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Waffenverbotszone : Kieler Partymeile ist sicherer geworden

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Polizei, Ordnungsamt und Clubbetreiber ziehen Bilanz nach einem Jahr Waffenverbotszone in der Bergstraße. Fazit: Sie hat sich bewährt. Die Zahl der gefährlichen Gewaltdelikte hat sich verringert.

shz.de von
erstellt am 03.Apr.2014 | 05:47 Uhr

Kiel | Ein Jahr Waffenverbot und ein neues Sicherheitskonzept an Kiels berüchtigter Partymeile Bergstraße: Messer, Baseballschläger und andere gefährliche Gegenstände sind dort seit Mitte März 2013 tabu, ein Glascontainer wurde aufgestellt. Anlass für Polizei, Ordnungsamt der Landeshauptstadt und Clubbetreiber, eine Bilanz zu ziehen. Und die fällt eindeutig positiv aus: Weniger Rohheitsdelikte, weniger schwere Körperverletzungen, deutlich weniger Glasverletzungen.

In Zahlen: Die Gewaltdelikte sind im vergangenen Jahr von 281 auf 240 zurückgegangen – und damit um 14,6 Prozent. Es gab nur noch zwei Körperverletzungen mit Messer, dafür allerdings mehr Kopfnüsse – mangels Waffe. „Das Waffenverbot hat sich bewährt“, schließt der zuständige Dezernent Wolfgang Röttgers insgesamt daraus.

Weitere positive Effekte: Die Aufklärungsquote hat sich „deutlich verbessert“, Körperverletzungen gehen nicht mehr vom Sicherheitspersonal aus, das früher Rockerkreisen zugerechnet wurde, und auch die private Präsenzstreife mit „väterlich mahnendem“ Habitus hat einen „sehr positiven Einfluss“. Im jüngsten Innen- und Umweltausschuss der Stadt stand das Thema zwar auf der Tagesordnung; keine der Fraktionen hatte allerdings Redebedarf. Es scheint klar zu sein: So darf es gern weitergehen.

Dabei war das Verbot im Vorfeld stark diskutiert worden. Es gab Befürchtungen, Köche könnten nun beispielsweise kein Messer mehr mit zur Arbeit oder nach Hause nehmen, wenn ihr Weg durch die Waffenverbotszone führt. Und tatsächlich ging den nächtlichen Polizeistreifen an der Bergstraße ein Koch mit einem Messerblock ins Netz, berichtet ein Beamter. Der Koch jedoch habe nicht feiern wollen und konnte seine Messer behalten. Insgesamt hat die Polizei gut zwei Dutzend Waffen oder gefährliche Gegenstände innerhalb dieses Jahres beschlagnahmt. Für den stellvertretenden Leiter der Kieler Polizeidirektion Jürgen Hoppe ist das auch ein Beleg dafür, dass das Verbot abschreckend wirkt. Dennoch bleibt er realistisch: „Es wird immer mal wieder Vorfälle in der Bergstraße geben.“

Die Interessengemeinschaft (IG) Bergstraße, in der sich ein Dutzend Clubbetreiber zusammengeschlossen hat, sieht das Waffenverbot nach einem Jahr ebenfalls als Erfolg an: „Wir können das nur positiv begleiten“, sagt der Sprecher der IG, Henning Puls. Derzeit sei man wegen einiger Nachbesserungswünsche in Abstimmung mit Stadt und Polizei. Dabei geht es um Einsätze zweier privater Sicherheitsmänner (die Präsenzstreife), die freitags und sonnabends zusätzlich für Sicherheit sorgen soll. Die IG Bergstraße teilt sich die Kosten von rund 30 000 Euro im Jahr, würde die Einsatzzeiten an Freitagabenden in der warmen Jahreszeit gern einschränken, um Kosten zu sparen. Stadt und Polizei bestehen aber auf das bisherige Konzept.

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