Bürgerentscheid : Kieler entscheiden sich knapp für Möbel Kraft

Auch wenn der Entscheid verloren ist, die Bürgerinitiative empfindet es als Erfolg.
Auch wenn der Entscheid verloren ist, die Bürgerinitiative empfindet es als Erfolg.

Es ist der erste Bürgerentscheid in der Landeshauptstadt, den die kleine Bürgerinitiative gegen die Ansiedlung von Möbel Kraft angestrengt hat. Zwar kommt der Konzern jetzt doch nach Kiel – allerdings mit nur knapper Mehrheit, was die BI als Erfolg wertet.

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24. März 2014, 23:30 Uhr

„Der Bürgerentscheid wird arschknapp“, hat Ulf Kämpfer am Mittwochabend noch in der Halle 400 gesagt. Er sollte Recht behalten. Mit 52,7 Prozent (Stand: 21.05 Uhr, 101 von 107 Wahlbezirken ausgezählt) befürwortete ein Großteil der Kieler die Ansiedlung des Möbelriesen auf dem ehemaligen Kleingartengelände „Prüner Schlag“. Insofern hatte Stefan Kruber (CDU) zumindest eine Freude: „Es ist ein versöhnliches Ende des Wahltages, dass Möbel Kraft kommt“.

Auch Kämpfer freute sich, hat die Stadt die Gewerbesteuereinnahmen und die Arbeitsplätze doch bitter nötig. Detlef Hackethal, der einzige Kandidat gegen Möbel Kraft, ist enttäuscht: „Ich hatte bis zuletzt gehofft, dass die Bürger unserer Argumentation mehr folgen.“ Aber dafür, dass es ein Kampf David gegen Goliath ist, so Hackethal, sei das Ergebnis doch ganz gut. Hackethal: „Alle haben Werbung für den Konzern gemacht, angefangen von der Gewerkschaft bis hin zur Stadt. Ich wollte das Zünglein an der Waage sein, das ist mir leider nicht geglückt.“ Allerdings, da ist sich der 59-Jährige sicher, werde sich noch zeigen, dass dies ein Fehler ist. „Der Markt ist übersättigt mit den ganzen Möbelhäusern. Irgendeiner wird pleite gehen.“ Im Café Art, hier wollte die Bürgerinitiative (BI) eigentlich ihren Sieg gegen den Möbelkonzern feiern, herrschte dennoch Zufriedenheit. Ulrike Hunold von der Bürgerinitiative: „Alles über 40 Prozent ist für uns ein Erfolg – verglichen was die Stadt und Möbel Kraft insgesamt an Geld ausgegeben haben und welche Mittel wir zur Verfügung hatten.“ Ginge es nach Hunold, sollte sich bei dieser Entscheidung die Ratsversammlung ernsthaft fragen, ob dort zwei Märkte angesiedelt werden sollen. In einer kleinen Gruppe von Naturliebhabern hatte die BI seit dem letzten Sommer für den ersten Bürgerentscheid der Stadt gekämpft.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Kiel gratuliert Möbel Kraft. „Wir freuen uns über das Abstimmungsergebnis und sehen mit Freude dem baldigen Einsatz der Baumaschinen entgegen“, blickte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jörn Biel am Abend nach vorn. Ferner freue er sich für den Wirtschaftsstandort Kiel. „Diese Entscheidung ist das richtige Signal für die Landeshauptstadt!“

Nach Ansicht der IHK stand weit mehr auf dem Spiel als die Entscheidung über ein Möbelhaus: Ein Planungsstopp hätte verheerende Folgen auf Entscheidungen anderer potentieller Investoren und der Attraktivität Kiels als Wirtschaftsstandort gehabt.


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