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Flüchtlinge in SH : Kiel: Wird die neue Erstaufnahme erst 2017 fertig?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Bau neuer Erstaufnahme-Einrichtungen in SH stockt. In Kiel rücken wohl erst im Frühjahr die Bagger an.

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2015 | 11:42 Uhr

Kiel | An den Hochschulstandorten Lübeck, Flensburg, Heide und Kiel sollten eigentlich bis Ende kommenden Jahres dauerhafte Erstaufnahmen (EAE) für Flüchtlinge entstehen. Doch die Pläne sind inzwischen teilweise überholt; die Standorte in Flensburg und Heide sind vorerst vom Tisch. Eine dauerhafte Einrichtung für Lübeck ist zwar in der Diskussion; bislang wurden aber nur die Kapazitäten im Containerdorf am Volksfestplatz auf 1500 Plätze erhöht. Und was ist mit Kiel? Für die Landeshauptstadt hält sich das Innenministerium bedeckt, verweist auf das aktuell noch laufende Ausschreibungsverfahren. „Es sind noch keine Aufträge vergeben, es gibt Verhandlungen“, sagte ein Sprecher gegenüber dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z).

In Schleswig-Holstein sollen dieses Jahr insgesamt 50.000 Flüchtlinge untergebracht werden. Das Land plant den Neubau mehrerer dauerhafter Erstaufnahmeeinrichtungen, die langfristig möglicherweise auch als Studentenwohnheime genutzt werden sollen. So lange diese Bauvorhaben aber nicht abgeschlossen sind, werden Flüchtlinge übergangsweise an anderen Orten untergebracht. 

Nahe dem Uni-Campus am Bremerskamp soll nach ursprünglicher Planung auf einem Maisfeld in Modulbauweise – das sogenannte Kieler Modell – ein Flüchtlingsdorf für 600 Asylbewerber entstehen. Das Land will das Maisfeld an einen Investor verkaufen. Die Idee hinter dem Konzept: Nach fünf bis zehn Jahren könnten die Gebäude dann umgebaut werden und als Studentenunterkünfte dienen.

Was ist das „Kieler Modell“?

Im Auftrag des Innenministeriums haben Architekten der „ARGE-SH Arbeitsgemeinschaft zeitgemäßes Bauen“ das so genannte „Kieler Modell“ entwickelt – zur freien Nutzung durch die Kommunen. Vorgesehen sind mehrgeschossige Häuser, in denen pro Ebene jeweils bis zu 24 Flüchtlinge zu zweit in 12 Quadratmeter großen Zimmern wohnen, erklärt ARGE-SH-Geschäftsführer Dietmar Walberg. Bäder und Küchen würden gemeinsam genutzt. „Darüber hinaus sind zentral gelegene Gemeinschaftsräume für Kinderbetreuung,  Religionsausübung, Veranstaltungen oder Unterricht vorhanden.“

Die Ausstattung ist schlicht, es gibt keine Balkone, Keller oder Fahrstühle, Fenster und Türen haben Einheitsgrößen. Trotzdem wird auf moderne Wärmedämmung und Schallschutz Wert gelegt, die Materialien sind frei wählbar von Holz bis Beton. Bereits ab dem zweiten gebauten Modell gebe es eine dramatische Verkürzung der Arbeitszeit von vier auf nur noch zwei Monate, so Walberg. „Jedes Haus ist ein Unikat – aber auf typisierter Basis, das macht eine Vervielfältigung so einfach. Die ganze Vorbereitung mit den Zeichnungen entfällt, bei baulichen Veränderungen muss nur die Statik neu berechnet und angepasst werden.“ Selbst beim Brandschutz  könne eine einmal gefundene Lösung die Beurteilung durch die Sachverständigen beim nächsten Bau erleichtern.  All dies spart Kosten, ein wichtiger Punkt im Konzept.

 

Die Erstaufnahmen in Schleswig-Holstein in der Übersicht:

rot = bestehende Erstaufnahmeeinrichtungen, blau= Übergangserstaufnahmeeinrichtungen, gelb = Einrichtungen in Planung

Im vergangenen Sommer hatten Vertreter von Stadt, Land und Universität den Plan erstmals vorgestellt. Alle Akteure gingen damals von einer Fertigstellung bis September 2016 aus. Wie der Leiter der Stabsstelle Erstaufnahmeeinrichtungen für Schleswig-Holstein im Innenministerium, Jan Vollmeyer, aber nun zugab, waren diese Pläne wohl doch zu knapp bemessen. Das berichtete er bei einer Ortsbeiratssitzung für den Kieler Stadtteil Suchsdorf.

Das Vergabeverfahren soll jetzt bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein, so Vollmeyer. Das bedeutet allerdings auch: Wohl erst im kommenden Frühjahr wird es mit dem Bau losgehen können. Anfang 2017 würde die dauerhafte Einrichtung dann bezugsfertig sein. Wenn denn alles nach Plan läuft. Das berichtete der stellvertretende Ortsbeirats-Vorsitzende Hans-Jürgen Lembke auf Nachfrage. Von den rund 40 Anwohnern, die aufgrund der geplanten Erstaufnahme in ihrer Nachbarschaft die Sitzung verfolgten, habe es vereinzelt Nachfragen, aber keine kritischen Äußerungen gegeben, so Lembke.

Im Sommer zeigten Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken (v.l.), Thiemo Lüeße aus dem Innenministerium sowie Uni-Sprecher Boris Pawlowski den Ort für die Einrichtung – ein Maisfeld.
Im Sommer zeigten Kiels Sozialdezernent Gerwin Stöcken (v.l.), Thiemo Lüeße aus dem Innenministerium sowie Uni-Sprecher Boris Pawlowski den Ort für die Einrichtung – ein Maisfeld. Foto: Beckwermert/Archiv
 

Im Raum steht indes bereits eine Initiative der Akteure von Land, Stadt und Universität, sollte es mit der geplanten dauerhaften Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge am Bremerskamp doch nichts werden. Dann, so hieß es, sei ein Konzept für gemeinschaftliches Wohnen in einer Unterkunft für Studenten und Asylbewerber denkbar.

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