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Niederdeutsche Bühne : Karaoke im verschlossenen Kühlraum

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vier Männer, vier Charaktere: Bei der plattdeutschen Erstaufführung „Machos op Ies“ begeistern die Darsteller der Niederdeutschen Bühne mit Spielfreude. Aus ihrer ungemütlichen Lage machen sie zur Freude des Publikums das Beste.

shz.de von
erstellt am 04.Apr.2016 | 10:38 Uhr

Vier Männer auf engstem Raum, aus Versehen eingeschlossen. Das kann nicht gut gehen. Dabei sollte es ein schöner Tag werden. Adrian feiert nämlich seine Hochzeit. Während der Feier verirrt er sich in den Kühlraum. Ein Koch, ein Alleinunterhalter und ein Frauenheld kommen hinzu, und aufgrund mehrerer Missgeschicke sitzen die vier Herren plötzlich fest. Die Tür ist zugefallen, die Türklinke abgebrochen. Gut nur, dass die Kühlung bereits seit Monaten defekt ist.

Wie die Männer mit der Situation umgehen, kann man bei der Niederdeutschen Bühne Kiel sehen. Dort feierte das Theaterstück „Machos op Ies“ erfolgreich Premiere. Es ist die plattdeutsche Erstaufführung der Komödie von Christian Kühn. Die Inszenierung von Karen Dietmair ist kurzweilig, weil die Regisseurin ihren Darstellern trotz des engen Raumes viel Freiraum lässt, um spielerisch zu begeistern.

So begegnet man vier unterschiedlichen Charakteren. Bräutigam Adrian (Hannes Jetzek) ist ein eleganter Charmeur mit nachdenklicher Seite, Koch Sven (Finn Fröhlich) ein knuffiger und gleichzeitig scheinheiliger Kerl, DJ Henne (Markus Laurenat) ein bemitleidenswerter Typ, der gerne cooler wäre als er ist, und Verführer Oliver (Andreas Oswald) ist herrlich ekelhaft. Zwischenmenschliche Konflikte bleiben bei so einer Konstellation nicht aus.

Um die Zeit rumzukriegen, bis sie befreit werden, baut DJ Henne seine Karaoke-Anlage auf – aus dem Kühlraum wird eine Disco. Klingt nach Spaß, würde nicht die Kühlung wieder anspringen und den Raum ungemütlich kalt machen. Doch statt sich von der Taxifahrerin Gönül (Carina Dawert) retten zu lassen, ziehen die vier Männer sie in die missliche Lage hinein.

Immerhin beteiligt sie sich an der Karaoke und schmettert Céline Dions Song „My heart will go on“ aus dem Film „Titanic“ auf die Bühne am Wilhelmplatz. Dazu bilden die vier Herren choreografisch ein Schiff nach und schaffen damit einen von vielen großartigen Momenten. Trotz der niedrigen Temperaturen ist kein Eisberg in Sicht. Nichts droht zu kentern. Auch wenn vielleicht nicht jeder Gesangston sitzt, begeistern die fünf Schauspieler mit großer Spielfreude.

Natürlich gründen die Eingeschlossenen eine Band. Und so heißt es am Ende: Eben noch in der Kühlkammer, jetzt schon auf der Showbühne.
 



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