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Oberbürgermeister vereidigt : Kämpfer: „Es juckt mich, loszulegen“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ulf Kämpfer wurde gestern Abend in der Ratsversammlung als neuer Kieler Oberbürgermeister vereidigt. In seiner Ansprache sprühte er vor Tatendrang und Optimismus, zeigte aber auch Demut. Später wurden zwei neue Dezernenten gewählt.

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erstellt am 15.Apr.2014 | 06:18 Uhr

Er hatte glasklar gewonnen, sich mit 63,12 Prozent der Stimmen gegen den CDU-Konkurrenten Stefan Kruber durchgesetzt. Auch der parteilose Mitbewerber Detlef Hackethal hatte vor drei Wochen bei der Oberbürgermeisterwahl das Nachsehen. Gestern Abend nun wurde – wieder einmal – ein SPD-Kandidat als neues Kieler Stadtoberhaupt vereidigt. Ein strahlender Ulf Kämpfer zeigte sich in Anwesenheit vom Vor-Vorgänger und Ministerpräsidenten Torsten Albig, Innenminister Andreas Breitner und Umweltminister Robert Habeck im Ratssaal des Rathauses. Einer, der sich noch immer überrascht gibt von seinem ungeplanten Wahlerfolg. Einer, der zeigt, dass er anpacken und Kiel voranbringen möchte. Aber auch einer, der sich demütig gibt vor den Herausforderungen der Stadt.

„Vor einem halben Jahr hätte ich im Traum nicht daran gedacht, dass ich heute als frisch vereidigter Kieler Oberbürgermeister vor Ihnen stehen würde. Es gibt noch häufig Augenblicke, in denen ich voller Verwunderung darauf blicke, was da geschehen ist; welche Zufälle und Winkelzüge des Schicksals da im Spiel waren“ – so begann Kiels neuer Verwaltungschef seine Ansprache. Mit viel Vorfreude gehe er an die Arbeit, sagte Kämpfer, aber auch mit Respekt. In verschiedenen Facetten ließ Kämpfer diesen durchscheinen. Etwa in diesem Satz: „Die Erwartungen an mich sind groß, und einige sind vielleicht zu groß und manchmal auch zu widersprüchlich, um sie erfüllen zu können.“ Respekt sprach Kämpfer auch Albig und der direkten Amts-Vorgängerin Susanne Gaschke aus, die vor sechs Monaten nach den Querelen um den „Steuer-Deal“ zurückgetreten war. Sie hatte in den Augen vieler Kieler nicht nur dem Amt geschadet, sondern auch dem Image der Landeshauptstadt.

Kämpfer (41) als gebürtiger Plöner, der an der Förde lebt, fasste seine Liebe zu Kiel in eigene Worte: Kiel – die „sympathisch unfertige Stadt“. Und: „Wer Kiel hässlich findet, hat nur nicht genau hingeschaut.“ Eine auf den zweiten Blick schöne Stadt also. Und pleite. Das benannte der promovierte Jurist klar: „Wir stecken tief in den roten Zahlen.“ Er schlug einen neuen Versuch zu einer Konsolidierungskommission mit der Ratsversammlung vor. Sein Ziel: Handlungsspielräume besonders in der Bildung, im Sozialen und bei Zukunftsinvestitionen zu behalten.

Wie möchte der neue OB wahrgenommen werden? „Die Stadtverwaltung hat Anspruch auf eine klare, kraft- und respektvolle Führung“, betonte Kämpfer. Er möchte, auch wenn er kein „Lautsprecher“ ist, den „Sound der Stadt prägen“, will ein Oberbürgermeister sein, „der Weichen stellt, aber nicht überall reinredet, einer, der klar und verlässlich eine Linie vorgibt, ohne beratungsresistent zu sein.“ Er wagte auch einen Blick in die Zukunft: In seiner sechsjährigen Amtszeit bis 2020 sollen in Kiel möglichst 4000 neue, bezahlbare Wohnungen für 5000 neue Kieler entstehen. „Wir werden 2020 ein neues Zentralbad haben, ein neues klimafreundliches Gaskraftwerk, eine attraktiv bebaute Hörn.“ Nach dem Wahlkampf „juckt es mich, nun loszulegen“, sagte der „sanfte Krieger“. Sein Amt tritt er am 24. April an.

Mit ihm treten zwei neue Dezernenten an: Gerwin Stöcken wurde gestern Abend noch zum Stadtrat für Soziales, Wohnen, Gesundheit und Sport gewählt. Renate Treutel übernimmt die Bereiche Jugend, Bildung und Kreative Stadt.

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