Büsten im Park : Kiels Nobelpreisträger bald in Bronze?

In der Nähe des Kunstobjekts „Gaia“ von Susann Walke sollen die Bronze-Büsten aufgestellt werden. Im Hintergrund das Kieler Schloss.
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In der Nähe des Kunstobjekts „Gaia“ von Susann Walke sollen die Bronze-Büsten aufgestellt werden. Im Hintergrund das Kieler Schloss.

Die vier Kieler Rotary Clubs wollen der Stadt Büsten der sechs Forscher schenken. Standort soll der Ratsdienergarten sein. Künstler ist der bekannte Bildhauer Jörg Plickat aus Bredenbek. Doch die Ratsversammlung muss noch zustimmen.

shz.de von
22. Januar 2015, 06:26 Uhr

Die Landeshauptstadt Kiel wartet zwar schon seit 65 Jahren auf den Glanz neuer Nobelpreisträger. Doch in der ersten Häfte des 20. Jahrhunderts freute sich die Kieler Universität gleich mit sechs Wissenschaftlern in vier verschiedenen Disziplinen über die hohe Auszeichnung. Der bekannteste Preisträger ist Max Planck, 1918 mit dem Nobelpreis für Physik geehrt. Er wird, neben fünf weiteren klugen Köpfen (Theodor Mommsen, Eduard Buchner, Otto Meyerhof, Kurt Alder/Otto Diels, siehe Infobox) bald den Besuchern des Ratsdienergartens am Kleinen Kiel die geballte historische wissenschaftliche Kompetenz der Landeshauptstadt näherbringen. Verewigt in Bronze, wenn es nach den vier Rotary Clubs in Kiel geht. Sie wollen der Stadt sechs Skulpturen schenken, die der Bredenbeker Bildhauer Jörg Plickat (Foto) schaffen wird – wenn die Ratsversammlung denn will. Sie muss die Schenkung offiziell annehmen, frühestens möglich im Februar. Das erklärte der Leiter des Grünflächenamts, Günter Horstmann, auf Anfrage.

„Als Verwaltung arbeiten wir an der Umsetzung der Vorlage“, so Horstmann. Er stellt die Idee derzeit in den städtischen Gremien vor. Der Ortsbeirat Kiel-Mitte hat am Dienstagabend bereits seine Zustimmung erteilt. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer stehe ebenfalls voll hinter dem Projekt, sagte Pressesprecherin Annette Wiese-Krukowska gestern.

Und darum geht’s konkret: Hellgraue Sockel von 1,50 Metern Höhe aus Granit sollen entstehen, auf denen die Bronzeköpfe mit Corpus prangen. Geflammte Infotafeln sollen dem Betrachter Wissenswertes über die großen Forscher vermitteln. Ziel: die Büsten rechtzeitig zum großen Festakt der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU) anlässlich des 350-jährigen Bestehens im Oktober aufzustellen. Horstmann selbst glaubt nicht an große Widerstände in der Ratsversammlung: „Wir haben lediglich die Kosten der pflegerischen Maßnahmen zu tragen.“

Die Büsten der Nobelpreisträger passen dem Grünflächenamt gut ins Konzept. Ursprünglich seien sie für den Standort Schlossgarten vorgeschlagen worden, erklärte Horstmann. Doch dort hat die Stadt bereits andere Pläne. Man habe sich deshalb geeinigt, die Platzierung ein paar Meter weiter in den Ratsdienergarten zu verlegen. Dort werden die Bronze-Büsten eingebettet in ein bereits abgesegnetes Gestaltungs- und Entwicklungskonzept für den Kleinen Kiel (wir berichteten).

Das städtische Gewässer, umgeben von Grün, soll dabei sukzessive aufgewertet werden. Die Verbindung zwischen Schlossgarten und Kleinem Kiel über den Ratsdienergarten solle stärker herausgearbeitet werden, so der Grünflächenamts-Chef. Die Begrünung des Ufers des Kleinen Kiels mit Röhricht sowie der Bau eines Bogenstegs über den See zum Hiroshimapark gehören ebenso dazu. Der Steg, dessen Erstellung allein rund 400  000 Euro kosten soll, ist noch für dieses Jahr geplant. Es gab bereits erste Bohrungen. Damit will man mehr über die Beschaffenheit des See-Grundes herausfinden. Für das geplante beleuchtete Sitzelement mitten auf dem Steg gibt es derzeit allerdings laut Horstmann keine Mittel. Die Stadt suche nach einem möglichen Sponsor.

Nicht nur den Landeshauptstädtern, sondern besonders auch den Fährgästen und Kreuzfahrt-Touristen sowie anderen Besuchern will die Stadt auf diese Weise die grünen Seiten Kiels noch schmackhafter machen, den Flaneuren durch die kleinen grünen Lungen noch mehr Orientierung geben. Rund um den Standort der Bronze-Büsten soll daher ein Parkweg im Ratsdienergarten noch stärker nach Norden verlegt werden.

Die Kieler Rotary Clubs und auch der Künstler Jörg Plickat halten sich derzeit zu dem Büsten-Projekt bedeckt. Sie möchten die Entscheidung der Ratsversammlung abwarten.

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