Umweltschutz : „Kaffee to go“ im „Becher to bring“

Llieber zum Mehrweg-Becher greifen: (v.l.) Heinz Essel (Bäcker- und Konditorenvereinigung), Maren Andresen (Landesinnungsmeisterin) und Umweltminister Robert Habeck.
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Llieber zum Mehrweg-Becher greifen: (v.l.) Heinz Essel (Bäcker- und Konditorenvereinigung), Maren Andresen (Landesinnungsmeisterin) und Umweltminister Robert Habeck.

Eine neue Handlungsempfehlung des Umweltministeriums soll dem umweltschädlichen Einweg-Kaffeebecher den Garaus machen. Mit den Bäckereien ist abgesprochen, dass Kunden entweder ein eigenes Gefäß mitbringen oder sich einen Becher leihen können.

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29. März 2017, 12:28 Uhr

Beim Stadtbummel, auf dem Weg zum Bahnhof oder beim Warten auf den Bus – der schnelle Kaffee aus den kleinen Papp- oder Plastikbechern ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Dass der Wegwerfbecher in seiner Produktion und Entsorgung umweltschädlich ist, dürfte mittlerweile bekannt sein. Doch das Umweltministerium, der Landesinnungsverband des Bäckerhandwerks Schleswig-Holstein und die Bäcker- und Konditorenvereinigung Nord sagen dem kleinen Pappkameraden jetzt den Kampf an. Eine Liste mit Handlungsempfehlungen soll Betrieben nämlich den Weg zu umweltschonenden Alternativen ebnen. Zwei Varianten könnten dem Einwegbecher so künftig Konkurrenz machen: die Befüllung kundeneigener Becher in den Filialen und ein Pfandsystem, mit dem die Bäckerei ihre eigenen Mehrwegbecher quasi an den Kunden verleiht.

Die größte Hürde seien die Hygienevorschriften gewesen, erklärte Landesinnungsmeisterin Maren Andresen gestern bei der Vorstellung des Projekts in der Bäckerei „Brot & Zeit“: „Wir mussten uns bei der Erarbeitung an den Hygienerichtlinien von Veterinäramt und Umweltbehörde längshangeln und uns fragen: Was ist machbar, was nicht.“ Denn die Kunden, sagte Maren Andresen, fragten immer häufiger nach umweltschonenden Alternativen zum Einwegbecher für den Kaffee. Bereits vor zwei Jahren hatten der Landesinnungsverband und die Bäcker- und Konditorenvereinigung das Gespräch mit dem Umweltministerium gesucht – und sind seitdem „hartnäckig drangeblieben“, erklärte Umweltminister Robert Habeck: „Im Grunde muss ich mich bei Ihnen bedanken, dass wir so gezwungen wurden, endlich eine Grundlage zu schaffen.“

Insgesamt acht Regeln umfasst die Handlungsempfehlung des Umweltministeriums: So sollen etwa die verwendeten, ausschließlich sauberen, Behältnisse eine glatte, leicht zu reinigende Oberfläche haben und der direkte Kontakt von Becher und Abfüllstutzen der Maschinen verhindert werden. „Es sind klare, leicht einzuhaltende Spielregeln“, sagte Robert Habeck und ließ sich sogleich in der „Brot & Zeit“-Filiale seinen eigenen mitgebrachten Becher mit Kaffee befüllen.

Diese Spielregeln sollen nun Betriebe dazu animieren, auf das „Becher-to-bring“-System umzusatteln und so den Einwegbecher-Müll zu reduzieren. Denn, so Habeck: „Wir haben uns da in was verrannt.“ Doch damit ist die Arbeit noch nicht getan, hielt Maren Andresen fest: „Wir denken über ein Pfandsystem nach, an dem sich mehrere Betriebe beteiligen.“ Die Idee: „Ich lasse meinen Becher in Kiel befüllen und kann ihn in Hamburg abgeben“, so Maren Andresen. Den dafür eigenen „Bäcker-Becher“ stellt die Landesinnungsmeisterin kommende Woche in Berlin ihren Kollegen vor. „Wir möchten das Pfandsystem landesweit forcieren.“ Die Bäcker bundesweit von dem Pfandsystem zu überzeugen, sei nicht das Problem, sagte Maren Andresen: „Die Anforderungen der Veterinärämter sind aber total verschieden.“

Seit der Jahrtausendwende hat sich der Verbrauch der Wegwerfbecher verdreifacht. 320  000 To-Go-Becher gehen in Deutschland über die Ladentheke – pro Stunde. Das sind drei Milliarden pro Jahr allein im Bundesgebiet und 40  000 Tonnen Müll.

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