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Aktion „Quer Beet“ : Kiel: Die Stadt entdeckt urbanes Gärtnern

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwischen Kleingarten und neuen Formen städtischen Grüns: Verwaltung und Initiativen der alten Muthesius Kunsthochschule luden zu gemeinsamer Messe und Ideenaustausch.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2015 | 06:12 Uhr

Kiel | Großstädte machen es vor: Ob in New York oder Berlin – da wird auf Dächern Kohlrabi angebaut oder in Industriebrachen der Samen von Ringelblumen in Nischen platziert. Auch in Kiel ist die Lust zum Gärtnern auf öffentlichen Flächen schon gewachsen und gediehen. Im Jahr 2012 legten Umweltschützer in Pionierarbeit am Dreiecksplatz das erste „öffentliche“ Gemüsebeet an. Inzwischen gibt es nach Angaben der Stadt ein gutes Dutzend weiterer Urban Gardening-Projekte. Doch wie soll das städtische Grün neben Parks weiterentwickelt werden? Dass es viel Spielraum zwischen Kleingärten und neuen Formen des Gärtnerns gibt, ist der Verwaltung bewusst. Dass da auch mal Welten aufeinander prallen, ebenso. Um einen Blick über den „Gartenrand“ zu fördern, lud die Stadt Sonntag zusammen mit den Akteuren der „Alten Mu“ – der alten Muthesius Kunsthochschule – zu einer „grünen Messe ein“.

Auf dem „Mu“-Gelände haben sich erstmals nicht nur die dort angesiedelten Initiativen, Büros, Werkstätten, Ateliers und Startup-Unternehmen präsentiert, sondern auch andere Projekte oder Vereine ihre Arbeit vorgestellt. Bunte große Lettern empfingen die Besucher nahe des Kleinen Kiels: „Quer Beet“ stand dort geschrieben – so hat das „Mu“-Team den Tag betitelt. An einem Ideenpfad entlang konnten Anregungen aufgeschrieben werden, es gab Vorträge. Am Flachsstand erklärte der Segeberger Egon Heger, was es mit dem „Hecheln“ auf sich hat und zeigte Fasern, die aus Brennnesseln entwickelt werden – als möglicher Alternative zur Baumwolle. Die Gärtner vom etablierten Verein Kollhorst berichteten von ihren Projekten mit Schülern oder auch Hartz-IV-Empfängern, die jungen Macher vom Verein Willkommensgarten wiederum von ihrer Idee, über die Gartenarbeit mit Flüchtlingen den gegenseitigen Austausch und die Integration zu befeuern.

Wimpelketten nähen, kleine Hochbeete bauen oder Seedbombs (Saatkugeln) aus Erde, Tonerde, Wasser und Pflanzensamen kneten: Für große und kleine Besucher bot die Messe reichlich Mitmach-Aktionen und Inspiration.

Es könnte an der Leidenschaft der „Mu“-Macher liegen. Auf dem Gelände der Hochschule ist eine Art Biotop für die Ideen kreativer Studenten entstanden. Für „Quer Beet“ haben die Mitstreiter mit Paletten und anderen Hilfsmitteln einen vertikalen Garten an der Hauswand sowie ein Kräuterbeet angelegt. „Das läuft hier sehr dynamisch“, sagte Anne-Lena Cordts. Einer zeige Initiative, und dann kämen die anderen mit viel Motivation und den verschiedensten Fähigkeiten zusammen und kreierten etwas Neues – „das geht sehr schnell“, so Anne-Lena, die an der neuen Muthesius Hochschule studiert und in der alten „Mu“ das Büro „Raumstation“ mitbetreibt. Dort entwickeln sie Installationen für den öffentlichen Raum.

Doch nicht jedem Gast gefiel die quietschbunte, alternativ und ökologisch angehauchte Szene. Für einige Besucher, die zum ersten Mal dort waren, wirkte die Aktion zu unorganisiert. In der „Alten Mu“ geht es zudem inzwischen oft so lebhaft zu, dass Anwohner sich bereits über laute Partys und zu viel Müll beschwert haben. Doch die Akteure schlagen versöhnliche Töne an: „Ja, hier werden auch laute Partys gefeiert“, gibt Feliks Todtmann (27), Politikstudent und Mitbetreiber des dort angesiedelten Siebdruckkollektivs, zu. „Aber wir wollen das im Rahmen halten und achten auf die Anwohner.“



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