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Entschärfung in der Landeshauptstadt : Kieler Bombe hätte detonieren können

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In Kiel ist am Mittwoch eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft worden. Viele Häuser wurden dafür evakuiert - der Verkehr wurde umgeleitet.

Kiel | Um 18.04 Uhr schallt der erste Knall über die Kieler Moorteichwiese. Der Startschuss. Die Männer des Schleswig-Holsteinischen Kampfmittelräumdienstes aus Groß Nordsee legen los. Zwei Spezialisten versuchen jetzt, zwei Zünder der amerikanischen Fliegerbombe aus dem 2. Weltkrieg zu entschärfen. 250 Kilogramm TNT in einer zehn Zentner schweren Bombe. Der stellvertretende Leiter, Georg Ocklenburg, und sein Kollege Heinz Kollath, untersuchen nun das Zündsystem. Höchste Konzentration ist gefragt.
Währenddessen ist die Stadt im Umkreis von 500 Metern wie leer gefegt. Der Fundort der Bombe unweit des Südfriedhofs ist zu dem Zeitpunkt weiträumig abgeriegelt, kein Auto auf dem ansonsten stark befahrenen Theodor-Heuss-Ring (B76) zu sehen. Das gefürchtete Verkehrschaos bleibt übrigens weitgehend aus. 25 Streifenwagen, vier Motorrad-Besatzungen und vier Fahrradstreifen der Polizei kontrollieren das Gebiet. Gut 3700 Betroffene Anwohner, darunter auch Patienten einer nahe gelegenen Klinik sowie die Bewohner eines Seniorenheims, sind unterwegs, bei Freunden oder Familie und anderen Einrichtungen wie in der zentralen Sammelstelle Theodor-Heuss-Schule untergebracht.

Splitterbombe soll in Groß Nordsee zwischengelagert werden

Dort warten Annika Weber (21) und Ann-Kathrin Kaben (20) darauf, dass die Bombe entschärft wird. Annika Weber hat zwei Frettchen in einer luftdurchlässigen Tasche mitgebracht, ihre Freundin transportiert sieben Ratten im Katzenkorb. "Ich habe Geschirr mit Leine dabei, werde die Frettchen später laufen lassen", sagt Annika Weber. Fleisch, Körner und Wasser hat sie für die Tiere mitgebracht, bleibt gelassen. Eine andere betroffene Anwohnerin gesteht, dass sie Angst hat: "Man weiß ja nicht, was einen erwartet", sagt sie.
Die Männer vom Kampfmittelräumdienst allerdings wissen, was sie tun. Die wichtigste Eigenschaft: "Ruhe bewahren, den Überblick behalten", sagt Heinz Kollath. Auch wenn man Respekt vor der Aufgabe habe - "es ist immer dieselbe Prozedur", sagt Georg Ocklenburg. Fast auf die Minute genau eine Stunde benötigen sie. Um punkt 19 Uhr schallt der zweite Knall über den Kieler Süden. Das Signal: Bombe entschärft. Am Ende liegt das wuchtige Ding wie eine Trophäe auf der Wiese. "Wir hatten etwas Probleme mit dem Kopfzünder", berichtet Ocklenburg. Und: "Sie hätte hochgehen können. Die Zündkette war erhalten." Dennoch - die Männer vom Kampfmittelräumdienst strahlen, sehen zufrieden aus. Auch Feuerwehr-Sprecher Michael Krohn bestätigt: "In den vergangenen Jahren ist in Kiel eine Professionalität im Umgang mit Bombenräumungen entstanden. Das ist alles gut durchorganisiert." Nun soll die Splitterbombe in Groß Nordsee zwischengelagert werden, bevor sie voraussichtlich in Niedersachsen zerstört wird. Wie viel Sprengstoff im Kieler Grund noch schlummert, weiß niemand. Da zuckt auch Experte Ocklenburg nur mit den Schultern.

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erstellt am 02.Aug.2013 | 09:58 Uhr

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