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Überbelegtes Haus : Kirchenweg: Die Stadt bewegt sich

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Sanftere Töne, bessere Kommunikation – und die Aussicht, dass im überbelegten Mehrfamilienhaus doch mehr als 40 Bewohner bleiben können: Die Zeichen stehen auf Entspannung.

shz.de von
erstellt am 27.Aug.2015 | 06:01 Uhr

Das Kieler Rathaus will weg von der Brechstangen-Methode – und gelobt Besserung in der eigenen Kommunikation: Im Streit um das stark überbelegte Mehrfamilienhaus im Kirchenweg 34 (wir berichteten) bewegt sich die Verwaltung. Das wurde gestern Abend bei einer Informationsveranstaltung für die Mieter deutlich.

Zum einen will die Stadt nun nicht mehr kategorisch an der Zahl von 40 Hausbewohnern festhalten, die nach dem 15. September noch in dem Haus wohnen dürfen. Das hatte sie in einer Anordnung vor wenigen Wochen noch so verfügt. Hauptargument ist der Brandschutz. „Wir werden diese Zahl nach oben korrigieren“, kündigte Birgit Kulgemeyer vom Amt für Bauordnung an. Festlegen wollte sie sich nicht. Man hoffe vielmehr, die Anzahl der Bewohner auf verträgliche Weise auch im Zuge der „natürlichen Fluktuation“ in den Wohnungen anzupassen, ergänzte Sozialstadtrat Gerwin Stöcken (kl. Foto). Große Familien wolle er nicht auseinanderreißen. Er versprach den rund 50 anwesenden Mietern: „Keiner wird ohne Obdach sein.“

In individuellen Beratungen werde man nach Wegen suchen, Ersatz-Wohnraum zu finden, hieß es gestern Abend. Kiels Bürgermeister Peter Todeskino sprach allerdings das Problem an, dass der Kieler Wohnungsmarkt aktuell besonders durch die gut 2200 Flüchtlinge, die die Stadt unterbringen muss, belastet sei. Eine Übergangslösung hat das Rathaus indes schon parat: „In der Stadtmission im Mühlenweg gibt es in der Werkshalle Platz für 30 bis 40 Menschen, die wir ähnlich wie Flüchtlinge unterbringen können“, sagte Stöcken.

Ganz so brenzlig, wie die Stadt die Lage im überfüllten Haus noch vor kurzem eingeschätzt hat, ist sie allerdings offenbar doch nicht. Nach einer Begehung in der vergangenen Woche kommt sie zurzeit auf knapp über 100 Bewohner – es sind überwiegend Roma-Familien aus Bulgarien. Zuvor war man von 140 Personen ausgegangen, die dort allerdings auch gemeldet seien. Nichtsdestotrotz werden nach Aussage der Verwaltung einige Mieter ausziehen müssen. Das stellte sie gestern noch einmal klar. Problematisch seien die Sechs-Zimmer-Wohnungen auf der Westseite des Hauses, deren Räume einzeln vermietet sind. Dort leben rund 80 Männer, Frauen und Kinder. Bei einem Feuer wäre der zweite Fluchtweg versperrt.

Als überwiegend friedlich wurde die Stimmung in der Infoveranstaltung beschrieben, die weitgehend hinter verschlossenen Türen stattfand. Manche Bewohner hätten jedoch berichtet, sie fühlten sich diskriminiert, so ein Beobachter. Eine 44-jährige Mutter zweier Kinder beklagte sich im Anschluss über die kurze Frist. Sie lebt seit vier Jahren im Kirchenweg 34, will dort auch bleiben.

Es habe auch aufgebrachte Teilnehmer gegeben, gab Stadtrat Stöcken zu. „Wir haben gelernt, dass die Mieter viel Angst haben und dass es in der Kommunikation Verbesserungsbedarf gibt“, bilanzierte er. „Das nehme ich sehr ernst.“ Bei Neuigkeiten in der Planung werde man rechtzeitig mit den Kirchenweg-Bewohnern sprechen. An den Vermieter appellierte er, bis Mitte September einen „schlauen Plan“ vorzulegen, wie er die Mieteranzahl verringernwolle. Man sehe inzwischen immerhin, dass der Hauseigentümer in Sachen Brandschutz aktiv geworden sei. Die Zeichen in der Debatte um das Gebäude stehen also momentan auf Entspannung.

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