Angeborener Herzfehler : Kaywans Herz kämpfte sich ins Leben

Halten zusammen: Kaywan (Mitte), Schwester Darya (l.) und Mutter Alexandra Hilberg.
Halten zusammen: Kaywan (Mitte), Schwester Darya (l.) und Mutter Alexandra Hilberg.

Der Junge aus Hessen hat einen Herzfehler, wurde seit den ersten Lebenstagen bereits neun Mal operiert. Er ist Stammgast im anerkannten Kieler Kinderherzzentrum.

Avatar_shz von
11. Juni 2015, 05:57 Uhr

Kaywan fühlt sich in Kiel beinahe mehr zu Hause als in seiner hessischen Heimat Kassel. Fragt man ihn, wo er lieber ist, dann sagt er: „In der Klinik in Kiel“.

Seine Mutter Alexandra Hilberg (43) erklärt, woran das liegt: In der Kinderklinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) stehe ihr Sohn immer im Mittelpunkt: „Hier bekommt er viel Aufmerksamkeit.“ Das gefällt dem Kleinen. Als er fertig ist mit seinen Antworten, fragt Kaywan ganz altklug: „Sonst noch Fragen?“ Kaywan ist ein persischer Name. Übersetzt bedeutet er „der Herrscher“. „Er weiß, wie er uns um den Finger wickelt“, sagt Schwester Darya (18) lachend.

Dass Kaywan einmal so ein Frechdachs werden würde, dass er überhaupt sechs Monate alt werden würde, das hätte am Anfang kaum jemand für möglich gehalten. Ende Juni wird er zehn Jahre alt. Doch in den ersten Jahren hat der Junge schon viel durchgemacht. Er kommt mit einem Herzfehler zur Welt, wird zwei Tage nach der Geburt operiert. Seine Krankheit nennt sich Hypoplastisches Linksherzsyndrom (HLHS) – der schwerste angeborene Herzfehler, der unbehandelt oft schnell zum Tod führt. Übernimmt bei einem gesunden Herzen die linke Kammer die Hauptaufgabe, muss bei betroffenen Kindern ein künstlicher Kreislauf geschaffen werden, da sie diese Kammer nicht haben.

Der gute Ruf der Kinderkardiologie hat die Kasseler Familie – Hilberg und ihr Lebensgefährte haben vier Kinder – nach Kiel gebracht. Denn das Kinderherzzentrum hat Erfahrungen mit einer der weltweit größten Patientengruppen mit diesem Herzfehler. Bisher wurden in Kiel mehr als 200 Kinder mit HLHS operiert.

Kaywan hat bereits neun Operationen hinter sich, davon drei am offenen Herzen. Er hatte Hirnblutungen, einen Wasserkopf und Gerinnungsstörungen. Er bekam eine Lungenentzüngung, erlitt einen Herzstillstand, musste reanimiert werden. Er ist körperbehindert, nicht so belastbar wie andere Kinder. „Aber Kaywan ist ein Kämpfer“, sagt seine Mutter. Gerade erst kam der Junge für seine jährliche Routine-Untersuchung wieder nach Kiel: Herzkatheter und Magnetresonanztomographie (MRT). Ergebnis: unauffällig. Kaywans Familie ist dankbar für die gute Betreuung in der Klinik. Alexandra Hilberg nennt die Leistung „übermenschlich“.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen