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Gaschke-Nachfolge : Kieler OB-Wahl: Jetzt vier Kandidaten?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach der überraschenden Bewerbung des Linken-Politikers Detlef Hackethal um das Amt des Oberbürgermeisters in Kiel wird bekannt, dass es noch einen weiteren Bewerber gibt. Zu lesen ist das bei Facebook. Die Linken sind irritiert und reagieren.

Kiel | Der Überraschungscoup ist ihm gelungen: Detlef Hackethal (59), Kreis-Sprecher der Linkspartei, hat mit seiner Bewerbung um das Amt des Oberbürgermeisters in der Landeshauptstadt gestern für großes Aufsehen gesorgt. Nicht nur die bereits bekannten OB-Kandidaten Ulf Kämpfer (für SPD, Grüne, SSW) und Stefan Kruber (für CDU, FDP) staunten, nachdem sie von dem dritten Einzelbewerber in unserer Zeitung gelesen hatten. Auch die Linke auf Ratsfraktions-, Kreis- und Landesebene wurde kalt erwischt.

Doch kaum war die Nachricht von Hackethal im Umlauf, wurde noch ein vierter Bewerber bekannt. Die Stadt wollte den Namen nicht nennen, doch der Kandidat offenbarte seine Ambitionen im Sozialen Netzwerk Facebook im Internet. Hans-Jürgen Panck ist 62 Jahre alt und ebenfalls Einzelbewerber. Er hat allerdings keine Chancen, da er laut Wahlgesetz für eine Erstwahl zum Oberbürgermeister zu alt ist.

Wer ist Hans-Jürgen Panck? Der gebürtige Kieler lebt heute in Grömitz, arbeitete nach eigener Aussage 24 Jahre lang in der Polizeiverwaltung im Innenministerium, ist Rentner. Kommunalpolitische Erfahrung sammelte er zwischen 2001 und 2002 im Ortsbeirat Mitte der Stadt. Er engagierte sich damals bei der SPD im Ortsverein Kiel-Süd, kandidierte dort für das Amt des Vorsitzenden, musste sich jedoch Jasmin Bauer geschlagen geben, die immer noch an der Spitze ist. 2004 trat er aus der SPD aus, wechselte bis 2005 zu den Grünen. Heute ist er parteilos. Die Idee, als Bewerber anzutreten, kam Panck nach eigener Aussage mit dem „Steuer-Deal“ um die zurückgetretene Oberbürgermeisterin Susanne Gaschke (SPD) im vergangenen Herbst. „Was sie gemacht hat, geht gar nicht“, sagt Panck. Auf das Thema Altersarmut wolle er ebenso aufmerksam machen.

Auch wenn er sich ohne Partei im Rücken in Kiel keine realistische Chance auf das Amt ausgerechnet habe – „Ich wollte ein Zeichen setzen“, erzählt Panck. Ende vergangener Woche habe er dann von der Stadt erfahren, dass er aufgrund seines Alters nicht zugelassen werde. Es ärgert ihn, „abgeschrieben“ zu sein, aber er hat aufgegeben. „Das ist ja zwecklos“, so Panck. Wie viele der nötigen 265 Stimmen er bis dahin gesammelt hat, wollte er nicht sagen: „Ich hätte es vielleicht geschafft, genug Stimmen für die Zulassung zu bekommen.“

Deutlich weiter kam da Kandidat Detlef Hackethal – und zwar innerhalb kürzester Zeit. Die Unterschriften-Sammlung ging so fix, dass weder die Ratsfraktion der Linken, noch Kreis- oder Landesspitze etwas davon mitbekam. Entsprechend irritiert zeigten sich die Parteifreunde. „Wir wussten nichts davon“, sagte der Landesgeschäftsführer der Linkspartei, Marco Höne. Der Landesvorsitzende sei „nicht erfreut“ über die Vorgehensweise von Hackethal. Schließlich sei die Bewerbung – wenn auch nicht auf dem Ticket der Partei – gegen den Beschluss der Kreismitgliederversammlung vom 23. Januar entstanden. Die Linke hatte entschieden, keinen eigenen Kandidaten zur OB-Wahl antreten zu lassen. Hackethal hatte zu dem Zeitpunkt keine Ambitionen gezeigt.

Auch auf Fraktionsebene im Rathaus war man irritiert: Joachim Balzer „rieb sich die Augen“, als er morgens die Nachricht las. „Wir hätten uns gewünscht, dass er das mit der Fraktion abspricht.“ Höne fügte hinzu: „Der Landesvorstand und der Kreisvorstand erwarten, dass Herr Hackethal seine Gründe darlegt.“ Am Dienstagabend tagte der Kreisvorstand, Hackethal erklärte hier, wie auch unserer Zeitung gegenüber, dass er den „Armen eine Stimme“ geben und sich für das Anliegen der Bürgerinitiative gegen Möbel Kraft stark machen wolle.

Ob Hackethal dazu aufgefordert wird, seine Bewerbung zurückzuziehen, konnte Höne am Dienstag nicht sagen. Die Möglichkeit dazu besteht bis zur entscheidenden Sitzung des Gemeindewahlausschusses am Freitag um 15 Uhr. Doch Hackethal machte am Dienstag klar: „Ich ziehe meine Kandidatur nicht zurück. Ich brauche die Linke nicht. Die Linke muss entscheiden, ob sie mich noch braucht.“

Am Mittwoch teilte die Linke nun mit, dass der Kieler Kreisvorstand aus Protest über das Verhalten von Detlef Hackethal zurückgetreten ist. Mit dem Festhalten Hackethals an der Funktion des Kreissprechers sei seine Kandidatur als Unabhängiger zur OB-Wahl immer auch mit seinem Partei-Ehrenamt verknüpft, kritisierte der Vorstand. „Die fünf weiteren Mitglieder des Kreisvorstandes sahen sich daher gezwungen, geschlossen zurückzutreten und so den Weg für die Neuwahl des kompletten Kreisvorstandes freizumachen.“

In den OB-Wahlkampf ist also Bewegung gekommen – aber die gleicht vorerst nur einem Sturm im Wasserglas. Denn wirkliche Chancen auf das Amt malte sich keiner der beiden Einzelbewerber aus.

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erstellt am 05.Feb.2014 | 05:32 Uhr

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