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Neues Minarett : Kiel-Gaarden: Mittags ruft künftig der Muezzin

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gegenüber dem HDW-Haupteingang entsteht ein 24 Meter hohes Minarett. Bereits im Spätherbst soll der Turm eingeweiht werden. Einmal am Tag, immer gegen 13.30 Uhr, wird dann für drei Minuten der Sprechgesang zu hören sein.

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2015 | 15:30 Uhr

Kiel | Wie sich die Zeiten ändern: Früher gab die in ganz Gaarden hörbare Werkssirene das Signal für den Schichtwechsel bei HDW. Künftig wird ein Muezzin direkt gegenüber dem Haupteingang der Werft jeden Mittag gegen 13.30 Uhr Verse aus dem Koran vortragen. Das Minarett neben der Moschee des Türkisch-Islamischen Kultur-Vereins Diyanet ist bereits im Rohbau fertiggestellt, voraussichtlich im Spätherbst wird der 24 Meter hohe Bau eröffnet.

Nach dem (deutlich kleineren) Gebetsturm am Güterbahnhof ist es der zweite Neubau eines Minaretts in der Landeshauptstadt, wie der Architekt Ümit Karaarslan erklärt. Etwa 100.000 Euro kostet das Projekt, das Geld stammt aus den Spenden der 1600 Mitglieder im Kieler Kulturverein und sogar aus bundesweiten Sammlungen. In besonderen Veranstaltungen haben Karaarslan und die Vereinsverantwortlichen die Bevölkerung über das Projekt aufgeklärt und für religiöse Toleranz geworben.

In islamischen Ländern ruft der Muezzin traditionell von frühmorgens bis spätabends fünf Mal täglich zum Gebet. Für Gaarden war ursprünglich von einem einzigen Auftritt nur am Freitag die Rede, in der aktuellen Genehmigung ist jedoch ein dreiminütiger Sprechgesang an jedem Mittag genehmigt. Allerdings darf die Verstärker-Lautstärke 54 Dezibel nicht überschreiten. „Das werden wir genau messen“, verspricht Karaarslan und fügt hinzu: „Die Stimme des Muezzin wird die Anwohner in der Nachbarschaft kaum stören sein. Der Verkehrslärm auf der Werftstraße ist lauter.“

Die Moschee hat der Kultur-Verein bereits vor Jahren in einer umgebauten Gewerbehalle eingerichtet. Sie fasst etwa 1000 Gäste: Oben sitzen die Frauen, unten die Männer. Mit dem Minarett erhält die Anlage die seit langem erhoffte Vervollständigung. Der Turm steht auf verstärkten Fundamenten, eine Spindeltreppe führt ganz nach oben. Das Dach mit dem typisch türkisch-osmanischen Kegel wird mit glänzendem Aluminium beschichtet, der Turm selbst im unteren Teil mit Steinen und darüber mit weißen Riemchen verkleidet. Das Minarett wird in der Kieler Sonne leuchten, stärker wahrscheinlich als eine verputzte Fassade.

Turgay Uzunal hat Erfahrung mit dem Bau von Minaretten. Schon in Berlin hat der türkische Bauleiter einen Rundling hochgezogen. Solange die Innentreppe noch fehlt, klettern er und seine Handwerker in Gaarden jeden Tag das Außengerüst empor. Sie bereiten das Anflanschen der beiden Rundbalkone vor, die sich bislang nur erahnen lassen. Doch Karaarslan hat sehr genaue Vorstellungen: „Das ist für die Optik. Damit es schön aussieht.“  

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