Kommentar : Kiels sanfter Kämpfer

Ulf Kämpfer feiert seinen Sieg bei der Kieler Oberbürgermeisterwahl.
Ulf Kämpfer feiert seinen Sieg bei der Kieler Oberbürgermeisterwahl.

SPD-Kandidat Ulf Kämpfer gewinnt die Oberbürgermeisterwahl in der Landeshauptstadt mit überzeugendem Ergebnis im ersten Wahlgang - und steht vor einem Berg von Aufgaben, meint Peter Höver.

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23. März 2014, 20:50 Uhr

Kiel | Kiel bekommt seinen (Ulf) Kämpfer. Und damit, so hofft die Landeshauptstadt, einen Oberbürgermeister, der vielleicht länger durchhält als die beiden Vorgänger. Für den einen – Torsten Albig – war das Rathaus ein Sprungbrett in die Staatskanzlei. Für die andere – Susanne Gaschke – war der Stuhl der OB nach einer krassen Fehlentscheidung über den Steuerfall eines Augenarztes der Schleudersitz ins politische Abseits. Drei OB-Wahlen in sechs Jahren hat Kiel hinter sich. Kontinuität an der Spitze der Verwaltung einer Stadt, die reichlich Probleme hat, geht anders.

Im ersten Wahlgang hat der rote Jurist Kämpfer mit einem überzeugenden Ergebnis das Rennen gemacht. Überraschend ist das nicht. Die Landeshauptstadt ist traditionell eine der SPD-Hochburgen im Norden. Die sechsjährige Amtszeit der CDU-Politikerin Angelika Volquartz, die 2009 als Rathauschefin gegen den damaligen Herausforderer Albig unterlag, war nicht mehr als ein konservatives Intermezzo. Die CDU kann eben keine großen Städte. Im Norden ist sie eine Landpartei geblieben. Versuche, dieses Image zu verändern, sind über nette Bekundungen nicht hinaus gekommen. Dabei war mit Stefan Kruber ein Kandidat angetreten, der die Qualität selbst mancher scheinbar führender Landespolitiker übertrifft.

Kämpfer, der weit weniger als Parteisoldat denn als sanfter Moderator daherkommt, steht vor einem Berg an Aufgaben. Wie alle kreisfreien Städte steckt Kiel finanzpolitisch tief in den roten Zahlen. Die Altstadt dümpelt vor sich hin. Unsinnige Projekte wie die teure Stadt-Regionalbahn wird der SPD-Mann endlich abräumen müssen. Bei der Versorgung mit preiswertem Wohnraum oder der Sanierung der städtischen Infrastruktur gibt es weit dringendere Probleme. Nicht zuletzt wird Kämpfer mit der Ratsversammlung entschlossene Signale für den Wirtschaftsstandort Kiel setzen müssen. Hier operiert die Landeshauptstadt weit unter ihren Möglichkeiten.

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