Kirche verkauft, das Lichthaus bleibt

Im rot eingefärbten Quartier ist der geplante Neubau zu sehen, der direkt an das neue Parkhaus in der Eggerstedtstraße heranreicht. Um das Proejtk zu realisieren, müssen alle Gebäude zwischen Alter Markt, Eggerstedt- und Schlossstraße abgerissen werden.
Im rot eingefärbten Quartier ist der geplante Neubau zu sehen, der direkt an das neue Parkhaus in der Eggerstedtstraße heranreicht. Um das Proejtk zu realisieren, müssen alle Gebäude zwischen Alter Markt, Eggerstedt- und Schlossstraße abgerissen werden.

Für rund 50 Millionen Euro soll das Schlossquartier neu entwickelt werden und Wohnraum in der Stadt schaffen / Baubeginn für Ende 2014 geplant

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30. November 2013, 07:20 Uhr

Es ist entschieden: Die Kirche verkauft ihr „Haus der Kirche“ an den Investor Niels Bunzen. Sie macht damit den Weg frei für eine Umgestaltung des „Schlossquartiers“ in der Kieler Altstadt. Nur 14 der 80 Synodalen im Kirchenkreis Altholstein haben sich am Mittwoch nach einer dreistündigen, kontroversen Diskussion gegen den Verkauf des Gebäudes an der Eggerstedtstraße ausgesprochen. Heftiger Gegenwind kam zwar von der St.Nikolaigemeinde am Alten Markt. Dort befürchtet man durch die Bauarbeiten Schaden am historischen Kirchengebäude, „gähnende Langeweile“ am Alten Markt und eine beeinträchtigte Sicht auf die Kirche. Grünes Licht gab es am Ende mit der Bedingung, drei Millionen Euro dafür zu bekommen. „Aus unserer Sicht ein fairer Preis“, sagte gestern Propst Stefan Block, Vorsitzender des Kirchenkreisrates. Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben.

Die Summe sei enorm, verglichen mit der Gesamtinvestition von rund acht Millionen Euro insgesamt für die anderen Grundstücke, aber: „Das Gebäude hätte uns daran gehindert, das historische Quartier wiederherzustellen“, sagt Niels Bunzen, Geschäftsführer der Norddeutschen Grundstücksentwicklungsgesellschaft (NGEG). Etwas mehr als 50 Millionen soll das Bauvorhaben kosten.

Warum verkauft die Kirche? Das Herz hänge nicht an dem Gebäude, es dient laut Pressesprecher Jürgen Schindler seit 2009 nur noch der Verwaltung, teilte der Kirchenkreis mit. Trotz großer Bedenken im Vorfeld habe man sich Verhandlungen mit dem Investor nicht entziehen können – schließlich gebe es ein städtisches und öffentliches Interesse an einer Neugestaltung der Altstadt. Man habe zudem schon erlebt, wie belastend Baustellenlärm sein kann und wolle das den rund 90 Mitarbeitern nicht noch einmal zumuten. „Alle dort bestehenden Baukörper sollen abgerissen werden“, sagte Propst Stefan Block, da müsse man nicht wie in einem gallischen Dorf als einziger vor Ort bleiben. Noch ein Grund: Es gebe eine „attraktive Alternative“ als Standort. Nach derzeitigem Stand zieht die Verwaltung des Kirchenkreises Mitte 2014 in die Fabrikstraße, mietet dort auf zwei Etagen in Bahnhofsnähe Büros. Die Verkaufssumme werde man in die Rücklagen des Kirchenkreises nehmen, hieß es.

Was ist nun genau im Schlossquartier von NGEG und der Kieler Stadthaus GmbH geplant? Die Eggerstedtstraße wird es nach den neuen Plänen nicht mehr geben. Aus Sicht der Stadt sei sie schon bei Planungen von ersten Konzepten für das Quartier 2008 nicht mehr für notwendig gehalten worden, so Florian Gosman, Leiter des Stadtplanungsamtes. Gosmann: „Wir hatten Glück mit dem Entwickler. Die Stadt hätte erheblich viel Geld aufwenden müssen, um die Pläne so umzusetzen. Jetzt wird es in unserem Sinne privat finanziert.“ Ziel sei es, wie auch schon bei der Bebauung der Alten Feuerwache, Wohnen zurück in die Stadt zu holen.

Auf dem Gebiet zwischen Nikolaikirche und Schloss – dem ältesten Siedlungsgebiet Kiels – sollen 160 Wohneinheiten in teils fünf-, teils sechsgeschossig hohen Häusern entstehen, die zur Kirche hin auch direkt bis ans neue Parkhaus angebaut werden, um die alte Flucht der Flämischen Straße wiederherzustellen, so Michael Westphal vom Stadtplanungsamt Kiel. Allerdings soll die Zuwegung vom Parkhaus zum Schloss, NDR und Konzertsaal weiterhin möglich sein.

Im Erdgeschoss plant Bunzen neben der Wohnlogistik sieben Ladengeschäfte für Nahversorger wie Bäcker oder Reinigung, aber „keine Verlängerung der Holstenstraße“. Unter dem Komplex ist eine Tiefgarage geplant, deren Zufahrt derzeit noch unklar ist. „Können wir uns mit der Eigentümerin des Lichthauses am Schloss einigen, kann die Zufahrt eventuell über den derzeitigen Parkplatz erfolgen, ansonsten durch eine Hausfassade“, sagt Bunzen. Die Gespräche liefen noch. Jutta Göhring, die Eigentümerin des Lichthauses am Schloss dementierte gestern Gerüchte des Verkaufs: „Ich will auf keinen Fall verkaufen unter der Maßgabe, dass es abgerissen werden soll.“ Dass komme für die 67-Jährige, die selbst noch in ihrem Elternhaus lebt, unter keinen Umständen in Frage.

Auch von anderen Nachbarn wie dem NDR kam Gegenwind. Funkhausdirektor Volker Thomälen und Verwaltungsdirektor Dr. Albrecht Frenzel äußerten öffentlich Kritik an den Plänen, da die geplante Bebauung derart nah an das Funkhaus heranrücke, dass Konflikte programmiert seien. Bunzen: „Wir haben Gespräche geführt und werden eine ‚Nachbarschaftliche Vereinbarung‘ beschließen.“ Ein wichtiger Punkt für den NDR darin, laut Bunzen: „Während der Live-Sendungen wird die Baustelle ruhen.“ Auch die Zuwegung zum NDR sei gegeben, „sogar mit Lkw. Die Burgstraße bleibt öffentlich, die Schlossstraße verkehrsberuhigt aber für Anlieger offen“, sagt Bunzen. Der Abstand zum NDR sei neu überplant und entspreche mit aktuell 15 Meter auch den gesetzlichen Vorschriften. Zu diesem Vorschlag wurde vom NDR noch nicht abschließend Stellung genommen.

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