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Keine Tier-Geschenke aus dem Heim

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Liebloser Umgang mit Hund, Katze & Co.: Kieler Tierheim stellt Vermittlung über Feiertage für zwei Wochen ein

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 06:53 Uhr

„Ein Doggenwelpe unterm Weihnachtsbaum?“ oder: „Glückliche Weihnachtskätzchen zu verschenken!“ So oder ähnlich lauten viele Überschriften von Kleinanzeigen im Internet in der Vorweihnachtszeit. Niedliche Hundekinder und süße Hamsterbabys finden dann ein neues Zuhause, allerdings oft nicht für lange Zeit. Noch ehe sie sich einleben können, müssen sie ein oder zwei Monate später erneut umziehen – ins Tierheim. Schlimmer noch: Sie werden einfach ausgesetzt.

Die Freude ist groß, wenn der lang ersehnte Wunsch endlich erfüllt ist und die Augen des ersten eigenen Haustieres durch die Nadeln des Weihnachtsbaums blinzeln. Doch sowie die Anfangsbegeisterung abklingt, machen sich die aus menschlicher Sicht unschönen Seiten eines Tieres bemerkbar: Es macht Dreck, ist laut und nimmt viel Zeit in Anspruch. „Hundewelpen werden schnell größer und sind vielleicht doch nicht so kinderlieb, wie ursprünglich gedacht. Das ist den Leuten oft erst hinterher bewusst“, sagt Maren, 24 Jahre alt und Tierpflegerin im Kieler Tierheim Uhlenkrog.

Von dem weihnachtlichen Missbrauch sind hauptsächlich Kleintiere und Katzen betroffen. Sie würden oft als „Fundtiere“ später wieder im Tierheim abgegeben, denn der Verkäufer nehme diese selten zurück, berichtet die Tierpflegerin. Viele Tiere würden einfach ausgesetzt – nur wenige Leute würden zugeben, dass sie mit der Haltung überfordert sind. Eine Gebühr, die bei Abgabe eines Tieres im Tierheim geleistet werden muss, um den Kosten für Chips, Impfungen oder Kastration etwas entgegenzukommen, hält einige zusätzlich davon ab, ihr Tier ehrlich abzugeben. Für Fundtiere entfällt die Abgabegebühr, weshalb ungeliebte Haustiere oft fälschlicherweise als solche deklariert werden, so Tierpflegerin Maren.

Aus diesem Grund wird die Tiervermittlung über Weihnachten für zwei Wochen eingestellt. Kunden, die sich dennoch um diese Zeit Familienzuwachs wünschen, können sich die Tiere im Heim ansehen, reservieren lassen und nach den Feiertagen abholen. „Zwischen den Jahren kommen oft ganze Familien, um sich ihre eventuell zukünftigen Schützlinge anzusehen“, sagt Elisabeth Haase, Leiterin des Tierheims Uhlenkrog. „Von uns wird im Vorfeld sorgfältig geprüft, ob Tier und neue Heimat zusammenpassen.“

Insgesamt gehen Haases Angaben zufolge die Zahlen der Tiere, die an Weihnachten verschenkt werden, allerdings zurück. Das sei vor Allem der Öffentlichkeitsarbeit, die auch von den vielen Ehrenamtlichen des Tierheims übernommen wird, zu verdanken, sagt die Tierheim-Chefin. Infostände, Zeitungsartikel und Flugblätter trügen zur Aufklärung der Menschen und deren Umgang mit Tieren bei. Dass jene kleinen Geschöpfe keine weihnachtlichen Konsumwaren sind, finde dann den Weg ins öffentliche Bewusstsein.

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