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Alte Dame ausgeraubt : Kiel: Tiefes Schamgefühl rettet Angeklagten vor Gefängnis

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Ein junger Mann stahl einer 91-Jährigen allen Goldschmuck und sogar die Eheringe. Doch die Richterin lässt ihn mit einer Bewährungsstrafe laufen.

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2014 | 13:29 Uhr

Kiel | Seine tiefe Scham und Reue darüber, dass er eine alte Dame in ihrer Wohnung in Kronshagen bei Kiel ausraubte, hat einen vorbestraften jungen Mann am Mittwoch vor dem Gefängnis bewahrt. Das Kieler Amtsgericht verurteilte den 27-Jährigen wegen schweren Diebstahls zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten. Seinem Opfer, einer 91-jährigen gehbehinderten Dame, zahlte der Angeklagte 4000 Euro Schadenswiedergutmachung.

Es sei „erschütternd, dass man sich dazu herablässt, alte Damen anzugehen“, sagte die Richterin. „Doch wir glauben, dass die Scham über die Tat nachwirkt.“ Der junge Mann hatte sichtbar bedrückt gestanden, Ende Januar 2013 einer 91-jährigen Witwe rund 600 Euro Bargeld sowie wertvollen Goldschmuck und sogar die Eheringe gestohlen zu haben. Zuvor hatten der Angeklagte und sein bereits verurteilter Mittäter sich in demselben Haus in der Wohnung vertan und die Wohnung einer 83-jährigen dementen alten Dame durchsucht, aber nichts gefunden. Beide Frauen ließen die Männer herein, die sich als Handwerker ausgaben.

Den Schmuck der 91-Jährigen im Wert von bis zu 20.000 Euro verhökerten die beiden für rund 1500 Euro in Hamburg. Den Tipp zu dem Diebstahl hatten sie von einem Kumpel aus Hamburg, bei dem sie Schulden hatten. Der Vater eines kleinen Jungen hatte sich gleich zu Beginn der Verhandlung reuig gezeigt: „Ich weiß, dass es richtig schlimm ist, was ich getan habe“, sagte er. Die Tat habe ihm auch psychisch schwer zugesetzt. Seither nehme er keine Drogen und keinen Alkohol mehr und werde „nie wieder Straftaten begehen.“

Wie die Staatsanwältin, deren Strafantrag das Schöffengericht im Wesentlichen folgte, ging auch die Vorsitzende Richterin davon aus, dass der Angeklagte künftig straffrei bleibe. Sie ließ keinen Zweifel, dass er sonst ins Gefängnis müsse und sein Leben zerstöre. Auch der Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe gefordert.

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