ÖPNV : Kieler Ratsversammlung fordert das Ein-Euro-Ticket

Die Änderungen im Nahverkehr sollen bereits 2019 beginnen.
Die Änderungen im Nahverkehr sollen bereits 2019 beginnen.

Mit drastisch gesenkten Preisen im öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV) soll das Umsteigen auf Bus und Bahn erleichtert werden.

shz.de von
15. Februar 2018, 19:28 Uhr

Kiel | Gute Botschaft für alle Passagiere, die im Kieler Raum den öffentlichen Bus nutzen: Die Fahrkarte soll drastisch preiswerter werden. Bereits im nächsten Jahr könnten das Ein-Euro-Ticket für die Einzeltour und die 30-Euro-Monatskarte eingeführt werden. Das hat die Ratsversammlung Donnerstagabend mit großer Mehrheit beschlossen. Außerdem soll sich Oberbürgermeister Ulf Kämpfer in Berlin dafür stark machen, dass die Region Kiel zum Versuchsraum für den kostenlosen ÖPNV wird.

Es ging alles sehr schnell. Zunächst hatten SPD und SSW vor ein paar Tagen ihre Vorschläge zum „Soli-Ticket“ für bedürftige Senioren ausgepackt. Am Mittwochabend legten die Grünen ihre Vorschläge für die „radikale Änderung“ der Tarifstruktur auf den Tisch. Und Donnerstagabend sprang auch die CDU auf den anfahrenden Zug auf. Erklärte Absicht der vier Parteien: Der öffentliche Nahverkehr soll günstiger werden, die Menschen zum Umsteigen auf Bus und Bahn bewegt werden. Die Blechlawinen auf den Zubringerstraßen sollen ausgedünnt, die Luft wieder sauberer werden.

Gefördert wurde die Diskussion in Kiel natürlich durch Überlegungen der Bundesregierung, als Folge der sogenannten Diesel-Krise den ÖPNV sogar zum Nulltarif fahren zu lassen. Dirk Scheelje schmunzelte angesichts der rasanten Entwicklung: „Vor einer Woche noch hätte ich gedacht, dass wir mit Klassenkeile aus der Ratsversammlung hinausgejagt werden.“

Hans-Friedrich Traulsen (SPD) mahnte: Bei den erhofften steigenden Passagierzahlen „reichen die Busse bald nicht mehr aus. Das Aufkommen kann nur die Bahn leisten.“ Zur Erinnerung: Mit den kostspieligen Plänen für die Stadtregionalbahn war die Koalition vor drei Jahren im Rathaus krachend gegen die Wand gefahren – zum damaligen Spott der Union. Stefan Kruber (CDU) hielt gestern Abend allerdings fest: „Wir verlangen eine vernünftige Planung. Die Schiene ist für uns kein Tabu.“

Bus soll preiswerter als Auto werden

Angesichts der partei-übergreifenden Einigkeit frohlockte Arne Langniß (Grüne): „Wir können hier in Kiel den ÖPNV revolutionieren.“ Das gemeinsame Papier enthält eine Fülle von Vorschlägen und Arbeitsaufträgen. So sollen – nach mehreren vergeblichen Anläufen – noch einmal das landesweite Seniorenticket angeschoben und das „Soli-Ticket“ für 9,90 Euro im Monat für finanzschwache Senioren verankert werden.

Außerdem wollen die Politiker den Einstieg in das Ein-Euro-Ticket wagen. Die Tageskarte soll künftig 5 Euro kosten, das Monatsticket soll es für 30 und in der ermäßigten Form für 15 Euro geben. All diese Vorstellungen sollen bereits 2019 greifen – im Sommer will man detaillierte Angaben über Kosten und Finanzierung vorliegen haben. Ziel des Pakets: Der Preis für die Fahrt in die Stadt im Bus oder in der Bahn fällt selbst für eine Familie preiswerter aus als die Tour im eigenen Auto.

Auch wenn man nach Ansicht einiger Ratsmitglieder Jahre verloren sind bei der angestrebten „Verkehrswende“ – Marcel Schmidt (SSW) bedankte sich artig bei der Union, dass „sie sich jetzt auch mit der Bahn befassen möchte“. Kruber wiederum nahm Oberbürgermeister Kämpfer in die Pflicht: Er soll „mit Verve“ in Berlin dafür werden, dass Kiel Modellstadt für den ÖPNV zum Nulltarif wird.

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