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Konzert von Echo-Gewinnern : „Kein (Park)Platz für Nationalismus“: Demo gegen „Freiwild“ in Kiel

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Am Samstag gibt die Südtiroler Rockband „Freiwild“ ein umstrittenes Konzert in der Sparkassen-Arena in Kiel. Initiativen gegen Rechts rufen zu Kundgebungen, Demonstrationen und alternativen Kulturveranstaltungen auf.

Kiel | Das Konzert der Echo-Gewinner „Freiwild“ wird trotz Proteste im Vorfeld wie geplant am Samstag stattfinden. Jedoch nicht ohne Gegenwind - für den Tag sind Kundgebungen und alternative Kulturveranstaltungen geplant, die sich gegen die volkstümliche Band richten.

Die Linken-Ratsfraktion stellte in der Ratsversammlung im März einen Antrag auf Missbilligung des Auftrittes der Band. Dieser Antrag scheiterte jedoch. Laut Landeskriminalamt in Kiel hat der Verfassungsschutz die Gruppe nicht als „rechtsextrem eingestuft“.   

Die Initiative „Runder Tisch gegen Faschismus und Rassismus“ ruft bereits ab Mittag zu einer Kundgebung in der Holstenstraße auf Höhe des Europaplatzes auf. Unter dem Motto „Für ein freiwildfreies Kiel! Für Vielfalt und offene Grenzen!“ wird es auf dem Platz vor der Sparkassen-Arena von zwölf bis 15 Uhr darum gehen „die Kieler Bevölkerung über die Band zu informieren und dem gruseligen Treiben von Freiwild die Vision einer grenzenlosen, gerechten und vielfältigen Welt entgegensetzen.“

Weitere Kundgebungen und eine Demonstration sind für den Abend geplant. Ab 18 Uhr hat ein Bündnis aus AStA und Partei- und Gewerkschaftsjugenden (bestehend aus SJD – Die Falken SH, Juso-Hochschulgruppe Uni Kiel, linksjugend 'solid Kiel, Campus Grüne Kiel, verdi-Jugend Kiel-Plön, AWO-Jugendwerk SH, Jusos Kiel, AStA der Uni Kiel, Grüne Jugend Kiel und SDAJ Kiel) eine Demonstration rund um den Exerzierplatz angekündigt. Der Parkplatz liegt in direkter Nachbarschaft zu der Sparkassen-Arena. Beginnend mit einer Auftaktskundgebung um 18.30 wird es bis 19.30 Uhr immer wieder kleinere Zwischenkundgebungen rund um den Platz geben. Unter dem Motto der Demonstration „Kein (Park)Platz für Nationalismus“, könnte die Parkplatzsuche für die Besucher des Konzertes, das um 20 Uhr beginnt, problematisch werden.

In Zusammenarbeit mit der Initiative „Keine Bühne für Nationalisten“ organisiert die alte Meierei in Kiel am selben Abend eine Gegenveranstaltung zu dem Konzert. Sie stellen damit ein alternatives Kulturangebot zur Verfügung, das einen antifaschistischen und unkommerziellen Anspruch hat. Ab 19 Uhr treten in dem Kulturzentrum verschiedene Ska-, Punk- und Rockbands auf.

Der Auftritt von „Freiwild“ in der Kieler Sparkassen-Arena sorgte schon im Vorfeld für viel Aufsehen. Immer wieder wurde der Rockgruppe, deren Musik als Deutsch-Rock bezeichnet wird, vorgeworfen, nationalistisches und rechtes Gedankengut in ihren Texten zu verbreiten. Die Band reagierte auf die Vorwürfe und positionierte sich im August 2015 in einem offizielles Statement gegen Fremdenhass.

„Kreuze werden aus Schulen entfernt, aus Respekt

Vor den andersgläubigen Kindern“ (aus Land der Vollidioten)

„Doch ist heute vieles anders, vieles Scheisse

Verkehr, Umweltverschmutzung, Bauten fremder Welten“ (aus Brixen)

Textzeilen wie diese werden von den Demo-Organisatoren kritisiert. „Insbesondere in Zeiten, in denen rechte Gruppen und Parteien einen Aufwind erfahren, Geflüchteten-Unterkünfte brennen und Intoleranz und Hass kursieren, bieten die Texte von Freiwild den Nährboden für völkisches, nationalistisches und rechtes Gedankengut“, schreibt das Bündnis in dem offiziellen Aufruf zur Demonstration.

Laut den Organisatoren werden islamophobe Ansätze musikalisch vertreten, wenn „Bauten fremder Welten“ als „Scheiße“ bezeichnet werden und dass die Schule nicht für eine religiöse Bildung stehen sollte, sondern dass die Religionsfreiheit besonders in staatlichen Institutionen umgesetzt werden muss, werde außer Acht gelassen. Die Texte von „Freiwild“ seien bewusst mehrdeutig und gäben Menschen mit rechtsradikaler Gesinnung die Möglichkeit, sie mit ihren Inhalten zu füllen. Das fördere die Hetze von AfD und PegIdA.

Gegenüber shz.de äußerte sich die Pressesprecherin der Band Sandra Eichner zu den kritischen Textzeilen der Band: „Es ist sehr schwierig und missverständlich einzelne Textpassagen zu interpretieren, wenn man sie aus dem Gesamtzusammenhang reißt“. Das zitierte Beispiel „Bauten fremder Welten“ sei metaphorisch gemeint. Es gehe hier um all das, was die idyllische Natur, die die Band mit Brixen verbinde, verändert. Dazu gehören Fabriken, Atomkraftwerke und Eingriffe in die Natur.

Der Vorwurf der Neonazi-Szene angehört zu haben, der den Sänger Philipp immer wieder trifft, bezeichnet Eichner als kurzen „Irrweg“, den er im Alter von 16 Jahren eingeschlagen hatte. Das Thema „rechts“ ist seitdem für ihn abgehakt. Die Anschuldigung der Islamophobie ist allerdings neu für die Band. „In Verbindung mit der momentanen Diskussion über Islamophobie in unserer Gesellschaft in Zusammenhang gebracht zu werden, ist wirklich sehr, sehr, sehr weit ausgeholt. Die Band empfindet aufgrund ihrer Einstellung generell keine Phobie Menschen gegenüber, die an etwas glauben und die danach streben, für ihre Familie ein bestmöglichstes Leben zu finden“, so Eichner.

Bei der Echo-Veranstaltung am Donnerstagabend gewann die Südtiroler Band einen Preis in der Kategorie „Rock/Alternative National“. Der Preis solle als Symbol für Widerstand gegen Ausgrenzung gesehen werden, sagte die Band bei der Preisverleihung. Dennoch wurde die Übergabe von Buh-Rufen begleitet und auch der Sänger Bosse setzte bei seinen darauffolgenden Auftritt ein Zeichen, indem er nach der Performance seinen Mittelfinger ausstreckte und sang: „Und die hier gehen raus an alle Nazischweine.“

Bei der Echo-Preisverleihung 2013 wurde die Band von der Nominierungsliste gestrichen, als Künstler wie „Kraftklub“, „MIA“ oder „Die Ärzte“ mit dem Boykott drohten.

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erstellt am 08.Apr.2016 | 14:09 Uhr

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