Mehr Geld für Erzieher : Kita-Streik: 1500 Erzieher in SH sind dabei

Streikende Mitarbeiter von Kindertagesstätten ziehen am Freitag in einem Demonstrationszug durch Kiel.
Streikende Mitarbeiter von Kindertagesstätten ziehen am Freitag in einem Demonstrationszug durch Kiel.

Streik statt Kleinkinderbetreuung: Zahlreiche Erzieherinnen im Norden gehen für mehr Geld auf die Straße. Ein unbefristeter Streik hat begonnen. Die Gewerkschaften sind mit der Resonanz zufrieden.

shz.de von
08. Mai 2015, 17:26 Uhr

Kiel | Am ersten Tag der unbefristeten Streiks an kommunalen Kitas haben in Schleswig-Holstein nach Gewerkschaftsangaben rund 1500 Erzieherinnen die Arbeit niedergelegt.

Nachdem die Gewerkschaften Verdi und GEW die Tarifverhandlungen für gescheitert erklärt hatten, sprachen sich in einer bundesweiten Urabstimmung weit mehr als 90 Prozent der Mitglieder für den Arbeitskampf aus. Die Gewerkschaften verlangen deutlich mehr Geld für die Mitarbeiter. Die Sozial- und Erziehungsberufe müssen nach ihrer Auffassung mit höheren Eingruppierungen aufgewertet werden.

Ein Drittel der Kitas blieb am Freitag geschlossen, sagte ein Sprecher. Zwischen 120 und 150 Einrichtungen im Sozial- und Erziehungsdienst seien betroffen gewesen, die große Mehrheit davon Kitas.

Besonders in größeren Städten wie Kiel, Lübeck, Flensburg, Neumünster und Norderstedt mussten viele Eltern ihre Kinder selbst betreuen oder auf alternative Möglichkeiten ausweichen. Großeltern, Freunde und Nachbarn sprangen vielerorts ein. In mehreren Städten untermauerten die Erzieherinnen mit Demonstrationen ihre Forderungen nach mehr Geld. Allein in Kiel nahmen rund 650 Menschen teil.

 

Die Kommunen als Arbeitgeber halten die Forderungen für nicht bezahlbar. Nach Angaben der kommunalen Arbeitgeberverbände würde eine Umsetzung der Gewerkschaftsforderungen in Deutschland insgesamt 1,2 Milliarden Euro kosten. Der Landesvorsitzender Olaf Tauras sagte im NDR, im öffentlichen Dienst seien die Erzieherinnen gut eingruppiert. Die Gehälter seien in den letzten Jahren auch deutlich gestiegen.

Gute Bildung gebe es nur gegen gute Bezahlung, sagte in Kiel der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn. Die Anforderungen an die Mitarbeiter seien beträchtlich gestiegen. Heidn kündigte eine harte Auseinandersetzung an. Er bat die Eltern um Verständnis, dass die Beschäftigten nun zum Mittel des Streiks greifen müssten, um ihre legitimen Interessen durchzusetzen. Es gebe aber keine andere Wahl.

„Es ist unser Auftrag, die Forderungen gegenüber den Arbeitgebern durchzusetzen“, sagte Verdi-Sprecher Frank Schischefsky. „Wir fordern auch die Eltern auf, Druck auf die Kommunen auszuüben.“ Er gehe nicht davon aus, dass in den kommenden Wochen weniger Teilnehmer streiken werden, sagte Schischefsky. „Es ist eine kämpferische Stimmung und ein gutes Signal an die Arbeitgeber“, meinte GEW-Landesgeschäftsführer Bernd Schauer zum ersten Streiktag.

Für den 18. Mai ist laut Schischefsky eine Kundgebung mit Streikenden aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg Vorpommern in Lübeck geplant. Es würden weit mehr als 1000 Teilnehmer erwartet.

 
zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen