Besuch im IPN : „Keine Qualität in der Erziehung ohne die Qualität des Lehrers“

Versuch für die Oberstufe: Birgit Heyduck (r.) erklärt Anja Karliczek (l.) und Karin Prien die sogenannte Gel-Elektrophorese – damit kann DNA im Schnelltest untersucht werden.
Versuch für die Oberstufe: Birgit Heyduck (r.) erklärt Anja Karliczek (l.) und Karin Prien die sogenannte Gel-Elektrophorese – damit kann DNA im Schnelltest untersucht werden.

Was macht man, wenn sich hoher Polit-Besuch aus Berlin angesagt hat? Man zeigt, was man hat und was man kann! Nach dieser Devise verfuhr gestern das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften Mathematik (IPN).

shz.de von
31. Juli 2018, 18:21 Uhr

Anja Karliczek und Karin Prien klopften gestern an die Tür des IPN. Bundesbildungsministerin die eine, Landesbildungsministerin die andere.

Das IPN hat seit Jahren keine Visite mehr aus Berlin erlebt, also war man ein wenig aufgeregt angesichts der prominenten Gäste. Bent Hinrichsen und Ilka Parchmann erklärten den beiden Ministerinnen die Aufgabe ihres Institutes: die Verbindung von Theorie und Praxis, die Entwicklung von Lernmethoden, die Begleitung der Lehrer bei ihrem naturwissenschaftlichen Unterricht und überhaupt die Förderung des menschlichen „Entdeckerdrangs“.

Quasi im Schnelldurchgang machten die IPN-Mitarbeiter die Politikerinnen dann mit den neuen Ergebnissen zu der Frage bekannt, was eigentlich den guten Lehrer auszeichnet. Nach den Worten von Uta Klusmann (Abteilung Erziehungswissenschaft) ist es nämlich weniger die Berufserfahrung, das Geschlecht oder die Persönlichkeit. Vorrangig sind nach ihren Worten der Enthusiasmus der Lehrer, ihre pädagogischen Fähigkeiten im Umgang mit (schwierigen) Schülern und ihre fachliche Kompetenz.

Beispiel gefällig? Warum ist in der Mathematik minus eins mal minus eins plus eins?, fragt der neugierige Nachwuchs. Darauf gebe es durchaus verschiedene Antworten, aber „Das ist einfach so“ sei auf jeden Fall die falsche. Dieses Ausweichmanöver des Lehrers helfe dem Schüler kein Stück weiter. Das Motto lautet deshalb: „Es gibt keine Qualität in der Erziehung ohne die Qualität des Lehrers.“

Aiso Heinze (Didaktik der Mathematik) stellte eine Untersuchung über die Qualität von Mathe-Schulbüchern vor – gemessen am Lernerfolg in der Grundschule. Und tatsächlich: Eine Reihe unter den vier hauptsächlich in Schleswig-Holstein genutzten Lehrbüchern fiel glattweg durch. Die Rechenfähigkeiten der Schüler, die mit diesem Buch lernten, waren in allen Jahrgängen deutlich schlechter als bei den drei anderen Werken. Der betroffene Verlag, mit den Ergebnissen konfrontiert, hat Besserung angekündigt.

Am Schluss durften Anja Karliczek und Karin Prien der Laborleiterin Birgit Heyduck zur Hand gehen. In einem Schnellversuch, der im Biologie-Unterricht der Oberstufe Eingang findet. Mit Pipette, gefärbten Stoffen und elektrischer Polung lässt sich – sichtbar fürs menschliche Auge – erkennen, ob DNA-Abschnitte zusätzliche unerwünschte Gene tragen. Erkenntnis der beiden Ministerinnen: So spannend kann Unterricht sein.

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