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Speisesalz aus der Ostsee : Kieler gründen kleine Manufaktur

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwei junge Startup-Unternehmer gewinnen auf Gut Eckhof aus dem Ostseewasser reines Meersalz. Als Käufer haben sie den Feinkosthandel und die Touristen an der Förde im Blick. Ihr Produkt bieten in 100-Gramm-Weckgläsern an.

Die Ostsee zergeht einem sehr langsam auf der Zunge. Die weißen Kristalle lösen sich auf, zurück bleibt der pure Geschmack von Salz. Dirk Münze (51) und Christopher Walter (45) haben sie erfunden, die Möglichkeit, ein Stück Schleswig-Holstein mit nach Hause zu nehmen, das man übers Frühstücksei streuen kann. Oder mit dem sich frischer Fisch garnieren lässt. Damit wollen die Kieler Unternehmensgründer jetzt durchstarten. Ihre Idee: kleine Weckgläser mit 100 Gramm Ostseesalz befüllen, blauer Aufkleber drauf – fertig ist das Souvenir aus der neuen Ostseesalzmanufaktur.

Gänse laufen schnatternd über den Hof, Pfauen stolzieren umher: Christopher Walter und Dirk Münze haben einen idyllischen Standort für ihre Manufaktur gefunden. Auf Gut Eckhof in Strande bei Kiel, dem Anwesen von Nicolaus Graf zu Reventlow, steht ihr neuer Stahl-Ofen. Der wird mit heimischen Hölzern befeuert und kocht und verdampft literweise Meerwasser aus Dänischenhagen. Eine regionale Wertschöpfungskette, auf die beide Wert legen. Sitz der Firma ist Kiel.

„Warum muss ich eigentlich beim Kochen Salz aus dem Atlantik nehmen“? – das fragte sich Christopher Walter, so erzählt er es, eines Tages. Mit zwei Eimern voll Ostseewasser kam er vom Strand zurück, kochte das Wasser im Topf auf. Und dann wartete er. Zehn Stunden, zwölf Stunden. Irgendwann blieben die Salzkristalle übrig. Aus diesem Erlebnis entwickelte Walter die Geschäftsidee. Zusammen mit einem früheren Geschäftspartner, Dirk Münze, der 20 Jahre in der Werbung gearbeitet hat, feilte der frühere Unterhaltungselektronik-Einzelhändler mehrere Monate lang an der Prozedur, Salz aus der Ostsee zu gewinnen. Auf der Insel Sylt wird Salz hergestellt und vermarktet – „aber das läuft industriell“, sagt Christpher Walter. Er und Münze wollen alles von Hand machen. Schließlich beauftragte das Gründer-Duo, im Mai gingen die beiden mit ihrem Unternehmen an den Start, den Eckernförder Kunstschmied Heiner Marten mit der Produktion eines Ofens. Einige Wochen vergingen. Mittlerweile steht der massive Stahl-Koloss auf Gut Eckhof. Und der macht ordentlich Dampf.

So funktioniert es: Mit Hilfe spezieller Kunststoff-Container transportieren Münze und Walter Meerwasser aus Dänischenhagen auf das Gutsgelände. Auf 150 bis 200 Grad, so schätzt Christopher Walter, wird das gefilterte Meerwasser in zwei großen Edelstahlwannen gesiedet. Immer wieder füllen sie Wasser nach. „Irgenwann ist der Salzgehalt so hoch, dass sich kristalline Körnchen bilden“, erklärt Christopher Walter. Die Masse muss abgeschöpft und von Hand gesiebt werden. Anschließend wird das Salz schonend getrocknet und von Hand abgefüllt. Aus 1000 Litern Ostseewasser gewinnen die Kieler zehn bis 12 Kilo Meersalz. „Das Geheimnis ist der richtige Zeitpunkt, es rauszunehmen und danach so zu trocknen, dass es seine Struktur bekommt und erhält“, sagt Christopher Walter.

Inzwischen sind einige hundert Gläser Ostseesalz hergestellt worden und über den Ladentisch gegangen. Walter und Münze glauben an das große Potenzial ihrer Entwicklung: „Es ist anscheinend ein perfekt in die Zeit passendes Produkt.“ Wenn es gut läuft, wollen sie mit drei Öfen arbeiten, Mitarbeiter anstellen.

Zielgruppe der Kieler sind Feinkosthändler und Touristen. Für „Kiel Sailing City“ wurde bereits eine Sonderedition produziert. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig ist schon auf den Geschmack gekommen. Für Gäste des Landes gibt’s jetzt einen gesalzenen Gruß im Glas, mit dem Nesselblatt und dem Löwen. Edition: „Der echte Norden“. Praktisch, wenn man wie Christopher Walter in Kiel den Landesvater zum Nachbarn hat, der auch mal seine Nase in die Küche nebenan steckt.


www.facebook.com/Ostseesalzmanufaktur

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erstellt am 06.Okt.2014 | 18:24 Uhr

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