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Spuren von 1972 : Kiel: Olympische Spiele prägten das Gesicht der Stadt

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Heute besucht die Segel-Auswahlkommission Kiel und Lübeck. Beide Städte kennen die Konkurrenz noch aus der Zeit vor Olympia 1972. Kiel profitierte dann stark vom Zuschlag – besonders bei der Infrastruktur.

Wer die Landeshauptstadt bewusst durchstreift, der findet zahlreiche Spuren der Olympischen Spiele. Zeugen vor allem aus Asphalt und Beton. 1972 war die Kieler Förde bekanntlich zum zweiten Mal nach 1936 Schauplatz der Segelwettbewerbe, hatte gegen den Mitbewerber Lübeck-Travemünde die Nase vorn. Auf dem Mercator-Hochhaus im Norden der Stadt leuchten die Olympischen Ringe nach wie vor weithin sichtbar. Auch der blaue Schriftzug auf dem in die Jahre gekommenen „Hotel Olympia“ in Schilksee zeugt von der Präsenz der Spiele, selbst über 40 Jahre danach. Kiel profitierte insgesamt stark, vor allem bei der Infrastruktur. Was viele etwa nicht wissen: Erst zu den Sommerspielen 1972 wurde Kiel als letzte Landeshauptstadt der Republik ans Autobahnnetz der A7 angeschlossen.

Auch die Innenstadt wurde aufgehübscht und weiter erschlossen: Kiel bekam den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB), der jetzt abgerissen und neu gebaut wird.

Für die Olympischen Spiele 1972 bekam Kiel den Omnibusbahnhof.
Für die Olympischen Spiele 1972 bekam Kiel den Omnibusbahnhof. Foto: Stadtarchiv Kiel
 

Die Bühnen erhielten ein wiederhergestelltes Opernhaus mit dem Kubus-Anbau für Proben und Werkstätten. Der Alte Markt wurde neu gestaltet, ebenso die Kiellinie als Uferpromenade. Auch der Ausbau des internationalen Jugendlagers Falckenstein gehörte zu den Vorbereitungen auf Olympia.

Und das betraf besonders Schilksee. Der Hafen, von 1962 bis 1966 ausgebaut, musste in seiner Größe verdoppelt werden, um genügend Liegeplätze anzubieten. Für den Ansturm der Besucherboote wurden in den Yachthäfen Düsternbrook, Strande, Wik, Laboe und Möltenort zusätzlich 600 Liegeplätze geschaffen. Es entstand eine zweite Hochbrücke über den Kanal. Auch B503, Fördestraße und Barkauer Kreisel gibt es erst seit 1972.

Für den damaligen Oberbürgermeister Günther Bantzer war klar: „Kiel hat seine Jahrhundertchance wahrgenommen.“ Denn die Stadt hat nicht alles allein finanzieren müssen. Die Sportanlagen kosteten 82,2 Millionen DM, die sich Bund, Land und Stadt teilten. Durch den Verkauf von Sondermünzen und die Olympia-Lotterie reduzierte sich der Kieler Anteil auf 2,2 Millionen DM. Auch an den Ausbaukosten für Theater und Rathausplatz beteiligten sich Bund und Land. Kiel hatte von den 12,8 Millionen DM nur rund ein Drittel zu tragen. 110 Millionen DM gab der Bund für den Autobahnanschluss, die neue Hochbrücke und den Ausbau der B503.

Kiel gegen Lübeck- So lief es vor dem Jahr 1972 ab: Kiel bewarb sich 1965 beim Nationalen Olympischen Komitee  um die Austragung der Segelwettbewerbe, falls  Olympia in Deutschland stattfinden würde. Im April 1966 erhielt München den Zuschlag. Fast ein Jahr dauerte es, bis der Segel-Austragungsort  entschieden war – auch Lübeck-Travemünde  hatte sich beworben. Für Travemünde sprach die vorhandene Infrastruktur. In Schilksee musste außer dem Hafen alles neu gebaut werden. Hinzu kam:  Travemünde war historisch unbelastet, im Gegensatz zu Kiel, wo Olympia 1936 mit viel Propaganda veranstaltet worden war. Negativ für Lübeck: Die Randlage zur DDR-Grenze. Der Marineeinsatz, zur Organisation der Regatten als notwendig angesehen, war riskant.  Kiel punktete mit der „Kieler Woche“-Erfahrung.   Im März 1967 fiel das Votum deutlich (15:6) für Kiel aus.


 

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erstellt am 10.Apr.2015 | 06:41 Uhr

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