Institut für Weltwirtschaft : Kieler Weltwirtschaftspreis: Albig würdigt Gorbatschow

Der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow.
Der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow.

Der prominenteste Preisträger bei dieser feierlichen Verleihung in Kiel fehlte: Michail Gorbatschow musste aus gesundheitlichen Gründen absagen.

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21. Juni 2015, 10:27 Uhr

Kiel | Der Kieler Weltwirtschaftspreis wird am Sonntag (10 Uhr) im Rathaus der Landeshauptstadt ohne Preisträger Michail Gorbatschow verliehen. Der 83-Jährige frühere sowjetische Staatschef hatte bereits vor Wochen aus Gesundheitsgründen abgesagt. Er erhält den Wirtschaftspreis dafür, die politische Landschaft Europas und der Welt entscheidend zum Positiven verändert zu haben. „Ohne ihn könnten wir dieses Jahr nicht das 25-jährige Jubiläum der Deutschen Einheit feiern“, hatte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, bei der Zuerkennung des Preises hervorgehoben.

Das IfW, die Stadt Kiel und die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein würdigen mit dem zum elften Mal vergebenen Ehrenpreis jährlich Politiker, Ökonomen und Unternehmer, die sich als Vordenker einer weltoffenen und marktwirtschaftlichen Gesellschaft verdient gemacht haben.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat das große Engagement der diesjährigen Preisträger des Kieler Weltwirtschaftlichen Preises hervorgehoben. „Sie vereint, dass sie einen Beitrag für eine bessere Welt geleistet haben“, sagte Albig laut vorab verbreiteter Presseerklärung am Sonntag im Kieler Rathaus bei der Verleihung der international renommierten Auszeichnung.

Gorbatschow habe mit seiner „Perestroika“ mehr Freiheit und Gerechtigkeit in die Welt gebracht, würdigte Albig. Leider hätten sich die Friedenshoffnungen der damaligen Wendejahre nicht erfüllt. „Die Furie des Krieges ist zurück, auch in Europa.“ Albig betonte, dass in diesem Jahr 500.000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Für ihn sei der Umgang mit den Flüchtlingen eine Haltungsfrage, die sich allen stelle. Auch die anderen diesjährigen Preisträger hätten Großes vollbracht, würdigte Albig. Er appellierte an sie fortzufahren, die Welt zu einem besseren Platz zu machen.

Preisträger neben Gorbatschow sind der Vorstandsvorsitzende von General Electric und US-Präsidentenberater Jeffrey Immelt (59), das im Umweltschutz aktive US-Unternehmerpaar Kristine (64) und Douglas Tompkins (71) sowie der zypriotisch-britische Wirtschaftsnobelpreisträger Sir Christopher A. Pissarides (67).

Snower betonte bei der Bekanntgabe der Preisträger, sie alle hätten „etwas Gewohntes und Sicherheit vermittelndes, etwas, was ihnen lange richtig und wichtig erschien, aufgegeben, um etwas sehr viel Größeres zu erreichen“.

Immelt ist seit 14 Jahren Vorstandsvorsitzender von General Electric und Wirtschaftsberater des US-Präsidenten. Immelt hat das Unternehmen wieder auf das Kerngeschäft mit Industrieanlagen ausgerichtet, nachdem es durch eine immer größer gewordene Finanzsparte im Zuge der Finanzkrise beinahe bankrottging.

Wirtschaftsnobelpreisträger Pissarides hat das Verständnis für das tatsächliche Geschehen am Arbeitsmarkt wesentlich erweitert, wie Snower sagte. „Die Idee, dass Angebot und Nachfrage aufgrund des fehlenden Wissens voneinander nicht zusammenfinden, war revolutionär.“ Das erfolgreiche US-Unternehmerpaar Tompkins hat sein Leben dem Umweltschutz gewidmet. Mit den Bekleidungsfirmen The North Face, Esprit und Patagonia verdienten beide ein Vermögen, das sie zum Aufbau riesiger Nationalparks und Naturreservate in Chile und Argentinien einsetzten, wie das IfW hervorhob. IHK-Vizepräsident Klaus-Hinrich Vater betonte, „mit rund einer Million Hektar besitzen sie mehr geschütztes Land als jeder andere auf der Welt“.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören Altkanzler Helmut Schmidt (SPD), die früheren Präsidenten von EU-Kommission und Europäischer Zentralbank, Jacques Delors und Jean-Claude Trichet, mehrere Nobelpreisträger sowie Unternehmer wie Wendelin Wiedeking (Porsche), Ingvar Kamprad (Ikea), Dietmar Hopp (SAP) und Liz Mohn (Bertelsmann).

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