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Mannheimer Energieversorger : Kiel: MVV beteiligt sich nicht an Kraftwerk-Neubau

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Rückschlag für Kraftwerks-Pläne: Der Mannheimer Energieversorger MVV will die 300-Millionen-Investition nicht mittragen. Kiels Oberbürgermeister Kämpfer sucht nach einer Lösung für den Bau eines neuen Gasheizkraftwerkes.

Kiel/Mannheim | Die Kieler Pläne für den Bau eines neuen Gasheizkraftwerkes für rund 300 Millionen Euro stehen auf der Kippe. Grund ist der überraschende Rückzug des Mannheimer Energieversorgers MVV aus dem Projekt. „Der angekündigte Ausstieg kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt mitten in der Planungsphase“, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) am Freitag. Die Entscheidung stehe im Widerspruch zu gemeinsam getroffenen Festlegungen für den Bau des Kraftwerks und bringe die Stadt in eine extrem schwierige Lage.

Zuvor hatte MVV in einem Brief an Kämpfer vom 30. April angekündigt, sich nicht an dem Bau beteiligen zu wollen. Die erforderliche Investition passe nicht in das Gesamtportfolio der Unternehmensgruppe und sei auch gegenüber der Stadt Mannheim als Mehrheitseigentümerin der MVV Energie nicht begründbar, hieß es. Zugleich kündigte das Unternehmen seine Bereitschaft an, mit der Stadt Kiel über den Rückkauf der Stadtwerke-Anteile zu verhandeln.

MVV ist seit 2001 mit 51 Prozent Mehrheitseigner der Kieler Stadtwerke. Deshalb würden die Baukosten komplett die Bilanz von MVV belasten. Wegen der Energiewende steht auch der Mannheimer Versorger wie alle großen deutschen Stromkonzerne unter Druck. Die Stadt Kiel hält nur noch 49 Prozent an den Stadtwerken.

Kämpfer will bereits am 9. Mai mit MVV sprechen, sieht angesichts der Haushaltslage und der Beobachtung durch die Kommunalaufsicht aber große Probleme für einen Anteils-Rückkauf. „Für mich ist derzeit kein Szenario erkennbar, in dem wir die kompletten Anteile von MVV zurückkaufen“, sagte er. Er schließe dies aber auch nicht kategorisch aus. Eine Variante sei eine Aufstockung von 49 auf 51 Prozent. Klar sei für ihn jedoch, dass MVV ohne Investition in ein neues Kraftwerk nicht Mehrheitseigner bleiben könne. „Nach wie vor besteht Einigkeit, dass das geplante Gasheizkraftwerk die beste Lösung für Kiel ist, um die Energieversorgung auf eine solide Grundlage zu stellen“, sagte Kämpfer. Er zeigte sich enttäuscht über die Mannheimer Entscheidung, die ihm bereits im Vorfeld in vertraulichen Gesprächen angedeutet worden sei. Noch sei MVV jedoch Mehrheitseigner, sagte Kämpfer. „Anteilseignerschaft und Investitions-Verantwortung gehen miteinander Hand in Hand.“ Er verwies auf den bis 2024 laufenden Konsortialvertrag.

Wie es nun mit dem mehr als 40 Jahre alten Gemeinschafts-Kraftwerk weitergeht, ist offen. Nach bisherigen Planungen soll es zum Oktober 2016 durch einen Neubau ersetzt werden. Sollte die Laufzeit des Kraftwerkes bis 2018 verlängert werden, drohen nach Angaben der Stadtwerke jährliche Verluste in Höhe von 18 Millionen Euro. Das Kraftwerk stellt die Versorgung von 70.000 Haushalten mit Fernwärme sicher.

Kämpfer rechnet damit, dass sich der ohnehin eng gesteckte Zeitplan durch die Entscheidung von MVV verzögern wird. Er sieht vor allem wirtschaftliche Risiken. „Im Moment sehe ich kein Szenario, wo wir uns aufgrund dieser Entscheidung akut um die Versorgungssicherheit in naher oder ferner Zukunft sorgen müssen.“ 

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erstellt am 02.Mai.2014 | 15:42 Uhr

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