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Probleme bei Ordnungsamt und Polizei? : Kiel: Sie parkte falsch – und hat jetzt zwei Autos

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Weil ihr Audi verschwand, meldete Barbara B. den Wagen als gestohlen. Ein halbes Jahr später kam dann die Rechnung fürs Abschleppen.

shz.de von
erstellt am 17.Mär.2015 | 17:28 Uhr

Kiel | Ihr Auto stand im absoluten Halteverbot, und nun hat sie zwei. Klingt lustig, ist es aber nicht. Denn Auto Nummer 1 ist abgeschleppt worden – was Besitzerin Barbara B. (35) vom Ordnungsamt der Stadt Kiel allerdings erst nach einem halben Jahr mitgeteilt worden ist. Da war als Ersatz Wagen Nummer 2 schon längst gekauft.

Von Anfang an: Am 29. August 2014 entdeckte eine Politesse den Audi A3 (Baujahr 2001) um 10.19 Uhr in der Kieler Annenstraße im absoluten Halteverbot. Sie fotografierte den Wagen und ließ ihn abschleppen. Was auch das erste war, was Barbara B. in den Sinn kam, als sie ihren Wagen nicht mehr finden konnte: „Weil ich da natürlich nie hätte parken dürfen.“ Sie ging zum 1. Revier. Bei der Polizei lag jedoch keine Abschlepp-Meldung vor. „Drei- bis viermal habe ich im Laufe des Tages noch nachgefragt, aber es war nichts vermerkt.“

Das Beweisfoto der Politesse: Der Audi im absoluten Halteverbot.
Das Beweisfoto der Politesse: Der Audi im absoluten Halteverbot. Foto: Gehm
 

Einen Diebstahl hielten die Beamten wegen des Alters des Autos für unwahrscheinlich. „Eine Polizistin hat deshalb für mich auch beim Ordnungsamt angerufen, doch auch dort wusste niemand etwas.“

Am nächsten Tag fuhr Barbara B. mit einer Freundin alle Straßen der Umgebung ab. „Wir schauten auf die Plätze, auf denen Abschlepper gerne die Wagen abstellen.“ Ohne Erfolg. Barbara B. erstattete Strafanzeige. „Die Polizei riet mir dazu, da mit älteren gestohlenen Autos oft Straftaten begangen würden.“ Vor Aufnahme der Anzeige fragten die Beamten noch einmal bei ihrer Leitstelle nach, ob der Audi bereits irgendwo aufgefallen sei. Doch der Wagen blieb verschwunden. „Mich schmerzte das sehr, weil ich viel Geld reingesteckt habe, um ihn über den Tüv zu bringen. Und im Kofferraum lagen noch meine Ikea-Einkäufe.“

Die Versicherung wartete bis zum 31. Oktober, ob der Audi nicht doch noch irgendwo auftauchen würde, erstattete dann 3050 Euro. Die Staatsanwaltschaft Kiel stellte ihre Ermittlungen am 8. Dezember 2014 ein. Und Barbara B. kaufte sich ein neues Auto, schließlich muss sie jeden Tag zur Umschulung nach Neumünster. Der kleine Opel Corsa (Baujahr 2005) macht sie nicht so glücklich wie sein Vorgänger. „Aber damit war der Stress dann endlich vorbei“ – dachte sie. Denn am 2. Februar 2015, ein halbes Jahr, nachdem der Audi verschwunden war, kam eine Rechnung über 116 Euro – der Stadt Kiel war dann doch aufgefallen, dass der Wagen abgeschleppt worden ist. Im Leistungsbescheid vermerkte das Ordnungsamt: Leider haben Personalengpässe und langwierige Software-Probleme die Bearbeitungsdauer in die Länge gezogen.

„Ich war wie vor den Kopf gestoßen“, sagt Barbara B., die sofort bei der Stadt anrief. „Ich wollte wissen, wo mein Audi steht.“ Die Sachbearbeiterin habe entgegnet: „Wieso interessiert Sie das denn erst jetzt?“ Gerne hätte Barbara B. an diesem Punkt der Geschichte gelacht. Ging aber nicht, denn nun wollte die Versicherung ihre Zahlung zurück, da der Audi gar nicht gestohlen war. Das Geld aber steckt im Corsa.

Was ist schiefgelaufen? „Das Bürger- und Ordnungsamt ist bereit und bemüht, den Sachverhalt gemeinsam mit Frau B. aufzuklären“, sagt Stadtsprecher Arne Ivers. Die wichtigste Frage dabei: Warum wussten die Behörden nicht, dass der Audi abgeschleppt wurde?

Laut Stadtsprecher sind die Abschlepp-Protokolle im Datenverarbeitungssystem der Stadt erst nach zwei Tagen sichtbar. Weil kein Autofahrer so lange warten soll, ist geregelt, dass die Abschleppunternehmer sofort die Polizei informieren. Arne Ivers: „Die Mitteilung an die Polizei über den neuen Aufenthaltsort des abgeschleppten Fahrzeugs erfolgt vertragsgemäß durch die Abschleppfirma, da nur der jeweilige Fahrer weiß und genau beschreiben kann, wo das Fahrzeug im öffentlichen Parkraum abgestellt werden konnte.“

Die Polizei teilt jedoch mit: Die Leitstelle hatte zu dem Fahrzeug keinen Vorgang. Hat vielleicht das Abschleppunternehmen geschlampt? Es ist die Firma Brandt und Chef Michael Brandt sagt: „Wir haben der Polizei sofort gemeldet, wo der Audi steht. Allerdings hatte ich schon Fälle, bei denen die Beamten die Information nur auf einem Zettel notiert haben. Im Stress wurde dann vergessen, sie ins System einzutragen.“ Die sogenannte Tagesliste mit allen abgeschleppten Fahrzeugen sei um 21 Uhr ans Ordnungsamt gefaxt worden. Brandt: „Wir haben also alles richtig gemacht.“

Auch Stadtsprecher Ivers betont: „Ein Versagen der Stadt ist von unserer Seite zu diesem Zeitpunkt nicht zu erkennen.“ Ob es ein Versäumnis bei der Polizei gab, soll nun ermittelt werden. Der Audi wurde übrigens nur einen Kilometer entfernt an einer Hauptstraße abgestellt. Dort steht er immer noch und sieht ziemlich verwittert aus.

Der Abschlepper stellte den Wagen an einer Hauptstraße ab. Dort steht er immer noch.
Der Abschlepper stellte den Wagen an einer Hauptstraße ab. Dort steht er immer noch. Foto: Gehm
 
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