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Brandserie : Kiel: Das Ostufer sucht einen Brandstifter

vom
Aus der Onlineredaktion

Seit zwei Monaten brennt es immer wieder in der Landeshauptstadt. shz.de zeigt die Feuer auf einer interkativen Karte.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2015 | 12:53 Uhr

Kiel | Fragen gibt es zuhauf: Liegen schon Hinweise auf den Täter vor? Ist womöglich eine kleine Bande verantwortlich für die Brandserie auf dem Kieler Ostufer? Hilft die ausgesetzte Belohnung von 5000 Euro bei den Ermittlungen? Doch an Spekulationen mochten sich Polizei und Feuerwehr nicht beteiligen. Sie nutzten vielmehr den Wochenmarkt auf dem Vinetaplatz in Gaarden, um die Bevölkerung mit Flugblättern auf Deutsch und Türkisch aufzuklären und zu sensibilisieren. Ergebnis: Schon mit einfachen Mitteln lässt sich das Risiko verringern, dass es im eigenen Keller zu brennen beginnt.

Dazu gehört, vor allem in den dunklen Stunden darauf zu achten, dass die Haustüren stets abgeschlossen sind und auch die Zugänge zu den Hinterhöfen für Fremde versperrt sind. Zudem sollten die Kellerfenster geschlossen sein, damit keine brennenden Gegenstände von außen eingeworfen werden können. Und schließlich dürfen auf keinen Fall leicht brennbare Sachen im Treppenhaus stehen.

Matthias Arends von der Pressestelle der Kieler Polizeidirektion hat weitere praktische Tipps parat, falls ein Unbekannter an der Haustür klingelt. „Der Zeitungsbote kommt nicht abends um 23 Uhr, und der Pizzabote meldet sich auch nur dort, wo er seine Ware abgeben will.“ Arends empfiehlt den Menschen auf der Ostseite der Förde außerdem, verdächtige Beobachtungen sofort zu melden und sich auch nicht zu scheuen, den Notruf 110 zu betätigen.

Spätestens um 22 Uhr wird abgeschlossen – Elli Arp (75) und Ewald Boch (78) achten darauf, dass kein Unbekannter Zutritt zum Wohnhaus erhält.
Spätestens um 22 Uhr wird abgeschlossen – Elli Arp (75) und Ewald Boch (78) achten darauf, dass kein Unbekannter Zutritt zum Wohnhaus erhält. Foto: Carstens
 

Für Horst Rathsack, der seit über einem halben Jahrhundert in Nachbarschaft der Schwimmhalle wohnt, sind diese Ratschläge eine Selbstverständlichkeit. „Ab 22 Uhr wird abgeschlossen“, erklärt der 78-Jährige. „Die Täter sind schlau“, vermuten Elli Arp (75) und Ewald Boch (78). In ihrem Wohnhaus wurden deshalb extra neue Zylinder in die Schlösser der Türen eingebaut. Jetzt schafft es niemand mehr ohne Kontrolle in den Hausflur. Monika Camargo aus dem Kirchenweg hat selbst schon einen Brand in der Nachbarschaft miterlebt. Seitdem achtet sie noch stärker darauf, dass im Acht-Familien-Haus die Türen stets verschlossen sind. „Ich hoffe, die Täter werden bald gefasst“, erklärt die aufgeschreckte Ostufer-Bewohnerin. Sicher fühlt sich dagegen Ilse Bertram aus dem Nachbar-Stadtteil Elmschenhagen, die regelmäßig den Wochenmarkt auf dem Vineplatz besucht. Sie wundert sich allerdings darüber, dass es angesichts der langen Brandserie bislang keine heiße Spur zum Täter gibt.

Ohne spezielle Fluchtmasken, wie sie Michael Krohn von der Berufsfeuerwehr in Händen hält, ist die Passage durch das verqualmte Treppenhaus lebensgefährlich. Im Fall der Fälle sollten die Bewohner deshalb in ihrer Wohnung bleiben und auf die Feuerwehr warten.
Ohne spezielle Fluchtmasken, wie sie Michael Krohn von der Berufsfeuerwehr in Händen hält, ist die Passage durch das verqualmte Treppenhaus lebensgefährlich. Im Fall der Fälle sollten die Bewohner deshalb in ihrer Wohnung bleiben und auf die Feuerwehr warten. Foto: Carstens
 

„Die Menschen sind sehr aufgeschlossen“, haben Carolin Gutsche und Lasse Gläser vom Gaardener Polizeirevier beim Verteilen der Flugblätter festgestellt. Auch die drei Berufsfeuerwehr-Männer Ulrich Hackenberg, Michael Krohn und Jens Petersen waren auf dem Vinetaplatz gefragte Ansprechpartner. Sie wiesen auf die lebensrettende Bedeutung der Rauchmelder hin und gaben den Gaardenern zudem Ratschläge für den Fall der Fälle: „Auf keinen Fall durch das verqualmte Treppenhaus flüchten. Lieber in der Wohnung bleiben und Türritzen mit feuchten Handtüchern verschließen. Vom Fenster aus lautstark Hilfe anfordern.“ Jeder Feuerwehrmann hat Fluchtmasken dabei – und damit ist eine gefahrlose Passage durchs giftig-verräucherte Treppenhaus möglich.

Wie wichtig das ist, sollte sich noch am gleichen Abend zeigen. In der Nacht zum Sonntag musste die Feuerwehr zu einem Feuer in Dietrichsdorf ausrücken. Im Keller eines Mehrfamilienhauses standen mehrere Gegenstände in Flammen. Das Feuer wurde schnell gelöscht. Verletzt wurde niemand, acht Bewohner wurden noch vor Ort vorsorglich untersucht. Die Feuerwehr belüftete das stark verqualmte Treppenhaus. 40 Aktive waren anderthalb Stunden im Einsatz.

shz.de zeigt die Feuer der vergangenen Wochen auf einer Karte:

Die tatsächlichen Tatorte können von den Markierungen abweichen. Die Angaben basieren auf den Straßennamen, die von der Polizei veröffentlicht wurden.

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