Partnerschaft im Theater : Kafkas „Bericht für eine Akademie“ als deutsch-russische Produktion

Vom Affen zum Menschen: Anke Pfletschinger spielt die Hauptrolle in Kafkas „Bericht für eine Akademie“, Artjom Terjochin übernimmt die Regie.
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Vom Affen zum Menschen: Anke Pfletschinger spielt die Hauptrolle in Kafkas „Bericht für eine Akademie“, Artjom Terjochin übernimmt die Regie.

Die Komödianten aus Kiel und das Tilsit-Theater aus Sovetsk kooperieren auf der Bühne. Gemeinsam zeigen sie Franz Kafkas ebenso berühmten wie verstörenden „Bericht für eine Akademie“, in dem ein gefangener und zivilisierter Affe von seiner Menschwerdung erzählt.

shz.de von
12. April 2018, 19:12 Uhr

Der Affe (gespielt von Anke Pfletschinger) spricht gestochenes Deutsch. Der Regisseur heißt Artjom Terjochin, spricht Russisch und stammt aus Tilsit, dem heutigen Sovetsk – einer Partnerstadt von Kiel. Gemeinsam präsentieren die Komödianten aus Kiel und das Tilsit-Theater Franz Kafkas „Bericht für eine Akademie“. Premiere ist am kommenden Donnerstag.

Erstaunlich daran: Terjochin spricht kaum ein Wort Deutsch. Aber einerseits zählt Kafka zu seinen Lieblingsautoren, weshalb er den (russischen) „Bericht“ auch so gut wie auswendig kennt. Er hat außerdem das Theaterstück in Sektionen unterteilt, Video-Sequenzen gedreht und die Aufnahmen später mit seinem Textheft abgeglichen. Noch erstaunlicher an dieser deutsch-russischen Kooperation: Während in der deutschen Fassung eher von einem männlichen Affen die Rede ist (exakt geklärt hat Kafka das nicht), ist die Hauptfigur im russischen Manuskript eine Äffin. Hier schließt sich der Kreis: Hauptdarstellerin Anke Pfletschinger hat bereits als begeisterte 16-Jährige den „Bericht für eine Akademie“ auf der Theaterbühne erlebt – die Aufführung festigte endgültig ihren Berufswunsch Schauspielerin.

„Der Text ist ein Minenfeld“, teilt der Regisseur über seine Dolmetscherin mit. Die fundamentalen Fragen der Freiheit und der (vermeintlichen) Befreiung, der Aufgabe des alten beschwerlichen Lebens zugunsten des Aufenthaltes in der Komfortzone des modernen Gefängnisses – damit wollen Anke Pfletschinger, Artjom Terjochin und letztendlich Autor Kafka selbst das Publikum beschäftigen. Verlässliche Antworten wird es im „Bericht“ nicht geben, die Zuschauer sind gefordert, nach eigenen Lösungen zu suchen.

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Premiere ist am Donnerstag, 19. April, um 20 Uhr im Theater der Komödianten (Wilhelminenstraße 43). Weitere Vorstellungen laufen freitags/sonnabends am 11./12. Mai sowie am 18./19. Mai (ebenfalls 20 Uhr). Karten für 16 Euro (ermäßigt: 10 Euro, für Schüler: 6 Euro) gibt es bei den Komödianten, online (www.komoedianten.com) und bei der Konzertkasse Streiber. Öffentliche kostenlose Proben finden statt am 16. und 17. April (19 Uhr) und am 18. April (11 Uhr). Anmeldung wird erbeten unter Tel. 0431/ 55 34 01.

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