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Konzept „Kailight“ : Korb für Kieler Hörn-Projekt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wohn- und Geschäftshäuser direkt an der Kieler Hörn: Die Pläne der Firma Design Bau klingen verlockend – doch vorerst werden dort keine Bagger rollen.

shz.de von
erstellt am 15.Jan.2014 | 06:26 Uhr

Kiel | Wohnen am Wasser, innenstadtnah, direkt an der Hörn. Es liest sich gut, das Siegerkonzept „Kailight“ der Design Bau, die für die Hörn Wohn- und Geschäftshäuser plant sowie ein Kongresszentrum unweit der Halle 400. Doch es wird vorerst kein Bagger rollen. Es scheint gesichert, dass die Ratsversammlung in ihrer morgigen Sitzung dem Vorhaben eine Abfuhr erteilt. Die Begründung im nichtöffentlichen Teil des Bauausschusses lautete: „Die Absicherung des 80-Millionen-Euro schweren Projektes ist nicht gegeben.“ Eine zweite Schmidbau-Pleite will man in Kiel nicht erleben.

Thomas Schwinger-Caspari, Vorstandsvorsitzende der Design Bau, ist irritiert: „Ich bin enttäuscht, dass ich darüber von der Presse erfahre.“ Keinen seiner Anrufe habe Bürgermeister Peter Todeskino seit Weihnachten beantwortet. Auch gestern sei er nicht greifbar gewesen, das spreche für einen schlechten Stil. Zu den Gründen, der angeblich nicht gedeckten Finanzierung und Uneinigkeiten im Vertragswerk, sagt der Vorstandsvorsitzende: „Es wurde diskutiert, dass wir zusätzlich zu den 100 Millionen Investitionsvolumen weitere 100 Millionen als Bürgschaft hinterlegen – für ein Grundstück ohne Baurecht. Das ist unüblich.“ Die Stadt habe das nach Informationen bei anderen Städten auch eingesehen, so Schwinger-Caspari. Design Bau habe neben dem Ankauf der Grundstücke eine Bürgschaft über 1,4 Millionen Euro sowie eine Gesamtbürgschaft der börsennotierten Muttergesellschaft für das Bauvorhaben geboten. Alle geforderten Nachbesserungen seitens der Stadt habe man erfüllt. „Wir waren die einzigen, die auch die hinteren Grundstücke entwickeln wollten, die Kaufsumme hatten wir seit dem Tag der Bewerbung bei uns geblockt“, erzählt Schwinger-Caspari. Heute fühle er sich veralbert und rückblickend wirke alles „wie eine Hinhaltetaktik“, die seine Firma schon jetzt einen siebenstelligen Betrag gekostet hat. Schwinger-Caspari: „Ich verstehe nicht, womit wir diese Behandlung als Kieler Unternehmen verdient haben.“ Design Bau verlegt ihren Sitz gerade nach Berlin, entwickelte dort allein 2013 mehr als 1000 Wohneinheiten. „Das Konzernergebnis war sowohl 2011 als auch 2012 mit rund zwei Millionen positiv. Außerdem haben wir eine Eigenkapitalquote von mehr als 50 Prozent. Ich verstehe das Misstrauen nicht“, so Schwinger Caspari.

Vor vier Jahren begann die europaweite Ausschreibung. Design Bau gründete mit dem Kieler Architekturbüro Manfred Nagel eine Bietgemeinschaft und überzeugte mit den Entwürfen. „Im Februar 2012 haben wir unser Angebot abgegeben: Rund 10,5 Millionen Euro Anschaffungskosten für die vier Flächen, die zwei größeren sind in zweiter Reihe“, sagt Schwinger-Caspari. „Seitdem warten wir auf die Entscheidung.“ Personalwechsel bei der Stadt hätten zu Verzögerungen geführt. Seit Ende 2012 laufen die Vertragsverhandlungen.

Bekommt Design Bau einen Korb, müsste neu ausgeschrieben werden. Doch die Rahmenbedingungen des Vergaberechts erschweren die Suche nach geeigneten Investoren für das Areal. Denn die Richtlinien der EU, die Fördermittel für die Entwicklung der Hörn bewilligte, schreiben einen bestimmten Wohn- und Gewerbeanteil vor. Das Konzept der Design Bau entspricht diesen Vorgaben.

Denkbar wäre, dass die Design Bau nur zwei der insgesamt vier Grundstücke bekäme. Thomas Schwinger-Caspari: „Wir sind an der Entwicklung des Stadtteils interessiert und haben die Lösung für dieses Areal ja erst erfunden. Wir würden auch auf weniger Grundstücken bauen.“

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