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Vorwurf des sexuellen Missbrauchs seiner Töchter : Kiel: Gericht hält Familienvater für unschuldig

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Der Vorwurf lautete: Ein Vater soll sich an seinen Töchtern vergangen haben. Jetzt wurde er freigesprochen.

Kiel | Das Kieler Landgericht hat einen 39-jährigen Vater vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs seiner drei Töchter freigesprochen. Der Angeklagte erhält zudem Entschädigung für die erlittene Untersuchungshaft. „Das Gericht hat selten erlebt, dass Aussagen so durcheinander waren“, sagte der Vorsitzende Richter am Freitag.

Sagten die Mädchen im Missbrauchsprozess wirklich die Wahrheit oder wollten sie ihren Vater, der getrennt von der Mutter lebt, vor allem schwer belasten? Das musste das Jugendgericht herausfinden. Nun entschied die Kammer im Zweifel für den Angeklagten.

In den Aussagen der Mädchen habe es „in ungewöhnlichem Maße Ergänzungen, Widersprüche und Ungereimtheiten“ gegeben. „Die Unstimmigkeiten ließen sich nicht ausräumen.“ Bei der Urteilsbegründung stützte sich die Jugendkammer auch auf ein Glaubhaftigkeitsgutachten.

Aufgrund der Widersprüche, Ungereimtheiten und gravierenden Abweichungen der Aussagen der Töchter sei eine Verurteilung nicht möglich gewesen. Die Richter folgten damit dem Antrag der Verteidigung.

Die Kammer betonte, es gehe nicht darum, die heute 14 bis 17 Jahre alten Mädchen schlecht zu machen. Sie hätten „durchaus glaubwürdig gewirkt in der Hauptverhandlung“, sagte der Vorsitzende. Auch sei „weder ein Motiv zur Falschaussage noch eine Beeinflussung erkennbar gewesen“. Aber insbesondere die Konstanz der Aussagen habe gefehlt.

Mit der Spontanität der Mädchen oder ihrer Scham sei das nicht ausreichend zu erklären. Sein Urteil stützte das Gericht auch auf ein Sachverständigen-Gutachten.

Der Vater verließ nach dem Richterspruch wortlos den Gerichtssaal. Er und die Mutter lebten seit Jahren getrennt, hatten sich aber noch das Sorgerecht geteilt. Der Mann war bereits 2015 aus der Untersuchungshaft entlassen worden, nachdem die Gutachterin erhebliche Mängel in den Aussagen der Mädchen festgestellt hatte. 

Die Anklage hatte dem Mann vorgeworfen, sich in Rendsburg und Nortorf zwischen 2011 und 2014 mindestens acht Mal an den Mädchen vergangen zu haben. Nach fünftägiger weitgehend nicht öffentlicher Beweisaufnahme hielt die Staatsanwältin noch vier Fälle für erwiesen. Sie forderte deswegen fünf Jahre Haft.

Die Töchter hatten insgesamt drei Mal ausgesagt: 2014 bei der Polizei, 2015 im ersten Anlauf des Verfahrens und schließlich jetzt in der Hauptverhandlung. Sie waren Nebenklägerinnen. „Mit dem Urteil bricht für sie eine Welt zusammen“, sagte ihre Rechtsanwältin Judith Borst. Sie würden „jeden Glauben an die Rechtsordnung verlieren“.„Das Urteil mag rechtlich richtig gewesen sein, vom tatsächlichen Geschehen aber nicht.“ Sie hatte für jedes Mädchen 12.000 Euro Schmerzensgeld gefordert. Diese Ansprüche lehnte das Gericht ab.

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erstellt am 04.Mär.2016 | 12:10 Uhr

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