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Freier Eintritt in Museen : Kieler Kultur zum Nulltarif?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Ratsversammlung debattierte gestern über einen freien Einlass in die Museen im Jubiläumsjahr 2015. Außerdem wurde das Kulturticket für Studenten angeschoben: Gegen einen Aufpreis zum Semesterticket soll der kostenlose Besuch ermöglicht werden – der Asta der Uni hat bereits Zustimmung signalisiert.

shz.de von
erstellt am 19.Mär.2015 | 20:17 Uhr

Die Politik entdeckt das kulturelle Potenzial der Stadt: Ratsfraktionen wollen mit Ideen wie kostenlosem Eintritt in Museen (CDU) oder einem Kulturticket für Studenten (SPD  /  Grüne  /  SSW) möglichst viele Besucher anlocken. Gestern debattierte die Ratsversammlung über die Vorstöße. Größter Knackpunkt: Wie soll das alles finanziert werden?

In einer spontanen Aktion demonstrierte die Ratsversammlung aber zunächst ihre nahezu geschlossene Unterstützung der Olympia-Kampagne „Kiel macht ,O’“. Dann ging es zur Sache. In einem Dringlichkeitsantrag forderte die CDU-Ratsfraktion die Verwaltung dazu auf, im Jubiläumsjahr 2015 den Besuchern des Stadt- und Schifffahrtsmuseums freien Eintritt zu gewähren. Vor zehn Jahren hatte die Union zusammen mit den Grünen Eintrittsgelder für städtische Museen eingeführt. Doch das Haus feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Dafür möchte die CDU eine Ausnahme machen – für die Kieler und alle anderen Besucher. Die Verwaltung geht von 40  000 Euro Mehrkosten aus.

Für die Finanzierung des freien Eintritts möge man Sponsoren gewinnen, schlagen Erika Diehr und Wolfgang Homeyer von der CDU vor. Begründung für die Initiative: „Die Kunst der Kieler Museen gehört dem Volk“ – schließlich werde sie überwiegend mit Steuergeldern ausgestellt. Die beiden Ratsleute meinen: „Durch freien Eintritt in die städtischen Museen können die Besucher öfter und viel entspannter Ausstellungen und Veranstaltungen besuchen.“ So stellen sich die CDU-Politiker in Kiel ihr Kultur-Wunderjahr zum Nulltarif vor. Eine Forderung, von der es wenig überraschend Applaus von den Linken gab.

Allein, die Opposition findet dafür keine Mehrheit. Mehrfach wurde der Antrag im Kulturausschuss abgelehnt oder vertagt. Gestern stimmten die Vertreter der Ratsmehrheit (SPD  /  Grüne  /  SSW) für ihren Alternativantrag: Die Landeshauptstadt soll in diesem Jahr allen Besuchern des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums die Möglichkeit geben, an einem festgelegten Tag im Monat einen selbstgewählten Eintritt zu zahlen. Zu den Haushaltsberatungen 2016 sollen dann Gästezahl und Einnahmen überprüft werden, um den Weg für eine Fortsetzung im Folgejahr zu öffnen. Die Fraktionen verweisen dabei auf das Miniatur-Wunderland in Hamburg. Im Januar lud das Haus bedürftige Gäste ein – ohne Eintritt zu verlangen. Besucher mussten am Eingang lediglich einen Schlüsselsatz sagen: „Ich kann mir das nicht leisten.“

Ein Satz, den oft auch Studenten sagen müssen. Dieser Zielgruppe – Kiel hat rund 32  000 Studenten – möchten SPD, Grüne und SSW gern ein spezielles Kulturticket anbieten. Sie setzten gestern durch, dass die Verwaltung darüber mit Kieler Studierendenvertretungen (Astas) verhandelt. Studenten sollen einen stark vergünstigten oder freien Eintritt in kulturelle Einrichtungen erhalten: Museen, Stadtarchiv, Oper, Theater – ein konkretes Programm gibt es noch nicht. Der Asta der Kieler Uni hat aber bereits signalisiert, einen solchen Versuch auch mit der Fachhochschule und der Muthesius-Kunsthochschule starten zu wollen. Eine Urabstimmung könnte es Anfang 2016 geben – nach erneuter Abstimmung der Ratsversammlung.

Finanziert werden soll das Ticket über einen Aufschlag zum Semesterbeitrag der Studenten. Zurzeit liegt er bei 118,50 Euro. Einen Mehrwert – neben dem Nachteil möglicherweise entfallender Einnahmen – sieht der Student und Ratsherr Benjamin Raschke (SPD) in einer erhofften stärkeren Bindung der jungen Leute an Kiel. Andere Uni-Städte wie Kassel, Hildesheim oder Göttingen bieten das Modell bereits an – mit Gebühren zwischen 2,92 und 9,80 Euro pro Semester.







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