OB-Wahl : Kein Kampf, nur Worte

Stellten sich dem Publikum: Ulf Kämpfer (v.l), Stefan Kruber und Detlef Hackethal.
Stellten sich dem Publikum: Ulf Kämpfer (v.l), Stefan Kruber und Detlef Hackethal.

Zum letzten Schlagabtausch kamen rund 450 Interessierte in die Halle 400. Einzelkandidat Detlef Hackethal trommelt gegen Möbel Kraft. Am Sonntag darf auf eine höhere Wahlbeteiligung gehofft werden, denn schon jetzt gibt es mehr Briefwähler als 2012.

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21. März 2014, 04:59 Uhr

In zwei Tagen wird gewählt. Schon jetzt spricht einiges für eine höhere Wahlbeteiligung als 2012: Schon jetzt sind mit 17 100 Wahlscheinen für die Briefwahl deutlich mehr vom Wahlbüro ausgestellt worden, als 2012 (12 144) insgesamt. Und: Fast jeder Briefwähler hat auch ein Abstimmungsblatt zum Bürgerentscheid angefordert (16 800). Doch wen sollten interessierte Kieler am Sonntag wählen? Wer beim traditionell letzten Überzeugungsversuch in der Halle 400 von den drei Kandidaten einen echten Schlagabtausch am Donnerstagabend erwartet hatte, dürfte enttäuscht gewesen sein.

Stattdessen bekamen die rund 450 interessierten Besucher die schon bekannten Lebenslauf zu hören. Ulf Kämpfer (41) unterstützt von SPD, SSW und Grüne, betonte seine Erfahrung als Familienrichter („Ich weiß, wie man sich in Mettenhof und Düsternbrook scheidet.“) Und, wohlwissend, dass CDU-Kandidat Stefan Kruber (37) seine langjährige kommunalpolitische Erfahrung betonen wird, äußerte Kämpfer: „Ich habe andere Qualifikationen erworben, die vielleicht auch für das politische Amt eines Oberbürgermeisters wichtig sind.“ So sei er als Staatssekretär für Umwelt, Energie und ländliche Räume für über 2000 Mitarbeiter und einen Haushalt von mehr als 300 Millionen Euro zuständig. Er sei ein pragmatischer Idealist, kein klassischer Parteibuchpolitiker. „Ein Oberbürgermeister muss mit beiden Beinen in der Stadt stehen – auf dem West- und Ostufer.“ Selbstverständlich würde er gern das Zentralbad eröffnen, so Kämpfer, aber er müsse sich auch um das versteckte Elend der Stadt kümmern. Denn seiner Meinung nach fehlt Kiel der soziale Zusammenhalt und die gemeinsame Identität, „das Kiel-Gefühl“, das möchte er ändern.

Stefan Kruber betonte seine Kiel-Verbundenheit – Kindheit, Schule, Studium, Familie, Kommunalpolitik – „vielmehr Kiel geht da nicht“. Er will „brachliegendes Potenzial nutzen, wir müssen aktiver werden“. Kiel müsse die Chance nutzen, mehr Wirtschaft auf das MFG-5-Gelände zu holen. „Kiel soll und muss Werftenstandort bleiben.“ Ihn ärgern „die hochgeklappten Bürgersteige in der Innenstadt. „Wir haben zwar kein historisches Zentrum, können aber trotzdem ein attraktives Einkaufszentrum sein.“ Doch dazu brauche es Arbeit und Wohnen in der Innenstadt, um diese zu beleben. Applaus bekam er bei der klaren Absage an die Stadtregionalbahn. Kiel habe viele gute Ideen, doch das Problem, damit nicht in die Umsetzung zu kommen. „Hier brauchen wir den Mut.“ Er müsse nicht angelernt werden und könne sofort im Amt beginnen. Kruber: „Ich glaube, dass es Kiel besser verdient hat, als in den letzten vier Jahren.“

Anerkennung verdient Einzelkandidat Detlef Hackethal (59), der sich – im öffentlichen Reden eher unerfahren – der Masse gestellt hat. Er war der Einzige, der wirklich überraschte. Statt für sich als potenziellen Oberbürgermeister zu werben, kämpfte er mit Herz für die Sache: Für den Bürgerentscheid gegen die Ansiedlung von Möbel Kraft – „für den Erhalt der grünen Lunge Kiels“. Hackethal: „Ich wünsche mir, dass die Leute zur Wahl gehen und mit Ja stimmen.“ Moderator Carsten Kock bemerkte richtig: „Das nimmt man Ihnen auch ab – den Einsatz mit Herz.“ Für die beiden anderen Kandidaten hatte Hackethal sogar ein Geschenk dabei: Kruber bekam das „Ahlener Programm“, das Wirtschafts- und Sozialprogramm, das die CDU 1947 in Nordrhein-Westfalen beschlossen hat. Für Kämpfer hatte er die Schallplatte von „Alexandra“ mit dem Song „Mein Freund der Baum“ dabei.

Die Linie der Kandidaten bei den Themenschwerpunkten Möbel Kraft, SRB, Airpark und Finanzen ist klar. Kruber und Kämpfer sind für die Ansiedlung des Möbelkonzerns, „weil es gut für Kiel ist“ – Hackethal dagegen. Dass Kiel überschuldet ist, sah auch jeder ein – die Lösungsvorschläge differieren. Auch einen Airpark möchte keiner in der Landeshauptstadt missen, schon deshalb nicht, weil das UKSH darauf angewiesen ist, wenn es seine Stellung in der Tranplantationsmedizin halten will. Überrascht hat Kämpfer allerdings bei der SRB mit „schauen wir mal“. Erst müssten die Kieler und das Umland überzeugt werden und „dann entscheidet Kiel und nicht der OB“. Das Fazit zuhörender Kommunalpolitiker klingt ernüchternd: „In den wesentlichen Punkten unterscheiden sie sich nicht, und dann gewinnt am Ende wohl der, der smarter rüber kommt.“ Dass müsse nicht immer auch der kompetentere sein.

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