„Babyscheine“ in Diskotheken : Kiel: Clubs schließen Bündnis für Jugendschutz

Partyvolk bei einer Veranstaltung im Kieler „Max“.
Partyvolk bei einer Veranstaltung im Kieler „Max“.

Kieler Gastronomen und Veranstalter wollen an einem Strang ziehen: Es soll keine „Babyscheine“ mehr bei Partys geben. In Zukunft sollen sich Minder- und Volljährige also nicht mehr in den Diskotheken vermischen können.

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06. Dezember 2014, 18:14 Uhr

Kiel | Kiel zieht mit seiner bunten Diskoszene besonders Schüler an. Immer wieder versuchen Minderjährige, an den Wochenenden in die Clubs zu kommen. Das Jugendschutzgesetz setzt dem bekanntlich Grenzen. Es lässt aber auch Lücken. 19-Jährige, die als erwachsene Aufpasser 17-Jährige nach Mitternacht in die Diskothek schleusen, sind möglich. Nach dem Willen von zehn Gastronomen und Partyveranstaltern der Landeshauptstadt soll es die gesetzlich erlaubte Praxis der Personenfürsorgeübertragung („Babyscheine“) in Kiel nicht mehr geben – nur eine von mehreren Regelungen einer neuen „Kieler Erklärung zum Jugendschutz“. Jetzt unterzeichneten die Feier-Experten als „breite Front“ die Selbstverpflichtung. Wohlwollend begleiten Polizei und Stadtverwaltung die Initiative.

Bei gedimmtem Lounge-Licht im „Max Nachtheater“ erklären Henning Puls („Max“) und seine Mitstreiter am Freitag die Hintergründe dieses Statements. „Monate lang haben wir uns über den Jugendschutz am Runden Tisch ausgetauscht“, so Puls. Auch, weil das Kieler Ordnungsamt an sie herangetreten war. Obwohl das Jugendschutzgesetz eingehalten werde – „alle waren sich einig, dass es Probleme mit der Handhabung gibt“, ergänzt Adalbert Schwede von der „Pumpe“. Eine der Fragen: Wie lässt man Veranstaltungen nach Mitternacht weiterlaufen und gewährleistet gleichzeitig, dass alle Minderjährigen den Club verlassen? Ein Versuch, die Altersgruppen durch verschiedenfarbige Armbändchen zu trennen, sei gescheitert, so Schwede: „Die haben die Bändchen auf der Toilette getauscht oder verkauft.“

Die Konsequenz: Alterskontrollen beim Alkoholausschank auch in Zweifelsfällen, kein Zutritt für Minderjährige zu Partys – mit Ausnahme von Sonderveranstaltungen für Jugendliche. Und keine Akzeptanz erwähnter „Babyscheine“. Den Eltern gegenüber soll das ein klares Zeichen sein: „Sie sollen sicher sein können, dass die Kinder um Zwölf nach Hause gehen“, sagt Puls.

„Feiern will gelernt sein“, sagt Janina Bull vom Ordnungsamt, die wie Stefan Simon vom Amt für Kinder- und Jugendeinrichtungen und Polizeioberrat Stefan Kunkat von der Polizeidirektion Kiel den Vorstoß begrüßt. „In Kiel sind wir gut davor“, lautet die Einschätzung aus polizeilicher Sicht.

Doch nicht alle Gastronomen der Landeshauptstadt beteiligen sich an der Vereinbarung. Auch eine bekannte Großdiskothek im benachbarten Schwentinental fehlt. „Das Umland zieht nicht mit“, kritisiert Puls, der sich durch die Einheitlichkeit mehr Planungssicherheit, Rückgrat bei Verhandlungen mit Organisatoren etwa von Abipartys und ein faires Miteinander im Wettbewerb verspricht. Denn: „Es herrscht ein unglaublicher Druck von Minderjährigen an der Tür.“ Partyveranstalter könnten sich in Zukunft an solche Clubs wenden, in denen der Jugendschutz nicht so konsequent umgesetzt wird, so die Sorge der Gastronomen. Alle Unterzeichner hoffen, dass diese Kieler Erklärung Kreise ziehen wird.

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