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Internationaler Markt : Kieler Woche: Wirbel um Türkei-Stand

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Bewerbung für den Internationalen Markt kam viel zu spät und musste laut Stadt abgelehnt werden. Die Verwaltung ist nun in der Zwickmühle. Denn der Stand ist politisch gewünscht.

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2015 | 06:09 Uhr

Es gab weit mehr zu essen als Döner, Börek und Co.: Das türkische Zelt ist innerhalb von Jahrzehnten zur festen Institution auf dem Internationalen Markt der Kieler Woche geworden. Doch in diesem Jahr fällt das kulinarische und kunsthandwerkliche Angebot der Türkei auf dem Rathausplatz aus – und bringt das Rathaus in eine Zwickmühle. Aus formellen Gründen musste die Bewerberin – seit 18 Jahren dabei – abgelehnt werden. Sie hatte die Auswahl-Kriterien nicht erfüllt. Politisch ist das Angebot türkischer Spezialitäten allerdings fraktionsübergreifend im Rathaus erwünscht.

Denn die Landeshauptstadt ist mit zwei Kommunen in der Türkei eng verbunden – Samsun und Antakya/Hatay sind Partnerstädte. In den vergangenen Wochen hatte sich Kiel besonders für die Großregion Hatay nahe der syrischen Grenze engagiert, weil dort viele Flüchtlinge Zuflucht suchen. Nun ringen Kieler Kommunalpolitiker und Verwaltung um eine Lösung, wie der Stand doch noch eine Chance bekommen kann. Das aber „mit „Fingerspitzengefühl“, wie Pressesprecher Arne Gloy es formulierte. Denn es gibt acht andere Bewerberländer, die ebenfalls abgelehnt wurden – Neuseeland beispielsweise. Mal fehlte ein Empfehlungsschreiben, mal wirkte das Angebot nicht überzeugend.

Insgesamt hatte die Stadtverwaltung beantragt, 34 Nationen zugelassen. Dafür stimmte jetzt auch der Hauptausschuss. Allerdings schickten die Fraktionen von SPD, CDU, Grünen, SSW, FDP und Linke gemeinsam einen Prüfantrag hinterher. Das Kieler Woche-Büro soll ausloten, „ob und wie für einen türkischen Stand im Bereich des Internationalen Marktes rechtssicher ein angemessener Standort zur Verfügung gestellt werden kann“. Der Stand trage schließlich auch maßgeblich zu interkulturellem Dialog und Völkerverständigung bei.

Hintergrund: Im Fall der türkischen Interessentin lag der Antrag bis zur Frist Ende November vergangenen Jahres nicht komplett vor. „Das Empfehlungsschreiben fehlte“, erklärt Tim Holborn, Leiter des Amts für Wirtschaft. In solchen Fällen gibt es mehrere Wochen Zeit, um alles nachzureichen. Aber auch diese Frist (Ende Dezember) verstrich. „Wir haben die vollständige Bewerbung erst vergangene Woche erhalten, inklusive Empfehlungsschreiben des Generalkonsulats aus Hamburg“, so Holborn. Das sei viel zu spät. „Für das Kieler Woche-Büro ist die Ablehnung in diesem geregelten Verfahren darum zwingend gewesen.“ Der Türkei im Nachhinein direkt auf dem Internationalen Markt einen Platz zu gewähren, „sehe ich darum ausgesprochen kritisch“.

Unklar ist, was im Vorfeld für die jahrelang erprobte türkische Standbetreiberin schief gelaufen ist. Sie selbst möchte sich nicht äußern – zu heikel. Fest steht: Früher meldete die türkische Botschaft nach Auskunft aus dem Rathaus selbst eine Vertretung auf dem Internationalen Markt an. Das sei im vergangenen Herbst nicht der Fall gewesen. Den Grund kennt die Stadtverwaltung nicht. Über das Bewerbungsverfahren selbst allerdings werden die Entscheider nun wohl diskutieren. CDU-Ratsfraktionschef Stefan Kruber plädiert etwa dafür, in Zukunft die Kieler Partnerstädte auf dem kulinarischen Markt besonders zu fördern: „Das halte ich für juristisch machbar.“

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