Neues Gesetz ab 1. März : Kieler Forscher erklärt, warum eine Masern-Impfpflicht negative Effekte haben könnte

Laut WHO sind in Deutschland bereits 92 Prozent der Kinder vollständig gegen Masern geimpft. 97 Prozent haben die erste von zwei Impfdosen erhalten.
Laut WHO sind in Deutschland bereits 92 Prozent der Kinder vollständig gegen Masern geimpft. 97 Prozent haben die erste von zwei Impfdosen erhalten.

Ab dem 1. März tritt die Impfpflicht gegen Masern in Kraft. Wird dadurch alles besser? Ulrich Schmidt hat da Zweifel.

Margret Kiosz von
29. Februar 2020, 10:06 Uhr

Zwar hat sich Gesundheitsminister Jens Spahn in der Debatte um die Impfpflicht durchgesetzt und das Gesetz durchs Parlament gebracht, aber die Zweifel bleiben.

Jetzt meldet sich ein Kieler Wirtschaftswissenschaftler zu Wort, der anhand von diversen empirischen Erhebungen zu dem Schluss kommt: Die Impfpflicht kann das Vertrauen in die Sicherheit und Effektivität von Impfungen beeinträchtigen.

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Die Impfpflicht sei ein zweischneidiges Schwert, das sein Ziel nicht notwendigerweise erreicht, „sondern auch die gegenteilige Wirkung haben kann“, so das Fazit von Professor Ulrich Schmidt vom Institut für Weltwirtschaft.

95 Prozent für die „Herdenimmunität“

Laut WHO sind in Deutschland 92 Prozent der Kinder vollständig gegen Masern geimpft, während 97 Prozent die erste von zwei Impfdosen erhalten haben. Ziel der Impfpflicht ist es, die Quote der vollständig geimpften Personen auf über 95 Prozent ansteigen zu lassen, da dieser Wert als notwendig für eine sogenannte Herdenimmunität angesehen wird.

Zwar helfe die Impfpflicht bei Eltern die den Termin schlicht vergessen haben. Das trotzdem ein negativer Effekt bleibt, erklärt der Leiter der Abteilung Sozial- und verhaltensökonomischer Ansätze zur Lösung globaler Probleme mit der Theorie der Reaktanz. Sie besagt, dass Freiheiten, die einer Person genommen werden, danach als besonders wichtig erachtet werden und daher eine Tendenz besteht, die verbotenen Handlungen nun erst recht durchzuführen.

Stärkere Wahrnemung durch Risiken der Impfpflicht

Bezogen auf die Impfpflicht würde reaktantes Verhalten daher implizieren, dass die Risiken der Impfung aufgrund der Impfpflicht nun höher wahrgenommen werden und manche Personen, die sich ohne Impfpflicht für eine Impfung entschieden hätten, nun versuchen diese zu umgehen.

Dieses reaktante Verhalten lasse sich in den Ländern mit Impfpflicht tatsächlich beobachten. Dabei bezieht Schmidt sich auf einen EU-Report bei dem 2782 Menschen in 28 EU-Staaten zum Thema Mumps- Masern-Röteln-Impfung befragt wurden:

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Es zeigt sich, dass in Deutschland die Zustimmungsraten bei allen Fragen höher als in den Ländern mit Impfpflicht sind. Professor Ulrich Schmidt

Auch in allen anderen Ländern mit Impfpflicht werde die Sicherheit von Impfungen kritischer gesehen.

Seine Begründung für das „zweischneidige Schwert der Impfpflicht“: Während bei Personenkreisen, die die Impfung vergessen eine Erhöhung der Durchimpfungsraten zu erwarten ist, kann die Impfpflicht Zweifel an der Nützlichkeit verstärken. Somit ist es durchaus möglich, dass die Einführung einer Impfpflicht ihr Ziel verfehlt und sogar eine gegenteilige Wirkung hat.

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