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Kommt die Kapelle jetzt doch nach Kiel?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt plant Verfahren mit Bürgerbeteiligung / Parteien: „Desaster darf sich nicht wiederholen.“

shz.de von
erstellt am 26.Sep.2014 | 04:05 Uhr

Es war ein großer Streit um die Erinnerungskapelle für die 228 Opfer des Air France Fluges entbrannt, die nach einem Entwurf des Stararchitekten Oscar Niemeyer auf der Kuhwiese im Landschaftsschutzgebiet fünf Jahre nach dem Absturz in Schilksee errichtet werden sollte. Die Bürger fühlten sich hintergangen und „vor vollendete Tatsachen gestellt“, als Bürgermeister Peter Todeskino gemeinsam mit der Witwe des in Kiel geborenen Architekten Michael Kock den Ortsbeirat über die Planungen informierte.

Die Diskussionen liefen schnell aus dem Ruder, am sensiblen Thema vorbei. Ein Bündnis von Kapellengegnern sammelte mehr als 2000 Unterschriften und übergab sie dem Stadtpräsidenten mit einer Liste von Gründen, weshalb der ausgewählte Standort der denkbar „ungeeigneteste“ dafür ist. Die Hinterbliebenen machten einen Rückzieher. „Wir waren entsetzt und traurig über diese Reaktion“, sagte Fernanda von Oppersdorff, Kocks Witwe, stellvertretend.

Dennoch riss der Kontakt zu Kiel nie ganz ab. Jetzt hat die Witwe nach unseren Informationen im Namen der Hinterbliebenen erneut das Gespräch gesucht, diesmal mit dem Oberbürgermeister Ulf Kämpfer. Kiel scheint trotz des Desasters vor nicht mal einem Jahr nicht vom Tisch. Offiziell sagt sie: „Wir haben hochinteresante Angebote bekommen – auch aus anderen Ländern wie Brasilien und schließen nichts aus. Wir werden sehen, wer wie auf uns zukommt.“

Stadtsprecherin Annette Wiese-Krukowska bestätigte auf Nachfrage den aktuellen Kontakt: „Wir wollen an diesem Wettbewerb der Standorte gern teilnehmen, so es die Politik denn will.“ Die Parteivertreter sollen nach ihrer Position gefragt werden. Stehen sie dem Vorhaben offen gegenüber, sei eine Diskussion um mögliche Standorte in Kiel geplant und „natürlich die Bürgerbeteiligung“. Die kam, zumindest so das Gefühl der Schilkseer, beim ersten Anlauf Ende 2013 zu kurz.

„Dieser Fehler darf auf keinen Fall nochmal gemacht werden“, betont Sven Seele (Piraten). „Wir müssen von Anfang an die Bürger ins Boot holen.“ So sieht es auch Hubertus Hencke (FDP): „Politik geht nicht mehr ohne echte Bürgerbeteiligung.“ Allerdings schränkt er ein: „Sollte es der gleiche Entwurf wie damals sein, mit einem Kreuz obendrauf, hätte ich ein komisches Gefühl, da dies Menschen anderen Glaubens ausschließt.“ Hans-Friedrich Traulsen (SPD) begrüßt das Vorgehen der Verwaltung: „So ein Projekt braucht immer die Zustimmung der Betroffenen.“

In den alten Diskussionen nannten Kapellengegner immer wieder den Park der Kock-Stiftung Gut Seekamp als möglichen Ort. Auch für Hencke wäre das denkbar, „gleichwohl aber auch jeder andere Standort“. Pirat Seele brachte spontan die Grünfläche an der Koesterallee an der Förde ins Spiel, gegenüber des Gorch-Fock-Liegeplatzes. „Das wäre maritim, aber man hätte keine Anwohner direkt daneben.“ Nach unseren Informationen sollen die Hinterbliebenen von der Forderung des direkten Wasserbezugs abgerückt sein. Das ließe zumindest bei der Standortauswahl mehr Raum. „Wenn das klappt, wäre das für die Stadt ein echter Zugewinn“, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Lydia Rudow.

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