Flughafen Frankfurt : Kieler Wissenschaftler testen autonome Autos

Wenn’s hier klappt, klappt’s überall: Die Beteiligten am Projekt „Air Port Mover“ beim Gruppenbild auf dem Frankfurter Flughafen. In drei Jahren sollen hier autonome Autos verkehren.  Bengt Lange, EurA AG
Wenn’s hier klappt, klappt’s überall: Die Beteiligten am Projekt „Air Port Mover“ beim Gruppenbild auf dem Frankfurter Flughafen. In drei Jahren sollen hier autonome Autos verkehren. Bengt Lange, EurA AG

Ausgerechnet auf dem Airport Frankfurt, dem umtriebigsten deutschen Flughafen, wollen Kieler Forscher Programme für autonome Autos schreiben. Getreu dem Motto: Wenn es hier klappt, klapt es überall.

shz.de von
15. März 2019, 19:17 Uhr

Google, Tesla, Uber und die deutsche Automobilindustrie: Im Rennen um die Entwicklung selbstfahrender Autos mischen die ganz Großen mit. 3,3 Millionen Euro steckt das Bundeswirtschaftsministerium jetzt in das vom Sensorhersteller Ibeo koordinierte Projekt „Air Port Mover“ (APM), in dem autonome, elektrisch angetriebene Nutzfahrzeuge für Flughäfen entwickelt werden sollen.

Große Verantwortung tragen dabei Professor Dirk Nowotka und seine Mitarbeiter von der Kieler Christian-Albrechts-Universität (CAU). Sie sollen mit ihren Analysen die Zuverlässigkeit der Roboterautos erhöhen – und damit das Vertrauen in die rollenden Apparate stärken. Ein neuer, 300 000 Euro teurer Großrechner soll die Forscher dabei unterstützen.

Der Flughafen Frankfurt Frankfurt am Main ist der größte deutsche Flughafen und eines der weltweit bedeutendsten Luftfahrtdrehkreuze überhaupt. Rund 70 Millionen Passagiere und über zwei Millionen Tonnen Fracht werden dort jährlich abgefertigt. Klare Zielvorgabe: In diesem Mega-Unternehmen sollen spätestens in drei Jahren zwei Fahrzeuge computergesteuert unterwegs sein, um Flugzeugbesatzungen sicher an ihren Arbeitsplatz zu bringen und mobile Gangways an Flugzeuge heranzufahren.

Ein hoch gestecktes Ziel, bedenkt man, dass die technischen Herausforderungen für autonomes Fahren auf einem Flughafengelände noch höher liegen als im normalen Straßenverkehr. Denn die Autos müssen nicht nur andere Fahrzeuge auf dem Boden beachten. Sie müssen auch in der Luft hängende Flugzeugflügel und Triebwerke erkennen und sollten wissen, wann die Rollbahn für den Flieger zu räumen ist. Zudem müssen sie in den Betriebsablauf der extrem geschäftigen Flughafenhallen eingefügt werden.

Die Software, die das leisten soll, muss vor allem eines sein: schnell und sicher. Als Experte hat Dirk Nowotka, Leiter der Arbeitsgruppe „Zuverlässige Systeme“ an der Kieler Technischen Fakultät, die Aufgabe übernommen, die Software auf Herz und Nieren zu testen. Das geschieht zwar auch in den Roboterautos auf dem Gelände des Projektpartners, der Flughafenbetreibergesellschaft Fraport. Die komplexen Umwelt- und Einsatzszenarien können jedoch mit ein paar Testfahrten nicht komplett abgedeckt werden.

Das Kieler Team setzt deshalb auf die Mathematik. Mit dem neuen Großrechner prüfen sie zum Beispiel, ob sich die Software in bestimmten Situationen „aufhängt“ oder sich parallele Rechenoperationen gegenseitig behindern. Die Analysen sind entscheidend für die spätere Zertifizierung und letztendlich für die Zulassung der selbstfahrenden Nutzfahrzeuge. „Die Sicherheitsanforderungen beim autonomen Fahren sind ein relativ neues Feld, für die wir neue mathematische Modelle entwickeln müssen“, sagt Nowotka. Neben der CAU, Ibeo und Fraport sind auch Airbus und die Hanseatische Fahrzeug Manufaktur am Projekt beteiligt.

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