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„Tatort“ und Gemeinschaftsunterkunft : Klaus Borowski und die Flüchtlinge in der Wik

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Marinetechnikschule dient ab sofort als Unterkunft für Flüchtlinge. Hier arbeitet auch das „Tatort“-Team aus Kiel.

Kiel | Die Herrichtung ausgedienter Bundeswehr-Quartiere zu Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge geht weiter. Nach dem Soldatenheim auf dem früheren MFG-5-Gelände zwischen Holtenau und Friedrichsort, wo gegenwärtig 300 Menschen Platz finden, wird jetzt auch die ehemalige Marinetechnikschule (MTS) in der Wik umgerüstet. Hier sollen sogar 650 bis 800 Asylbewerber unterkommen. Dutzende ehrenamtlicher Helfer aus der Organisation „Willkommen in der Wik“ begrüßten gestern die ersten Flüchtlinge in dem großen, bereits zu Kaisers Zeiten errichteten Komplex.

In der MTS ist seit Jahren auch das „Tatort“-Team von TV-Kommissar Borowski (Axel Milberg) und seiner Assistentin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) untergebracht. „Borowski und der stille Gast“ oder „Borowski und die Frau am Fenster“ entstanden hier. Viele Drehs liefen im idyllischen, park-ähnlichen Innenhof ab. „Das wird auch so bleiben“, ist Semra Basoglu von der Diakonie Altholstein überzeugt, die die neue Gemeinschaftsunterkunft leitet. „Die TV-Leute werden mit der Realität arbeiten.“ Im Gebäude haben sie allerdings einige Räume abgebeben, wofür Semra Basoglu ihnen sehr dankbar ist. So kann sie mit ihrem kleinen Team aus Pädagogen, Technikern und Dolmetschern gleich die Büros hinter dem Eingang belegen.

Ohne die Unterstützung der Ehrenamtlichen wäre die schnelle Herrichtung der Räume kaum möglich gewesen. Die Helfer schleppten Stühle und Tische heran, packten Becher und Tassen aus, brachten die ersten Spielzeuge in den künftigen Familiensaal. Ein Schaukelpferd steht dort neben der Kiste mit Holzbausteinen, auch das Bobbycar wartet auf die ersten Flüchtlingskinder. Währenddessen bestücken Jan Lorenzen und Julica Voigt die Tische in den Familienzimmern mit Keksen, Bananen und roten Herbstblumen – die Flüchtlinge sollen sich wohlfühlen.

Am Eingang zur MTS, gleich hinter dem geschwungenen Torbogen, hat Ingrid Lietzow vom Verein Maritimes Viertel einen kleinen Kaffee- und Teestand aufgebaut. Enkelin Malin (10) hilft ihr dabei. Die SPD-Ratsfrau hat 40 Jahre lang als Zivilistin bei der Bundeswehr gearbeitet. Sie kennt das Quartier noch als Stützpunkt der Marine, seit 2001 aber standen große Teile der MTS leer. Block A bietet Platz für mindestens 200 Flüchtlinge, Block B kann 450 bis 600 Menschen aufnehmen – diese riesige Immobilie kommt der Stadt in Zeiten das anhaltenden Flüchtlingsansturms wie gerufen.

Viele Menschen aus der Wik und anderen Kieler Stadtteilen laden auf dem Tisch von Ingrid Lietzow Nahrungsmittel ab, die sie selbst bezahlt haben. Auch Jutta Fasse aus Düsternbrook gehört zu ihnen. Sie erklärt: „Wir sind doch ein reiches Land. Ich fühle mich verpflichtet, den Flüchtlingen zu helfen.“ Und während sie das sagt, befestigen Ellen Brodersen und Andrea Paulsen an der Backsteinwand der MTS ein Transparent mit klarer Botschaft: „Refugees welcome“ steht darauf und „Ihr seid willkommen.“  

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erstellt am 26.Okt.2015 | 13:14 Uhr

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