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Amtsgericht : Kinderpornos als Tauschware

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Angeblich kannte der 36-jährige Angeklagte den Inhalt der Internet-Dateien gar nicht. Doch diesen Einwand ließ das Amtsgericht nicht gelten - und verurteilte den Familienvater wegen Verbreitung kinderpornografischer Werke zu zehn Monaten Haft auf Bewährung.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2017 | 18:11 Uhr

„Es war teilweise unüberlegt. Aber ich kann es ja nicht rückgängig machen.“ – M. steht das Schuldbewusstsein nicht unbedingt auf die Stirn geschrieben. Obwohl das Kieler Amtsgericht dem Versicherungskaufmann zur Last legte, kinder- und jugendpornografisches Bildmaterial aus dem Internet heruntergeladen und verbreitet zu haben. Als sogenannte „Tauschsoftware“ hat der Angeklagte die Bild- und Videodateien verwendet, um im Internet selbst schneller Musikalben und Filme herunterladen zu können. „Ich hab mir nichts dabei gedacht“, lautete die etwas lapidar anmutende Aussage von M.

Die Kriminalpolizei war aufgrund der Datenübertragungsmenge an zwei Tagen im Sommer 2015 aufmerksam auf den 36-Jährigen geworden. Laut Protokoll der Kriminalkomissarin hatte M. 881 Dateien – fast alle mit eindeutig kinderpornografischen Bezeichnungen – zum Download angeboten. Bei der anschließenden Wohnungsdurchsuchung des Angeklagten wurden knapp 6000 Bild- und Videodateien auf einem Notebook und drei Festplatten entdeckt.

„Mir war der Inhalt der Dateien nicht bekannt, ich habe zum ersten Mal durch meinen Verteidiger davon gehört“, lautete die Erklärung von M. zu den Vorwürfen. Der Inhalt: sexuelle Handlungen hauptsächlich von Männern an Klein- und Kleinstkindern ab zwei Jahren von Fesseln, Penetration mit Gegenständen bis zu schwersten Verletzungen etwa mit Injektionsnadeln im Intimbereich der Opfer. Als eine Art Währung hat der Vater eines elfjährigen Sohnes die Dateien mit Titeln wie „pedoland“, „12-year-old-malaysian-prostitute“ oder „childfuck“ verwendet, erklärte die Verteidigung.

Angefangen hat laut M. alles mit dem Album der Band Destiny’s Child, das sich der Kieler von der Internet-Plattform „e-Mule“ herunterladen wollte. Erst nach dem Download will er erkannt haben, dass es sich dabei um kinderpornografisches Material handelte. Aber: „Ich habe gesehen, dass ich durch diese Dateien im Punktesystem schneller nach oben komme.“ Hintergrund: Ein internes Punktesystem des Programms entscheidet über die Geschwindigkeit, mit der die Nutzer Dateien anderer Teilnehmern herunterladen können. „Je mehr ich angeboten habe, desto einfacher bin ich selbst an Musik- und Filmdateien gekommen“, erklärte der Angeklagte. Um möglichst viel Dateien anzubieten, hat M. auch Musik und Filme anderer Nutzer heruntergeladen. Er habe sich aber nie wirklich damit beschäftigt.

Natürlich, räumt M. auf Nachfrage der Richterin ein, habe sich auch ein Unrechtsempfinden eingestellt, „aber der Gedanke ,Ich will Musikdateien’ hat überwogen“. Zudem habe er am 13. Juni 2015 seinen Computer über Nacht laufen lassen. In diesem Zeitraum stand den Nutzern von e-Mule der Download-Ordner des Angeklagten permanent zur Verfügung. Einen aktiven Anteil an der Verbreitung kinderpornografischer Dateien bestritt M.

Der IT-Sachverständige der Kripo zeichnete im Zeugenstand ein etwas anderes Bild: „Wenn ich bei e-Mule im Download-Ranking nach oben will, suche ich mir andere Dateien aus.“ Zudem verwies der Experte auf die persönliche Suchleiste des Angeklagten im Filesharing-Programm hin – sie speichert die letzten 15 oder 20 eingegebenen Suchbegriffe. Offenbar hatte M. gezielt auch nach sogenannten „PTHC“-Dateien gesucht. Der IT-Spezialist klärte auf: „PTHC bedeutet Pre-Teen-Hardcore und ist ein Begriff, den man als Außenstehender nicht kennt, das kann ich aus 16 Jahren Berufserfahrung sagen.“

Das mehrfach geäußerte Angebot der Amtsrichterin, sich zugunsten eines milderen Urteils einer Therapie unterziehen zu lassen, lehnte M. vehement ab. Das Urteil folgte prompt: zehn Monate Haft, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung. M. zahlt außerdem insgesamt 600 Euro in monatlichen Raten à 30 Euro. Ein sexuelles Interesse habe das Gericht dem Angeklagten nicht nachweisen können, erklärte die Richterin. Aber: M. habe sich den dokumentierten Missbrauch der Kinder aus wirtschaftlichem Interesse zu Nutze gemacht.

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