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Brandserie : Kieler Ostufer: Die Angst vor den Brandstiftern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Einsätze in Kiel halten Feuerwehr und Polizei in Atem. Die Nachbarn fühlen sich nicht mehr sicher.

Eine unheimliche Serie von Feuern versetzt die Menschen auf dem Ostufer der Kieler Förde in Angst. Seit Wochen brennt es, meistens nachts und fast immer in den Kellern von Mehrfamilienhäusern. In der Nacht zum Freitag mussten bei zwei Bränden 21 Menschen gerettet werden, fünf erlitten Rauchvergiftungen. Zudem brannte ein Auto aus.

„Da zündelt jemand in unserem Stadtteil. Aber was sollen wir tun?“, fragt Mariana (40), Mutter eines siebenjährigen Sohnes. Beiden wohnen in dem Haus in der Gaardener Johannesstraße, aus dem 20 Bewohner, teilweise über die Drehleiter, ins Freie gebracht wurden. „Alle halb nackt, die Kinder schockiert.“ Mariana ist mit ihrem Sohn im zweiten Stock geblieben. „Ich wollte mir das nicht antun.“ Sie legte zwei feuchte Tücher vor die Türritze, bis die Flammen im Eingangsbereich gelöscht waren. Über eine Stunde dauerte das. „Es war schrecklich.“

Am Tag nach dem Brand liegt im Treppenhaus noch immer kalter Rauch in der Luft. Rußgeschwärzt die gelbgestrichenen Wände, mehrere Fensterscheiben im Flur des Altbaus sind geplatzt. Überall schwarze Schlieren und Fußspuren auf den Treppen. Viele Einsatzkräfte kämpften sich in der Nacht in dem Mehrfamilienhaus durch den Rauch. Die schweren Schritte der Feuerwehrmänner hat Mariana immer noch in den Ohren. Und den Geruch von verbranntem Gummi in der Nase.

Betroffen von den mittlerweile ein Dutzend Feuern sind die drei Kieler Stadtteile Neumühlen-Dietrichsdorf, Wellingdorf und Gaarden. „Wir gehen nicht von einem einzelnen Täter aus, sagt Polizeisprecher Matthias Arends. Nach Erkenntnissen der Polizei agierten Brandstifter meist dort, wo sie sich gut auskennen, also in einem örtlich begrenzten Radius. Deshalb glauben die Ermittler trotz der Parallelen bei der Tatbegehung an mindestens zwei verschiedene Serien. Die ersten Brände gab es in Dietrichsdorf. „Für die Brände in Wellingdorf und Gaarden könnte ein Nachahmer verantwortlich sein“, so ein Beamter.

Der allerdings kopierte die Vorgehensweise des ersten Täters. Polizeisprecher Arends: „Die Brandstifter gelangten jeweils durch nicht abgeschlossene Türen in die Gebäude, zündeten dann meist Gegenstände im Keller an.“

Wo hat es in den letzten Wochen gebrannt? shz.de zeigt die Brandorte auf einer Karte.

Was weiß die Polizei über die Täter? Zu ihren Erkenntnissen schweigen die Ermittler. Nach Informationen unserer Zeitung wurden bislang keine Brandbeschleuniger verwendet. Die Kieler Kriminologin Monika Frommel sagt: „Brandstifter sind in der Regel junge narzisstische Persönlichkeiten, die Taten verschaffen ihnen Machtgefühle.“ Gutachter unterscheiden außerdem zwischen Frust- und Lusttätern. Fakt ist: Die Feuer haben Menschen in Lebensgefahr gebracht. „Wir ermitteln wegen schwerer Brandstiftung“, sagt Matthias Arends. „Und wir tun alles, um die Täter zu fassen.“

Am Ostufer patrouillieren nachts verstärkt Streifen. „Da nicht jede Haustür offen steht, könnten die Täter aufgefallen sein, weil sie nacheinander an verschiedenen Eingängen gerüttelt haben“, so Arends. Anwohner sollten die Haustüren abschließen, ebenso wie die Zugänge zu den Hinterhöfen. „Auch wenn nachts geklingelt wird, sollte nicht einfach der Summer gedrückt werden“, mahnt Arends.

Mariana möchte weg. Weg aus dem Haus und aus dem Stadtteil. „Doch das Geld für einen Umzug in einen besseren Stadtteil fehlt schlicht“, sagt sie.

Blaulichtmonitor



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erstellt am 14.Feb.2015 | 05:03 Uhr

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