Grossraum Kiel : Kooperation auf Augenhöhe

Gruppenbild nach Vertragsabschluss: Die Vertreter von 75 Kommunen wollen künftig enger, verlässlicher und erfolgreicher zusammenarbeiten.
1 von 2
Gruppenbild nach Vertragsabschluss: Die Vertreter von 75 Kommunen wollen künftig enger, verlässlicher und erfolgreicher zusammenarbeiten.

Verkehr und Schulen, Gewerbegebiete und Einzelhandel, Tourismus und Wohnen – die Probleme drängen. Deshalb einigten sich am Wochenende sämtliche 75 Kommunen im Kieler Raum auf eine engere Zusammenarbeit über alle Ortsgrenzen hinweg.

shz.de von
11. Februar 2018, 17:40 Uhr

Eisig waren nur die in der Sonne glänzenden Zapfen, die vom Reetdach des „Drathenhofes“ in Molfsee abtropften. Die Stimmung der gut 100 Bürgermeister, Amtsdirektoren und leitenden Verwaltungsbeamten beim Gruppenbild war dagegen freundschaftlich und warmherzig – gerade eben hatten sie alle gemeinsam eine Kooperationsvereinbarung für die Landeshauptstadt Kiel und das Umland unterschrieben.

Sämtliche 75 Kommunen beteiligen sich an dieser Arbeitsgemeinschaft, keine einzige Ortschaft im großen Ring um Kiel schert aus. „Das ist eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, erklärte Sönke Körber, Amtsdirektor in der Probstei und zugleich der Vorsitzende der Interkommunalen Arbeitsgemeinschaft, beim Empfang anlässlich der Vertragsunterzeichnung. Schmunzelnd wandte sich Körber an Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer: „Lieber Ulf, auch Du hast nur eine Stimme.“

Genau das ist gewollt – eine Kooperation auf Augenhöhe. Vom kleinen Dorf Fahren mit seinen gerade mal 131 Seelen bis zum fast 2000 Mal größeren Nachbarn Kiel reicht die Liste der Gemeinden, die sich ab sofort drängender gemeinsamer Aufgaben annehmen wollen. Der Verkehr gehört dazu, Schulen und die Kindergärten werden genannt, der Wohnungsbau, der Tourismus, nicht zu vergessen die Gesundheitsversorgung oder der Einzelhandel. „Denken ohne Grenzen“ soll für alle zum künftigen Leitmotiv werden.

So gab es etwa in den letzten Jahren immer wieder Streit zwischen Kiel und Raisdorf (heute Schwentinental) um die Bedeutung und die Größe des Einkaufszentrums Ostseepark. Innerhalb der neuen Kooperation könnten verlässliche, allseits akzeptierte Leitlinien gefunden werden. Dazu dürfte dann auch die Landesplanung beitragen, die mit Blick auf die Übereinkunft im Kieler Raum strenge Vorgaben für einzelne Orte lockern könnte.

Schönbergs neuer Bürgermeister Peter Kokocinski (zuvor Ratsherr in Kiel) hat beispielsweise die Bahntrasse von Hein Schönberg vor Augen. Die jahrzehntelang verweiste Gleisstrecke wurde bereits reaktiviert für den Abschnitt zwischen Kiel und Oppendorf – in zwei, drei Jahren könnte sie wieder bis Schönberg führen.

Diese Anbindung würde einerseits die Genehmigung für ein großes Baugebiet in Schönberg erleichtern und andererseits zur Entlastung des vielbefahrenen Kieler Ostrings beitragen. Das Pendeln nach Kiel wird nicht aufhören, davon ist Kokocinski überzeugt. Denn: „Wir in Schönberg haben kein Opernhaus.“

Die Kooperation für eine Dauer von zunächst drei Jahren haben unterschrieben:
> die Landeshauptstadt Kiel
> die acht Ämter Dänischenhagen, Dänischer Wohld, Achterwehr, Molfsee, Flintbek, Preetz-Land, Schrevenborn und Probstei mit sämtlichen zugehörigen Gemeinden
> die vier eigenständigen Kommunen Altenholz, Kronshagen, Preetz und Schwentinental.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen