das hochmoderne Laborgebäude der Kriminaltechnik umfasst 160 Räume. PBR/GMSH

Die gut 100 Mitarbeiter dürfen sich freuen: Am Eichhof wurde gestern der Grundstein gelegt für den 24 Millionen Euro teuren Neubau. Das Gebäude, das sämtliche kriminaltechnischen Labore aufnehmen wird, soll in zwei Jahren bezugsfertig sein.

shz.de von
12. September 2018, 18:16 Uhr



Feierliche Stimmung gestern auf dem Gelände des Landeskriminalamtes (LKA) am Kieler Eichhof: Eine Grundsteinlegung war angesagt. Die Kriminaltechniker erhalten einen Neubau für ihre hochempfindlichen Labore, in denen sie auf Spurensuche gehen. Damit werden es selbst gewiefte Ganoven (noch) schwerer haben. In zwei Jahren soll Einzug sein, dann werden insgesamt 24 Millionen Euro in das viergeschossige Haus verbaut sein.

Die alten Kasernen und Gebäude, die teilweise noch aus der kaiserlichen Zeit stammen, haben 2020 endgültig ausgedient. Das Neubauprojekt steht am Ende einer langen Planungsphase. Erste konkrete Überlegungen zur aufwendigen Modernisierung der Kriminaltechnik stammen von 2011. Darauf wies der jetzige Innenminister Hans-Joachim Grote gestern hin. Und er wagte die Prognose, dass im Jahre 2025 oder 2030 die technischen Anforderungen wieder anders aussehen könnten als heute. Wichtig ist für ihn deshalb eine flexible Nutzung, die Veränderungen ermöglicht.

Oberste Richtlinie für das Neubauprojekt: Die 160 Labor-, Funktions- und Büroräume erfüllen die europäischen Normen für die technischen Untersuchungen. Frank Eisoldt als Geschäftsführer der GMSH, der Gebäude-Management Schleswig-Holstein, sprach angesichts der vielen Spezialaufgaben denn auch von einer „technischen Herausforderung“. Um Fehler zu vermeiden und keine Zeit zu verlieren, setzt das Planungsbüro Rohling (pbr) laut Eisoldt auf ein dreidimensionales Datenmodell. Reale Veränderungen am in die Höhe wachsenden Gebäude werden am virtuellen Computerbild überprüft und gegebenfalls korrigiert.

Für die Grundsteinlegung hatten sich die Kriminaltechniker einen kleinen Gag ausgedacht. Denn in die Kupferröhre wurden nicht nur die Bauzeichnungen, eine Ausgabe gültiger Euromünzen und ein Satz herkömmlicher Fingerabdrücke gelegt. Sondern auch eine DNA-Probe des KTI-Leiters. Meike Barche stand in Schutzkleidung bereit, um ihrem Chef eine Speichelprobe zu entnehmen und einzutüten. Die Gäste der Grundsteinlegung bekamen ein Gefühl von den Anforderungen an moderne Untersuchungsmethoden.

Mit Blick auf die ausgeschachtete Baustelle erklärte Kuczmann: „Die Grundsteinlegung markiert einen Meilenstein. Ab heute geht es aufwärts.“ Und mit diesen Worten legte er noch die aktuelle Ausgabe der Rendsburger Landeszeitung des sh:z (Schleswig-Holsteinischer Zeitungsverlag) in die Röhre – das hatte sich die Polizei so gewünscht.

Was Technik alles leisten kann

Das Kriminaltechnische Institut (KTI), das in den Neubau einziehen wird, arbeitet unabhängig vom Landeskriminalamt (LKA), versteht sich aber als zentraler Dienstleister für die Landespolizei. Es ist zuständig für die technische und kriminaltechnische Untersuchung und Bewertung von Beweismitteln – die Experten sprechen von „Asservaten“. Das KTI erstellt Gutachten für Gerichtsverfahren. Jährlich erhält das Institut rund 14 000 Aufträge mit insgesamt 40 000 einzelnen Gegenständen.

So beschäftigen sich die gut 100 Mitarbeiter im KTI etwa mit der Schusswaffenanalyse, mit der Schriftanalyse und der Materialuntersuchung. Zentrale Bedeutung für Strafverfahren haben auch die DNA-Analyse (etwa bei Sexualdelikten), die Daktyloskopie mit ihrem Archiv von Fingerabdrücken und überhaupt die gesamte Spurensicherung. Auch Toxikologen, die sich mit Giften beschäftigen, Brand- und Explosionsexperten, Textilfachleute oder Falschgeldfahnder kommen im KTI-Neubau unter. Ein geräumiges Asservatenlager mit eigener Lkw-Zufahrt im Keller vervollständigt den Komplex.

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