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Platz-Besetzung : Kämpfers Angebot ans „Prüner Schlagloch“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kiels OB führte ein „konstruktives vernünftiges Gespräch“ mit den Besetzern des Möbel-Kraft-Geländes. Doch er ließ auch keinen Zweifel daran, dass der Platz geräumt werden muss. Freiwillig oder mit Einsatz der Polizei.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2017 | 18:08 Uhr

„Entscheidend für die friedliche Beendigung dieser Besetzung ist es, aus der Anonymität herauszutreten und sich an Regeln zu halten“, erklärte Kiels Oberbürgermeister (OB) Ulf Kämpfer gestern in seiner offiziellen Stellungnahme zum „Prüner Schlagloch“. Unter diesem Namen leben seit Ende April Bewohner von zehn Bau- und Wohnwagen auf jenem Gelände, das Möbel Kraft als Baugrund für ein neues Einrichtungshaus dient. Das Ziel der Besetzer: Freiraum in einer Stadt, in der bezahlbarer Wohnraum Mangelware ist, erklärte eine Bewohnerin Anfang Mai.

Nachdem Mitarbeiter der Stadt dem „Prüner Schlagloch“ bereits vergangene Woche einen Besuch abgestattet hatten, suchte nun auch Ulf Kämpfer am Mittwoch das Gespräch mit den auf Anonymität pochenden Besetzern. Bei Kaffee und Sojamilch führte der Oberbürgermeister mit sechs von ihnen laut eigener Einschätzung ein „konstruktives, vernünftiges Gespräch“. Die Frage, die jedoch noch immer im Raum steht, ist: Wie geht es weiter?

Bisher hatte der Grundstückseigentümer Möbel Kraft Geduld mit den Besetzern bewiesen. Immerhin haftet das Unternehmen im Falle von etwaigen Schäden oder Unfällen auf dem privatem Grund. Nach dem Einräumen eines Bleiberechtes bis Montag dieser Woche soll jetzt aber Schluss sein mit dem „Prüner Schlagloch“. Mit einer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs hat Möbel Kraft nun den ersten Schritt getan, um wieder Herr über das eigene Land zu werden. Gestern hatte die Polizei vor Ort die Personalien einiger Wagenplatz-Anwohner aufgenommen. Der nächste Schritt wäre die gerichtlich verfügte Räumung des Geländes. „Für alle Beteiligten wäre das kein schönes Ergebnis“, urteilte Kämpfer – und erinnerte an die Entwicklungen um das besetzte Gelände am Flensburger Harniskai, das im vergangenen Jahr gewaltsam durch die Polizei geräumt werden musste. Eine Gruppe von Besetzern hatte zweieinhalb Jahre lang versucht, dort ein Wohn- und Kulturraumprojekt auf die Beine zu stellen. „Da gingen gefühlt alle als Verlierer raus“, so Kämpfer. So weit wolle die Stadt Kiel es aber nicht kommen lassen, sagte der OB und versucht nun zu vermitteln.

Zwei Lösungen der derzeitigen Situation seien demnach möglich: „Wir sind gerne bereit, uns mit den Bewohnern zusammenzusetzen und zu sehen, ob man auf anderen städtischen Flächen ein alternatives Lebensmodell gestalten kann.“ Grundvoraussetzung für diese Lösung sei aber die Einhaltung rechtlicher Vorschriften, mahnte Kämpfer. „So wie sie es angefangen haben, geht’s nicht – nicht auf dem Gelände und auch nicht aus der Anonymität heraus.“ Denn die Besetzer tun einiges dafür, um unerkannt zu bleiben. Die Kennzeichen ihrer Wohnwagen etwa haben sie mit „Fuck-AfD“-Aufklebern abgedeckt.

Er könne nur den fairen Dialog anbieten, jedoch keine Versprechen machen, sagte Ulf Kämpfer deutlich, ob und wie schnell eine Lösung gefunden werden kann. „Es ist keine bequeme Option, aber aus meiner Sicht die einzige.“ Er hat den Besetzern ein paar Tage Zeit gegeben, um sich zu entscheiden. „Wenn ich kein Signal bekomme, ist das auch ein Signal.“ Denn: „In beiden Varianten wird der Platz geräumt“, also entweder freiwillig oder durch die Polizei – wobei er selbst auf eine friedliche Lösung hoffe, betonte der Oberbürgermeister. Bisher habe er aber noch nichts von den Besetzern gehört.

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