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Brandserie am Ostufer : Kieler Feuerteufel nicht zu fassen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit Monaten halten Brandstifter die Landeshauptstadt in Atem. Die Polizei überwacht, analysiert, klärt auf – und scheint doch machtlos.

Kiel | Das Kieler Ostufer kommt nicht zur Ruhe. Über zwei Monate dauert die Brandserie in Kellern und Treppenhäusern nun schon – und die Polizei hat die Brandstifter noch immer nicht gefasst. Vor allem ältere Bewohner leben in Angst. „Ich bleibe momentan immer bis 1 Uhr wach und gucke aus dem Fenster“, sagt Rentner Arthur Küllsen (66). „Aber wenn Du Dich ins Bett legst, dann kommen sie.“ Der sechsgeschossige Wohnblock des Rentners im Stadtteil Wellingdorf brannte am Montagabend, die Feuerwehr konnte die Flammen glücklicherweise schnell löschen.

„Wir gehen von mindestens zwei Tätern oder aber Tätergruppen aus“, sagt Polizeisprecher Oliver Pohl. Die Ermittler machen sie für 22 Brände in den Stadtteilen Gaarden, Wellingdorf und Neumühlen-Dietrichsdorf verantwortlich. Warum aber sind die Brandstifter nicht zu fassen?

„Es ist in diesem Fall ein schwieriges Geschäft“, erklärt ein Ermittler. „Die Täter kommen ganz sicher aus der Gegend, kennen sich aus.“ Hinzu kommt: Einige sonst erfolgreiche Ermittlungsmethoden scheiden aus. Die Polizei verzichtet offenbar auf eine Funkzellenabfrage. Mit ihr könnte herausgefiltert werden, welche Handys zur Tatzeit beim Mast in Tatortnähe eingeloggt waren. Da die Täter in den betroffenen Stadtteilen leben und dort auch unterwegs sind, wäre ein Bewegungsprofil jedoch von zweifelhaftem Wert. Zudem steckt der Polizei der Piraten-Rüffel über die massenhaften Funkzellenauswertungen noch in den Knochen.

Auch von Ermittlern in Zivil soll wieder Abstand genommen worden sein. „Die Beamten sind aufgefallen“, heißt es. „Trotz Tarnung sahen sie eben nicht aus wie Gaardener Bürger.“ Und es gibt noch ein weiteres Problem: Besonders in Gaarden gebe es abends und nachts viel Bewegung auf den Straßen. „Wem soll man folgen, wenn er in einen Hauseingang geht?“, fragt ein Ermittler.

So ist zunächst die Präsenz mit Streifenwagen verstärkt worden. Nach dem jüngsten Feuer hat die Polizei nun ihr Ermittlerteam vergrößert. Beim Kommissariat 11, zuständig für Brandsachen, koordinieren jetzt sieben Beamte die Suche nach den Tätern. Ein Fallanalytiker ist eingeschaltet und erstellt Profile, um den Brandstiftern und ihren Motiven Kontur zu verleihen. Außerdem wurden an den Brandhäusern verwertbare Spuren gesichert.

Gibt es bereits Verdächtige? Wenn ja, dann reichen die Indizien für eine Festnahme noch nicht aus. Die Staatsanwaltschaft hat eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt. Mit Flugblättern auf Deutsch und Türkisch sind die Menschen am Ostufer sensibilisiert worden – denn noch immer ist fast jeder zweite Hauseingang nicht verschlossen. Die Flugblatt-Aktion soll innerhalb der Polizei umstritten gewesen sein. Es gab Bedenken, die Täter könnten sich für Wochen zurückziehen und die eingesetzten Kräfte vergeblich auf ihre Chance zum Zugriff warten. Doch die Feuer gingen sofort weiter. Bislang erlitten fünf Menschen Rauchvergiftungen, darunter eine Schwangere. Die Feuerwehr treibt unterdessen nicht nur die Sorge um Menschenleben um. Sprecher Michael Krohn. „Ich mag gar nicht daran denken, dass die Täter auch aus den eigenen Reihen stammen könnten.“

shz.de zeigt die Feuer der vergangenen Wochen auf einer Karte:

Die tatsächlichen Tatorte können von den Markierungen abweichen. Die Angaben basieren auf den Straßennamen, die von der Polizei veröffentlicht wurden.

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erstellt am 25.Feb.2015 | 12:12 Uhr

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