Burschenschaft : Kieler Schüler-Burschenschaft schaut nach rechts

Beste Lage:  Die Burschenschaft  Germania Kiel ist am Hindenburgufer beheimatet. Foto: os
Beste Lage: Die Burschenschaft Germania Kiel ist am Hindenburgufer beheimatet. Foto: os

Die "Gymnasiale Burschenschaft Germania Kiel" wurde von einer Hamburger Schüler-Burschenschaft zum Duell eingeladen. Auch die rechtsextreme NPD war da.

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16. April 2013, 09:13 Uhr

Hamburg/Kiel | Sie treffen sich zur Hatz, um mit einem Säbel bewaffnet gegeneinander anzutreten. Es geht um Ehre und Kameradschaft. Sie sind teilweise minderjährig. Vor einigen Tagen hatte eine vom Verfassungsschutz beobachtete Hamburger Schüler-Burschenschaft eine befreundete Verbindung aus Kiel zum Duell geladen. Besonders brisant: Auch ein Kandidat der rechtsextremen NPD war zu Gast.

Über Facebook hatte die "Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg" die "Gymnasiale Burschenschaft Germania Kiel" nach Hamburg gerufen. Die Chattia Friedberg wird vom Hamburger Verfassungsschutz beobachtet. Im Verfassungsschutzbericht 2011 wird der Burschenschaft eine rechtsextremistische Prägung attestiert. "In der PB! Chattia Friedberg wirken oder wirkten Personen mit, die Beziehungen in die rechtsextremistische Szene unterhalten und für die NPD aktiv sind oder waren", heißt es darin. Zudem gebe es Anhaltspunkte, dass einige Mitglieder neonazistisch ausgerichtet seien beziehungsweise dem Nationalsozialismus positiv gegenüberstehen. Und immer wieder würden bei Veranstaltungen bekannte Rechtsextremisten als Referenten auftreten

Polizei war präventiv vor Ort

So auch bei der jüngsten Veranstaltung. Laut Medienberichten war dort auch Björn Neumann bei der Mensur anwesend. Er stand bei der Bürgerschaftswahl 2011 auf Platz zwei der NPD-Landesliste. Außerdem ist er laut Verfassungsschutz ein enger Vertrauter von Matthias Faust, der im Bundesvorstand der NPD sitzt. Die Fechtkollegen von der Kieler Förde hingegen stehen nach Angaben des schleswig-holsteinischen Innenministeriums nicht unter Beobachtung, "weil gegen sie keine Erkenntnisse vorliegen", wie ein Sprecher der Behörde sagte.

Die Polizei war bei der Veranstaltung nur präventiv vor Ort, falls es eine Demonstration gegeben hätte, sagte Sprecherin Ulrike Sweden. Und die Innenbehörde zeigt sich machtlos. Sie rät Eltern und Schülern, sich nicht davor zu scheuen, beim Verfassungsschutz über Burschenschaften und deren Gebaren zu erkundigen, bevor man einer beitritt. Mehr nicht. Die Schulbehörde ist da aktiver. Bislang habe es an Hamburger Schulen keine Präventionsarbeit zu diesem Thema gegeben, weil sich die Burschenschaften nach Behördenkenntnis bislang an Erwachsene gerichtet hätten, sagte Sprecher Peter Albrecht. Er kündigt aber an: "Da dies jetzt offenbar anders ist, wird unser Landesinstitut, Referat Demokratieerziehung, die weitere Entwicklung genau beobachten und diesen Aspekt in die Präventionsarbeit aufnehmen."

Mit dem Fechten will die Chattia Friedberg übrigens nach eigenen Angaben "Feiglinge und Dummschwätzer aussortieren". Die Hamburger Schüler-Burschenschafter, die sich selbst als "Patrioten" bezeichnen, die stolz darauf seien, Deutsche zu sein, erwarten mindestens einen Waffengang mit stumpfen Säbeln.

Mensuren sind nicht verboten

Pennale Mensuren sind weniger blutig als die normale "Hatz" - der österreichische Begriff für die Mensur. Denn gefochten wird mit stumpfen Säbeln und der Kopf ist mit einem Lederhelm geschützt. Schnitt- und Stichverletzungen sollen so ausgeschlossen werden. Doch Bilder im Internet zeigen, dass sich die Schüler durchaus verletzen können. Denn immerhin kämpfen sie mit nacktem Oberkörper.

Laut eines Urteils des Bundesgerichtshofs (BGH) vom Januar 1953 sind Mensuren nicht verboten, solange tödliche Verletzungen ausgeschlossen sind und sie nicht zum Austragen von Ehrenstreitigkeiten dienen. Der BGH wertet die Mensur zwar als Körperverletzung. Diese sei aber wegen Einwilligung der Kontrahenten nicht rechtswidrig. Insofern bestehe eine Parallele zum Boxen, wo ebenfalls Verletzungen möglich seien.

Bei den Treffen fließt viel Alkohol

Während es sich bei den klassischen Burschenschaften um Akademikerverbände handelt, sind in den pennalen Burschenschaften Schüler und Azubis ab 16 Jahren zusammengeschlossen. Wie Bilder auf Facebook zeigen, fließt bei den Treffen der jungen gescheitelten Herren viel Alkohol. Ihr Dachverband ist der "Allgemeine Pennäler Ring" (APR). Sowohl die Kieler als auch die Hamburger Burschenschaft sind Mitglied im APR, der derzeit 13 "national-freiheitliche und wehrhafte Pennalkorporationen unter seiner Fahne" hat , wie es auf der Webseite heißt.

In Schleswig-Holstein gibt es neben dem Germania in Kiel noch die Virtusburschenschaft in Kaltenkirchen. Sie wurde 1986 am dortigen Gymnasium von Oberstufenschülern gegründet und sieht sich in der Tradition der akademischen Burschenschaften. Die Germania Kiel logiert übrigens in teuerster Lage am Hindenburgufer - in einer alten Villa der Verbindung Alemannia Kiel mit Fördeblick.

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