Olympia in Schilksee : Keine Blechlawinen mehr auf der Promenade

Kritische Augenpaare: Die vier Schilkseer (von links) Ilka und Marjan Szenfeld sowie Gertraud und Christian Schöner gebutachten das Modell für das künftige Aussehen des Olympia-Standortes.
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Kritische Augenpaare: Die vier Schilkseer (von links) Ilka und Marjan Szenfeld sowie Gertraud und Christian Schöner gebutachten das Modell für das künftige Aussehen des Olympia-Standortes.

Das Konzept für den künftigen Olympia-Standort Schilksee steht. Die Steinmolen werden begehbar, der Hafenplatz wird autofrei. So stellen sich jedenfalls die Stadt und das Architektenbüro eine Nutzung vor, die dem Stadtteil dauerhafte Attraktivität garantiert.

shz.de von
26. Juli 2015, 14:04 Uhr

Die Pläne für das neue künftige Olympiazentrum Schilksee werden konkreter. Am Freitagabend stellte die Stadt gemeinsam mit dem Architektenbüro Behnisch in der Rathaus-Rotunde ihr Konzept vor. Wesentliche Elemente: Hafenvorplatz und Promenade in Schilksee sollen autofrei werden, Bootseigner müssen ihre Fahrzeuge nach dem Be- und Entladen in der Parkgarage abstellen. Und die langen steinernen Molen, die als Küstenschutz vor dem Strand liegen, sollen begehbar werden. Auf den Stufen können sich dann Segelsportfreunde niederlassen und quasi „mit den Füßen im Wasser“ die olympischen Regatten verfolgen.

„Es wäre schön, wenn man ganz nach vorne laufen kann“, betont Stefan Behnisch. Er plädiert überhaupt für eine „offenen Architektur“, die sich von „geschlossenen Architektur“ in Schilksee anno 1972 unterscheiden soll. Auch der geplante mehrstöckige „Segel-Campus“ direkt am Wasser soll nach seinen Worten nicht wie ein fremder Klotz wirken, sondern sich mit seinen gläsernen Fassaden luftig und einladend geben.

Die Behnisch-Gruppe mit ihrem Hauptsitz in München kann auf lange Erfahrungen im Olympia-Bau verweisen. Der (2010 verstorbene) Seniorchef Günter Behnisch hatte sich schon 1972 einen Namen gemacht, er entwarf unter anderem das Olympiagelände und das Olympiastadion mit dem eigenwilligen „schwebenden Dach“ in der bayerischen Landeshauptstadt.

Falls die Bewerbergemeinschaft Hamburg/Kiel den Zuschlag für Olympia 2012 erhält, soll Schilksee nördlich der alten Anlage ein neues Hotel erhalten – und gleich dahinter wird das Olympische Dorf mit seinen zahlreichen Häuschen entstehen. Dieses Konzept beruhigte das Schilkseer Ehepaar Ilka und Marjan Szenfeld. Hatte man doch vorher die Befürchtung, dass ein wertvolles Biotop geopfert werden müsste.

Der Kieler Bau-Dezernent Peter Todeskino erwartet, dass die Promenade lebendiger wird. „Zurzeit schauen die Autos aufs Wasser, und die Menschen schauen auf die Autos. Das muss sich ändern.“ Nur so könne der Tourismus überhaupt gestärkt werden, nur so könne eine sinnvolle Nachnutzung der Olympiabauten gesichert werden, denn: „Es macht keinen Spaß, auf einem Parkplatz spazieren zu gehen.“ Die sportliche Ausstattung in Schilksee gilt als völlig ausreichend. Der Bootshafen ist groß genug, auch die Slipanlage ist für den Ansturm gerüstet.

Bei der Fragestunde in der Rotunde befürchtete ein Teilnehmer, dass begehbare Steinmolen ihre Bedeutung als Wellenbrecher und Küstenschutz einbüßen könnten. Wie die Wege und Treppchen befestigt werden sollen, wurde nicht ergeklärt. Auch die Kostenfrage für das Großprojekt Schilksee ist noch offen. Allerdings soll bis zum Bürgerentscheid am 29. November der Finanzrahmen stehen, versprach Todeskino.

Am Ja der Bevölkerung hegte am Freitagabend niemand Zweifel. Ein Zuhörer hatte in einer privaten Umfrage im Bekannten- und Freundeskreis mindestens 70 Prozent Zustimmung zu Olympia 2024 ausgemacht. Ganz im Gegensatz zu einem anderen städtischen Millionenprojekt, wie er sagte: „90 Prozent sind gegen den Kiel-Kanal in der Innenstadt.“

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