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Fussball-EM 2016 : Kommissar aus Kiel in Frankreich: EM-Einsatz ohne „mulmiges Gefühl“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Kieler Polizeikommissar Michael Schulte reist dienstlich zur EM nach Frankreich. shz.de sprach vorab mit ihm.

shz.de von
erstellt am 14.Jun.2016 | 10:47 Uhr

Der Kieler Polizeihauptkommissar Michael Schulte machte sich am Montag auf den Weg nach Frankreich. Der 44-Jährige, der im „normalen Leben“ seinen Dienst im Kieler Stadtteil Wik leistet, unterstützt mit seinen Kenntnissen über gewaltbereite Fußball-Fans gemeinsam mit anderen szenekundigen Beamten aus Deutschland die französischen Behörden. Sein Einsatzschwerpunkt wird die als Risikospiel eingestufte Partie Deutschland gegen Polen am Donnerstag in St. Denis sein. Mit unserem Redakteur Holger Loose unterhielt er sich kurz vor seiner Abfahrt über seinen EM-Einsatz.

Herr Schulte, fahren Sie angesichts der erschreckenden Bilder vom Wochenende nicht mit einem mulmigen Gefühl nach Frankreich?

Nein, ich habe insgesamt ein gutes Gefühl. Wir haben uns in enger Abstimmung mit den französischen Sicherheitsbehörden gut auf die Lage in Frankreich vorbereitet. Natürlich bin ich professionell angespannt, ich bin aber überzeugt, dass alle, die am Prozess mitwirken werden, optimal eingestellt sind.

Was wird Ihre Aufgabe vor Ort sein?

Wir werden intensiv Aufklärung im Stadtgebiet betreiben. Wir werden uns gemeinsam mit den französischen Kollegen die Hotspots anschauen – also die Stellen, an denen sich erfahrungsgemäß viele Fans sammeln werden. Wir wollen dann durch unsere Szenekunde dazu beitragen, potenzielle Gewalttäter aus der Anonymität herauszuholen. Das trägt dazu bei, die Gewaltbereiten davon abzuhalten, eine solche Veranstaltung als Bühne für Randale zu nutzen.

Sie halten engen Kontakt mit Ihren französischen und polnischen Kollegen. In welcher Sprache tauschen Sie sich eigentlich aus?

Die Sprache, in der überwiegend kommuniziert wird, ist Englisch. Und da bin ich guter Dinge, weil ich selbst relativ gut Englisch spreche. Und von den Kollegen, die schon vor Ort sind, habe ich gehört, dass der Austausch mit den Franzosen hervorragend klappt.

Wie kommt es dazu, dass die Hooligans jetzt in Frankreich so etwas wie ein Comeback feiern?

Ich glaube nicht, dass es ein Comeback ist. Viel hat sich in den letzten Jahren aufgrund der baulichen Maßnahmen in den Stadien und der Sicherheitsmaßnahmen vor Ort auf Örtlichkeiten außerhalb von Spielstätten verlagert. Insofern bin ich der festen Überzeugung, dass dies jetzt keine traurige Renaissance ist, sondern dass es fast schon zu erwarten war, dass eine Vielzahl von Störern dieses geographisch gut erreichbare Turnier nutzen wird, um sich dort zu zeigen.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Fanausschreitungen fast ausschließlich im Umfeld von Fußballspielen stattfinden, während es bei anderen Sportarten meist friedlich abläuft?

Es gibt zwar auch beim Handball oder beim Eishockey teilweise ähnliche Strukturen, Fußball ist aber der Sport, der schon immer die meisten Anhänger hatte und die größte Faszination ausübte. Meiner Meinung nach ist es aus der Historie gewachsen, dass deshalb auch der Schwerpunkt dieser traurigen Facette beim Fußball liegt.

Die Uefa droht England und Russland bei weiteren Ausschreitungen ihrer Fans mit EM-Ausschluss. Ein probates Mittel?

Man muss sich schon die Frage stellen, ob man mit solchen Maßnahmen das gewünschte Ziel erreicht. Es ist aber richtig, verschiedene Denkmodelle anzustoßen, um Szenen, wie wir sie am Wochenende gesehen haben, verhindern zu können.

Lässt sich so etwas denn überhaupt verhindern?

Das bleibt mit Sicherheit unser Ziel. Ob das immer auch umzusetzen ist, ist sicher fraglich. Aber ich bin der festen Überzeugung, wenn die Zusammenarbeit unter den szenekundigen Kollegen vor Ort klappt, dass man dann eine relativ hohe Erfolgswahrscheinlichkeit hat.

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