Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften : Kiel: Das große Aufräumen nach dem Brand

Die Chefin der Buchbinderei, Elke Schnee (r.), zeigt Wissenschaftsministerin Kristin Alheit (l.) und Direktor Prof. Klaus Tochtermann, wie ihre Kolleginnen und Kolllegen mit Löschblättern die Zeitungsseiten trocknen –links im Bild zu sehen.
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Die Chefin der Buchbinderei, Elke Schnee (r.), zeigt Wissenschaftsministerin Kristin Alheit (l.) und Direktor Prof. Klaus Tochtermann, wie ihre Kolleginnen und Kolllegen mit Löschblättern die Zeitungsseiten trocknen –links im Bild zu sehen.

Ein technischer Defekt löste das Feuer in der Kieler Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften aus. Bis Freitag bleibt sie geschlossen. 90 Zeitungsbände wurden von Löschwasser durchnässt und werden repariert.

shz.de von
27. Mai 2015, 06:30 Uhr

Kiel | Alle zwanzig Minuten wird gewechselt. Dann müssen die vollgesogenen Löschblätter raus, trocknen – und neue Blätter zwischen die durchnässten Zeitungsseiten gelegt werden. Elke Schnee und ihr Buchbinderei-Team aus zehn Mitarbeitern versuchen momentan, 90 Bände internationaler Wirtschafts-Zeitungen aus den 1930er Jahren zu retten. Ausgaben wie das „Pester Lloyd Morgenblatt“ aus dem Januar 1932 aus Budapest liegen verstreut auf allen freien Flächen in der Buchbinderei der Kieler Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW). Tausende Bögen Löschpapier aus dickem gelben Karton liegen bereit. „Das können wir gerade noch leisten“, sagt die Chefin, die so einen Schaden als „meinen Albtraum“ bezeichnet. Das Team wird wohl noch heute und morgen damit beschäftigt sein.

Die mühsame Rettungsaktion ist Teil der Aufräumarbeiten nach dem Brand am Pfingstmontag (wir berichteten). Durch einen technischen Defekt war ein Batterieblock im Keller des ZBW-Gebäudes an der Kiellinie in Brand geraten. Ausgerechnet in der Anlage, die Gebäude und IT-Abteilung bei einem Stromausfall mit Strom versorgt. Bei dem Brand verteilte sich nicht nur dicker giftiger Qualm auf mehreren Etagen – das Löschwasser durchtränkte eben auch jene 90 alten Zeitungsbände. In einer Krisensitzung entschied Direktor Prof. Klaus Tochtermann, die Bibliothek und deren Zweitsitz in Hamburg vorübergehend bis einschließlich Freitag zu schließen. Denn das Feuer hat zwar vergleichsweise wenig Gedrucktes zerstört – in der ZBW werden rund 2,5 Millionen Publikationen aufbewahrt. Doch die gesamte IT ist außer Betrieb, weil zur Sicherheit die Stromversorgung der IT gekappt werden musste. Das legt den Internetauftritt der ZBW samt Nutzerprogrammen lahm. Die mehr als 10  000 Nutzer weltweit können nun weder recherchieren noch ausgeliehene Bücher verlängern. Auch der Hamburger Standort ist betroffen. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Computer- und Serversysteme wieder in Betrieb nehmen zu können“, so Tochtermann. Mitarbeiter und die Nutzer werden nun über soziale Netzwerke auf dem Laufenden gehalten. Noch bis einschließlich heute gilt für die 130 Kieler Mitarbeiter „Zwangsurlaub“.

Wissenschaftsministerin Kristin Alheit verschaffte sich gestern einen Eindruck von den Schäden und dankte den Mitarbeitern für deren Einsatz. Nur mit Atemschutzmaske konnte sie den Keller betreten – zu groß noch das Risiko giftiger Dämpfe in der Luft. Alheit: „Alle Maßnahmen scheinen zu funktionieren und die Server können Mittwoch voraussichtlich wieder ans Netz gehen. Die ZBW ist eine Vorzeige-Bibliothek und soll es auch bleiben.“ 2014 wurde sie als Bibliothek des Jahres ausgezeichnet.

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