Munition im Meer : Kieler Innenminister will Weltkriegsmunition aus den Meeren holen

Zwei Wasserbomben aus dem Zweiten Weltkrieg werden am in der Ostsee gezielt gesprengt. 1,3 Millionen Tonnen konventionelle Kampfmittel liegen schätzungsweise auf dem Boden der deutschen Nordsee, 300 000 Tonnen in der Ostsee.

Zwei Wasserbomben aus dem Zweiten Weltkrieg werden in der Ostsee gezielt gesprengt. 1,3 Millionen Tonnen konventionelle Kampfmittel liegen schätzungsweise auf dem Boden der deutschen Nordsee, 300.000 Tonnen in der Ostsee. /Archivbild

Hans-Joachim Grote sieht in den rostenden Weltkriegsaltlasten eine Aufgabe von nationaler Bedeutung.

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14. Februar 2019, 15:45 Uhr

Kiel  | Tödliche Gefahr im Meer: Fast zwei Millionen Tonnen Kriegsmunition liegen in deutschen Gewässern auf dem Grund. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz fordert ein Konzept zu ihrer Beseitigung.

Massenhaft Weltkriegsbomben rotten seit Jahrzehnten auf dem Meeresgrund vor sich hin: 1,3 Millionen Tonnen konventionelle Kampfmittel liegen schätzungsweise auf dem Boden der deutschen Nordsee, 300.000 Tonnen in der Ostsee. Hinzu kommen 300.000 Tonnen chemische Kampfstoffe. Das lange ignorierte Problem will der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Schleswig-Holsteins Ressortchef Hans-Joachim Grote, jetzt offensiv angehen.

Gefährliche Erbschaft: „Tickende, rostende Zeitbomben“

Die Beseitigung der Weltkriegsmunition sei eine Aufgabe von nationaler Bedeutung, sagte der CDU-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Donnerstag). „Für mich berührt das ganz klar die innere Sicherheit.“ Er wolle den Kampf gegen die Weltkriegsmunition zu einem Thema auf der Innenministerkonferenz Mitte Juni in Kiel machen, kündigte Grote an. „Vor deutschen Küsten liegen nach wie vor fast zwei Millionen Tonnen an gefährlichen Torpedos, Seeminen und Sprengstoffen“, sagte er.

„Wir haben nach Ansicht von Experten nur noch 20 Jahre Zeit, diese tickenden, rostenden Zeitbomben aus dem Meer zu holen und zu entschärfen.“ Hans-Joachim Grote
 

Er strebe an, dass seine Innenministerkollegen aus Bund und Ländern diese gefährliche Erbschaft als gemeinsames Problem anerkennen, sagte Grote. „Das können die Küstenländer nicht alleine stemmen.“ Nach der mittlerweile vorgenommenen Kartierung sei nun ein abgestuftes Konzept zum Umgang mit diesen Hinterlassenschaften nötig. „Was kann und muss in welcher Reihenfolge noch geborgen werden?“

Finanzierung noch ungewiss

Vor allem mit dem Bund werde es natürlich auch um die Finanzierung gehen, sagte Grote. „Das betrifft insbesondere auch den Umgang mit den Kosten für die Bergung von Munition nichtdeutscher Herkunft.“ Allein für den Abtransport der 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition aus deutschen Hoheitsgewässern würde nach Schätzung des früheren schleswig-holsteinischen Umweltministers Robert Habeck (Grüne) rechnerisch ein 3000 Kilometer langer Güterzug benötigt. In ganz Europa könnte es Experten zufolge um die zehnfache Menge gehen. Was dies kosten würde, ist ungewiss.

Bisher wurde nur punktuell gezielt Munition aus dem Meer geborgen, unter anderem 2014 aus der Kieler Bucht. Im Jahr zuvor waren dort 31 englische Grundminen entschärft worden.

Schon jetzt bestehe die Gefahr, dass wegen angeschwemmter Seeminen oder austretenden Phosphors ganze Strandabschnitte gesperrt werden müssten, sagte Grote dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Munitionsrückstände gefährdeten ganze Wirtschaftszweige. „Minen und Bomben können Leitungen auf dem Meeresgrund zerstören, Windparks beschädigen, Seeschifffahrt behindern und Tourismus mancherorts unmöglich machen.“

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Chemische Munition am Meeresgrund keine 20 Meter vom Strand entfernt

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland verwies auf Angaben des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz Zentrum für Polar- und Meeresforschung, wonach chemische Munition am Meeresgrund unter anderem Nervengifte wie Senfgas und Sarin enthalte. Einiges davon befinde sich nicht einmal 20 Meter vom Strand entfernt. Die Munitionskörper seien teilweise komplett verrottet; Bomben könnten immer noch explodieren.

Während die Mengenschätzungen für Munition in der deutschen Ostsee Experten zufolge aufgrund einer unklaren Datenlage als wenig belastbar gelten, sind die Informationen für chemische Kampfmittel zum Teil deutlich besser. Demnach liegen im Helgoländer Loch etwa 90 Tonnen mit dem Nervenkampfstoff Tabun gefüllte Artilleriegranaten. Im Kleinen Belt lagerten 5000 Tonnen mit Phosgen und Tabun gefüllte Bomben und Granaten, begraben unter einer bis zu acht Meter starken Sedimentschicht.

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